IG Metall: Erste Opel-Mitarbeiter stimmen Sanierungsplan zu

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IG Metall: Erste Opel-Mitarbeiter stimmen Sanierungsplan zu

An den drei Opel-Standorten Kaiserslautern, Dudenhofen und Rüsselsheim hat die Belegschaft dem Sanierungsplan zugestimmt. Der von den Kürzungen besonders hart getroffene Standort Bochum beteiligt sich vorerst nicht.

Die IG Metall-Mitglieder an drei Opel-Standorten haben dem Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer zugestimmt. Die Belegschaft in Kaiserslautern, Dudenhofen und Rüsselsheim habe den Kompromiss von Gewerkschaft, Adam Opel AG und Gesamtbetriebsrat mit großer Mehrheit angenommen, teilte der Metall-Bezirk Mitte am Freitag in Frankfurt mit. Zunächst soll bis Monatsende nachverhandelt werden. Gewerkschaft, Gesamtbetriebsrat und Adam Opel AG hatten sich Ende Februar nach monatelangen Gesprächen grundsätzlich auf den Plan geeinigt.

Am Standort Eisenach sollen die Mitarbeiter frühestens Anfang kommender Woche ihr Votum abgeben. Der von den Kürzungen besonders hart getroffene Standort Bochum beteiligt sich vorerst nicht. Dort kämpft der Betriebsrat um die Sicherung von Arbeitsplätzen und Produktionszusagen und lehnt den Plan bisher ab. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Enkel sagte am Donnerstag, er sei verärgert über das Vorpreschen der Arbeitnehmervertretungen in den anderen Opel-Werken: „Das ist eine merkwürdige Situation und nicht hilfreich.“ Einenkel sprach von einer „Steilvorlage für das Management“ und einem tiefen Riss in der Belegschaft.

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So stand es 2014 um Opel

  • Der Verhandlungsplan

    Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Doch generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Im September 2014 wurden betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 (und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt) ausgeschlossen werden. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern Zusagen zu Standorten und Beschäftigung über 2016 hinaus. (Quelle: dpa)

  • Werkschließungen oder Massenentlassungen?

    Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht, wie ursprünglich angestrebt, Anfang 2015, sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten. Schäfer-Klug zeigte sich am Dienstag im Gespräch mit der dpa zuversichtlich: „Ich sehe nicht, dass Opel plant, sich komplett aus Bochum zurückziehen. Aber wie die konkrete Zukunft der Standorte in Deutschland und insbesondere in Bochum aussieht, werden wir gemeinsam in den Verhandlungen klären.“

  • Die Überkapazitäten

    Bei den Verhandlungen geht es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38.000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

  • Sanierungsbeiträge der Beschäftigten?

    Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

  • Wann sollen die Gespräche abgeschlossen werden?

    Offiziell scheuen alle Beteiligten davor zurück, einen Termin zu nennen. Schließlich waren die ehrgeizigen Erwartungen der Arbeitnehmervertreter zuletzt enttäuscht worden. Dem Vernehmen nach soll aber in einigen Wochen ein Ergebnis stehen.

  • Die Allianz mit PSA

    Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Steve Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

  • Fallen durch die Allianz Stellen weg?

    Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

  • Wie ernst ist die Lage bei Opel?

    Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im zweiten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 361 Millionen Dollar (294 Mio Euro). Das Ergebnis des dritten Quartals legt GM an diesem Mittwoch (31. Oktober) vor.

„Wir sollen abgewickelt werden und das sollen wir auch noch unterschreiben“, sagte Einenkel. Er kritisierte etwa, dass betriebsbedingte Kündigungen bei Opel zwar bis zum 31. Dezember 2016 ausgeschlossen werden sollen, nicht aber in Bochum: Bis Ende 2014 müssten 600 Beschäftigte ausscheiden, etwa über Abfindung, Altersteilzeit oder Eigenkündigung: „Wenn diese Quote nicht erreicht wird, kann ab 1.1.2015 betriebsbedingt gekündigt werden.“ Auch deshalb habe sich der Betriebsrat gegen die Kompromisslösung von Management, Gesamtbetriebsrat und IG Metall gestellt. Dabei stößt dem Metaller auch auf, dass an den anderen Opel-Standorten auch über die Zukunft von Bochum mit abgestimmt werde. „Das ist ein Beispiel dafür, wie man Belegschaften spaltet“, sagte er. Dabei hätten sich die Arbeitnehmervertreter zuvor im Prinzip darauf verständig, einem Vertrag nur zustimmen, wenn alle Verhandlungsführer einverstanden seien. Weitere Gespräche in Bochum würden nun erheblich erschwert.

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Der Plan sieht unter anderem vor, dass die Belegschaft im Gegenzug für die Verlängerung des Kündigungsschutzes um zwei Jahre Tariferhöhungen stunden wird. Trotzdem will Opel nach 2016 in Bochum keine Autos mehr bauen, aber im Warenverteilzentrum und einer neuen Komponentenfertigung rund 1200 Arbeitsplätze erhalten. „Was mit hochwertigen Komponentenarbeitsplätzen gemeint ist, für welche Modelle und für welche Laufzeit das geplant ist, konnte seitens des Vorstandes niemand sagen“, schimpfte Einenkel. Er kritisierte die Zusagen als zu schwammig.

Nach aktuellem Stand haben die Arbeitnehmervertreter in Bochum noch bis Monatsende Zeit, in Verhandlungen mit dem Management Verbesserungen zu erreichen. „Innerhalb dieser Frist wollen wir gemeinsam Druck machen, um für Bochum eine Lösung zu schaffen“, sagte der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Armin Schild. Er sei zuversichtlich, dass bis dahin eine akzeptable Lösung gefunden werden könne. Misslingt die Einigung, würde für den Standort der aktuelle Standortsicherungsvertrag gelten. Dieser sichert Werke und Arbeitsplätze aber nur bis Ende 2014.

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