Hohe Nachfrage nach Brennstoffzellen-Auto: Toyota erhöht die Produktion des Mirai

Hohe Nachfrage nach Brennstoffzellen-Auto: Toyota erhöht die Produktion des Mirai

Nach unerwartet vielen Vorbestellungen für sein Wasserstoff-Auto Mirai will Toyota die Produktion des Hoffnungsträgers ausbauen. Doch es bleibt eine Wette auf die Zukunft.

Mit dem Mirai will Toyota das Auto der Zukunft bauen: Keine CO2-Emissionen, keine Stickoxide, keine Rußpartikel trüben die Umweltbilanz des Brennstoffzellenautos – aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Das Problem der Elektroautos mit geringen Reichweiten und langen Ladezeiten hat er auch nicht: Der Wasserstofftank ist nach 500 Kilometern Fahrt in nur wenigen Minuten wieder gefüllt.

Doch bei den Marktchancen des Mirai (japanisch für "Zukunft") war selbst das Toyota-Management zurückhaltend. Das erste Fahrzeug aus der Serienproduktion wurde medienwirksam Mitte Dezember an den japanischen Premierminister Shinzo Abe übergeben. 400 weitere Exemplare sollten pro Jahr folgen.

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Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzelle

  • Wasserstoff und Brennstoffzelle

    Wasserstoff ist im Gegensatz zum Öl kein begrenzter Rohstoff. Es ist das am häufigsten vorkommende chemische Element. Größter Erzeuger ist die chemische Industrie, die Wasserstoff als Neben- oder Koppelprodukt herstellt. Allein damit könnten in Deutschland nach Angaben des Technologiekonzerns Linde 750.000 Fahrzeuge betrieben werden.

  • Das Prinzip

    Das Prinzip ist einfach, die technische Umsetzung aber anspruchsvoll: Bei der energieaufwendigen Elektrolyse wird Wasser mit Hilfe von Elektrizität in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Wasserstoff ist ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder extrem gekühlt gelagert werden kann.

  • Wirkungsweise

    In einer Brennstoffzelle erzeugen Wasserstoff und Sauerstoff an einer Membran in einer sogenannten kalten Verbrennung Elektrizität. Dabei entsteht auch Wärme. Das Abgas ist Wasserdampf. In einem Auto kann mit einer Brennstoffzelle ein Elektromotor angetrieben werden.

  • Umstrittene Erzeugung

    Umstritten ist aber die Erzeugung des Wasserstoffs. Bislang wird der Energieträger zu 90 Prozent aus dem fossilen Rohstoff Erdgas hergestellt. Während aus dem Auspuff eines Brennstoffzellenautos nur Wasserdampf entweicht, wird bei der Herstellung des Wasserstoffs das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Wird Wasserstoff aber mit Hilfe von Strom aus Windenergie oder Photovoltaik gewonnen, ist die Klimabilanz deutlich besser.

  • Reichweite

    Die Reichweite von Autos mit Brennstoffzelle ist deutlich größer als die der batteriegetriebenen Fahrzeuge. Ein Beispiel: Eine Mercedes-Benz B-Klasse mit Brennstoffzelle hat nach Unternehmensangaben eine Reichweite von 385 Kilometern, der Elektro-Smart mit Batterie kann bis zu 135 Kilometer zurücklegen.

Nach nur wenigen Wochen muss der Autobauer seine Produktionspläne aber kassieren: Die Nachfrage ist viel höher als angenommen. In den ersten vier Wochen sind bereits rund 1500 Bestellungen eingegangen – bei 400 Mirais pro Jahr würde dies Lieferzeiten von mehr als dreieinhalb Jahren bedeuten. Vier von zehn Käufern sind bislang Privatkunden, 60 Prozent der bisherigen Bestellungen entfallen auf Behörden und Unternehmen.

Netz an Wasserstoff-Tankstellen für den Erfolg entscheidend

Wegen der hohen Nachfrage hat Toyota jetzt angekündigt, das Produktionsvolumen bis 2017 stufenweise auszubauen. Für das laufende Jahr ist laut den neuen Plänen eine Fertigung von 700 Einheiten vorgesehen. 2016 sollen bereits 2000, ein Jahr später 3000 Fahrzeuge vom Band laufen.

Für die Toyota-Verantwortlichen ist die Produktionserhöhung allerdings eine Wette auf die Zukunft: Wartezeiten von dreieinhalb Jahren sind bei keinem Modell tolerabel, bei einem Aushängeschild wie dem Mirai erst recht nicht. Von den hohen Vorbestellungen in Japan auf die internationale Nachfrage zu schließen, wäre seinerseits aber auch fahrlässig: In Japan wird der Kauf des Wasserstoffautos vom Staat mit 14.000 Euro subventioniert.

Auch in anderen Ländern hängt der Verkaufspreis stark von staatlichen Förderprogrammen oder Steuervorteilen ab. So soll der Mirai in den USA für 57.500 Dollar, also knapp über 50.000 Euro, verkauft werden. In Deutschland steht die Brennstoffzellen-Limousine ab September für 78.450 Euro beim Toyota-Händler.

Alternative Antriebe Was die Brennstoffzelle kann

Abgasfrei, geräuschlos und in wenigen Minuten aufgetankt: Die Brennstoffzelle scheint die Vorteile von Benzin- und Elektromotoren zu verbinden. Was die Technik kann – und was zum Durchbruch fehlt.

Toyotas Brennstoffzellen-Auto Mirai Quelle: Presse

Ein weiteres Fragezeichen beim Erfolg des Mirai sind die Wasserstoff-Tankstellen. Die Brennstoffzelle an Bord gewinnt aus dem Wasserstoff und dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft Strom, der dann den 154 PS starken Elektromotor antreibt. Nach spätestens 500 Kilometern ist aber der Tank leer – und Wasserstoff-Tankstellen sind zumindest in Deutschland noch viel seltener als Schnellladesäulen für Elektroautos. Rund 20 H2-Zapfsäulen gibt es hierzulande, davon sind aber nicht alle öffentlich zugänglich.

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In Japan hingegen hat die Brennstoffzellentechnologie seit der Fukushima-Katastrophe einen anderen Stellenwert. Sie wird nicht nur, wie hierzulande, als emissionsfreier Antrieb für Autos gesehen, sondern auch als Möglichkeit zu einer dezentralen Energieversorgung – jeder Haushalt könnte mit einer eigenen Brennstoffzelle sich selbst mit Strom versorgen.

Das setzt allerdings ein flächendeckendes Wasserstoff-Versorgungsnetz voraus – und den politischen Willen, ein solches Netz aufzubauen.

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