Peugeot & Opel: Was Sie über den möglichen Verkauf wissen müssen

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Interesse von Peugeot: Was Sie über den möglichen Opel-Verkauf wissen müssen

, aktualisiert 15. Februar 2017, 08:16 Uhr
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PSA Peugeot Citroën hat Interesse an Opel.

von Sebastian Schaal

Wird aus der Zusammenarbeit zwischen Opel und dem französischen PSA-Konzern mehr? Peugeot und Citroën prüfen eine Übernahme von Opel. Doch noch ist vieles unklar. Die Fakten in der Übersicht.

Was besagen die aktuellen Meldungen?

Zunächst hieß es in zwei Agenturberichten, dass sich der amerikanische Mutterkonzern General Motors sich in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Verkauf von Opel an PSA Peugeot Citroën befinden soll. Ein Abschluss könne binnen Tagen verkündet werden.

Schnell bestätigte Peugeot die Gespräche. PSA sondiere eine Reihe strategischer Möglichkeiten mit GM, darunter auch eine mögliche Akquisition von Opel, sagte ein Sprecher der PSA Group. Ziel sei es, die Ertragskraft von PSA zu steigern.

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Opel äußerte sich nicht, aber General Motors bestätigte ebenfalls die Gespräche. Die Konzerne loteten verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus, inklusive einer möglichen Übernahme der deutschen und britischen GM-Töchter Opel und Vauxhall, teilten die Amerikaner am Dienstag in Detroit mit. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde.

Hintergründe zur PSA Group

  • Absatz

    Der vom Staat gestützte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im vergangenen Jahr weltweit über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der französische VW-Konkurrent mit den Marken „Peugeot“, „Citroën“ und „DS“ sieht sich in Europa schon länger als Branchenzweiter.

  • Sanierung

    Konzernchef Carlos Tavares fuhr in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau. Um das vor drei Jahren stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

  • Chinesischer Investor

    Auch der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng stieg 2014 bei dem Traditionsunternehmen mit 14 Prozent ein. Der Einfluss der Peugeot-Familie sank im Zuge der Sanierung hingegen beträchtlich.

  • Umsatz

    Der Umsatz betrug im vorvergangenen Jahr 54,7 Milliarden Euro; neuere Jahreszahlen liegen nicht vor. Der Konzern beschäftigte 184.000 Mitarbeiter.

  • Diesel-Untersuchung

    Unlängst schaltete die französische Antibetrugsbehörde nach Untersuchungen zu Diesel-Abgasen bei PSA die Justiz ein. Ein entsprechendes Dossier ging an die Staatsanwaltschaft. Es liegt nun an der Justiz, über eventuelle Folgen zu entscheiden. Der Konzern betonte, er habe seine Fahrzeuge niemals mit Betrugs-Software ausgestattet.

Bei dem Vorhaben kann PSA offenbar auf den Rückhalt der französischen Regierung setzen. Diese unterstütze das Management „bei dem Wunsch, eine kritische Masse zu erreichen“, sagte ein Vertreter des französischen Wirtschaftsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Die Regierung werde aber genau darauf achten, welche Konsequenzen sich aus dem Geschäft für die Arbeitsplätze ergäben. Die Regierung hält etwa 14 Prozent der Anteile des Zwei-Marken-Konzerns PSA Peugeot Citroën.

In der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung stießen die ersten Meldungen über die Verhandlungen am Dienstag auf scharfe Kritik: Es sei “nicht akzeptabel”, dass Betriebsrat, IG-Metall und Landesregierung nicht über die Verkaufspläne informiert worden seien, bevor diese an die Öffentlichkeit gelangten, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). General Motors müsse für Standorte, Entwicklungszentrum und die Sicherung von Beschäftigung Verantwortung tragen. Das sei eine "klare Erwartung" an das US-Unternehmen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich überrascht. Hessen versuche, den Kontakt zum Management aufzunehmen, um mehr Klarheit über die Verkaufspläne zu erhalten. Denn es sei wichtig, den Standort Rüsselsheim, die hiesigen Arbeitsplätze und das Entwicklungszentrum zu erhalten.

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing forderte am Mittwochmorgen von PSA Peugeot Citroën bei einer Übernahme von Opel die dauerhafte Sicherung der deutschen Standorte. "Wir sind so aufgestellt, dass wir ein klares Bekenntnis zur deutschen Marke erwarten und auch zu den deutschen Standorten", sagte im Deutschlandfunk. "Ich bin bereit, dem potenziellen Käufer eine faire Chance zu geben", ergänzte er. Er wolle alles tun, um den Opel-Standort Kaiserslautern dauerhaft zu sichern. Eine Übernahme durch Peugeot könne auch Vorteile bieten. Er sei jedenfalls gesprächsbereit für die Beteiligten. Wissing äußerte die Vermutung, dass die Bereitschaft von General Motors, Opel/Vauxhall zu verkaufen, etwas mit dem Brexit zu tun haben könnte. "Das könnte eine Rolle gespielt haben", sagte er.

General Motors Peugeot bestätigt Gespräche über Opel-Kauf

Seit fast 90 Jahren gehört Opel zu General Motors. Das könnte bald vorbei sein: Der amerikanische Mutterkonzern könnte Opel an Peugeot verkaufen. Die Franzosen haben Gespräche über den Kauf bestätigt.

Wird Opel französisch? Quelle: dpa

Ergibt eine solche Übernahme Sinn?

Analysten reagierten zunächst skeptisch auf den möglichen Zusammenschluss. „Wenn sich zwei Lahme zusammentun, wird kein Gesunder daraus“, sagte ein Experte. Für GM wäre der Verkauf gut, er bezweifle jedoch, dass Peugeot mit Opel glücklich werden. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen meinte: „Eins und Eins ergibt in diesem Fall nicht zwei, sondern eineinhalb.“

Die grundsätzliche Überlegung hinter dem Deal: Bei einigen Modellen arbeiten Opel und PSA bereits zusammen, zudem sind sie in unterschiedlichen Märkten stark. Gelänge es, auch bei weiteren Modellen auf derselben technischen Plattform unterschiedliche Autos zu entwickeln – wie es etwa der Volkswagen-Konzern seit Jahren macht – könnte das die Einkaufs-, Entwicklungs- und Produktionskosten drastisch senken.

Zu den Unternehmen, die angesichts hoher Investitionen in die Elektromobilität und autonomes Fahren Anschluss an einen finanziell stärkeren Partner suchen, gehört der italienische-amerikanische Autobauer FiatChrysler. Konzernchef Sergio Marchionne hat sich schon mehrfach bei GM ins Gespräch gebracht, blitzte aber ab. Ein Bund von Opel und Peugeot könnte seinen Konzern zusätzlich unter Druck setzen. Experten glauben daher, dass die Italo-Amerikaner ebenfalls für Opel bieten werden.

Wie haben Opel und PSA bereits zusammengearbeitet?

Opel und Peugeot hatten bereits vor einigen Jahren eine Allianz angestrebt. Am Ende blieb davon die gemeinsame Produktion von einigen Modellen – so basiert etwa der Opel Crossland X, der Anfang März auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wird, auf dem Peugeot 2008. Ein Kompakt-SUV von Opel, das später in diesem Jahr vorgestellt werden soll, übernimmt die Technik vom Peugeot 3008. Zudem arbeiten beide Unternehmen an einem Nutzfahrzeug im B-Segment – wahrscheinlich ein kleiner Kastenwagen.

Aus der Zusammenarbeit erhoffen sich die Partner Synergien von rund 1,2 Milliarden US-Dollar bis 2018, die gleichmäßig zwischen den beiden Unternehmen geteilt werden sollen. Die Produktion eines gemeinsamen Kleinwagens samt der Benzinmotoren wurde allerdings nicht verwirklicht. Opel baut seine Kleinwagen Adam und Karl unabhängig von den Franzosen in Deutschland.

Was spricht gegen eine Übernahme?

Beide Unternehmen sind derzeit noch als Konkurrenten unterwegs. Bis alle Baureihen auf eine gemeinsame Basis umgestellt wären, würden Jahre vergehen. Erst dann kommen aber die Einsparungen voll zum Tragen – davor kosten die Parallel-Strukturen und Neuentwicklungen viel Geld. Und sowohl PSA als auch Opel sind nicht auf finanziellen Rosen gebettet.

In wichtigen Zukunftsfeldern wie etwa der Elektromobilität als auch der Vernetzung sind weder Opel noch PSA Vorreiter. Opel bringt zwar in diesem Jahr mit dem Ampera-e ein neues Elektroauto auf den Markt, doch der Wagen ist in erster Linie eine Kopie des Chevrolet Bolt – und wird auch in den USA gefertigt. PSA hat seit der Premiere des Citroën C-Zero und Peugeot iOn – die ihrerseits Kopien des Mitsubishi iMiEV sind – kein eigenes Elektroauto auf den Markt gebracht.

Zudem wäre das Unternehmen auch nach einer Opel-Übernahme in den Wachstumsmärkten China und Südamerika viel zu schwach vertreten, warnt Dudenhöffer. „Die sitzen gemeinsam auf der kleiner werdenden Scholle Europa.“ Ähnlicher Meinung ist auch Stefan Bratzel von der FH Bergisch-Gladbach: „Opel hilft PSA außerhalb Europas kein Stück.“

Was sagt die Politik zu den Verhandlungen?

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries kritisierte den Ablauf der Verhandlungen. Die Gespräche seien ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat oder der hessischen Landesregierung geführt worden, sagte Zypries. Das sei völlig inakzeptabel. Auch die Bundesregierung sei nicht informiert worden. General Motors stehe in der Verantwortung, insbesondere das Entwicklungszentrum in Deutschland zu belassen.

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Mali Dreyer zeigte sich von der möglichen Übernahme überrascht, setzte sich aber für die Mitarbeiter ein. „Für Rheinland-Pfalz als „Opel-Land“ ist natürlich klar, dass wir uns den Erhalt der Marke Opel wünschen, Beschäftigungssicherheit für die Mitarbeiter und Sicherheit für den Produktionsstandort Kaiserslautern“, so Dreyer in einer Mitteilung.

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