Interne KBA-Mail: CO2-Messung von VW "mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung erreicht"

exklusivInterne KBA-Mail: CO2-Messung von VW "mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung erreicht"

von Annina Reimann

VW könnte, anders als bisher bekannt, mit einer verbotenen Abgassoftware für Dieselmotoren nicht nur Stickoxid-Werte verfälscht haben, sondern auch die CO2-Werte.

Darauf deutet eine E-Mail aus dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hin, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Darin heißt es, „dass die ursprüngliche CO2-Messung“ des VW Amarok „nicht valide war, da sie mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung erreicht wurde“. VW sagte dazu der WirtschaftsWoche, dass die Schlussfolgerung zur Validität der CO2-Messung nicht zutreffend sei. Der Vorgang ist relevant, denn falsche CO2-Angaben haben Einfluss auf die Höhe der Kfz-Steuer. Unklar ist, ob bei der nicht validen Messung die zulässigen Grenzwerte überschritten wurden.

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Die E-Mail findet sich in umfangreichen internen Unterlagen der Bundesregierung, die die WirtschaftsWoche ausgewertet hat. Dazu gehört auch ein Entwurf des Abschlussberichtes des Volkswagen-Untersuchungsausschusses, der demnächst veröffentlicht werden soll. Demnach war Volkswagen schon im Jahr 2012 mit dem Golf VI TDI mit überhöhten CO2-Werten aufgefallen. In diesem Auto ist dem Bericht zufolge der Motor EA 189 verbaut, bei dem VW später Manipulationen in Bezug auf Stickoxid-Werte eingeräumt hatte.

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Bei der Untersuchung von behördlichen Testern lagen die CO2-Emissionen für den Golf VI TDI im Jahr 2012 im Durchschnitt neun Prozent über dem Wert, mit dem das Auto ursprünglich zugelassen worden waren. Volkswagen löste das Problem damals, indem der Konzern ein Auto, das im Test durchgefallen war, nach Wolfsburg holte. Dort spielte VW eine neue Software auf und betankte es mit einem Referenzkraftstoff, der Abgase reiner macht. Damit konnte der Autobauer laut Abschlussbericht die von ihm selbst gemessenen Emissionen um circa 50 Prozent reduzieren.

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Die Tester gaben sich damit zufrieden, Volkswagen kam ohne Sanktionen davon. Statt weiter zu untersuchen, stellten die Tester der Regierung die Arbeit ein. Den betroffenen Herstellern solle noch „schriftlich gedankt werden“, forderte der damalige Leiter des KBA-Referats Produktüberwachung, Dieter Maag, sogar. Weder das KBA noch das Verkehrsministerium haben Fragen der WirtschaftsWoche dazu beantwortet.

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