Internes Schreiben: Zetsche versucht bei Daimler den Befreiungsschlag

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Daimler-Chef Dieter Zetsche wird auf dem Automobil-Salon in Genf von Journalisten umringt. Ein Brief an die Belegschaft zeigt, er denkt nicht ans Aufhören.

von Franz W. Rother

Seitdem der Daimler-Aufsichtsrat seinen Vertrag nur um drei statt fünf Jahre verlängerte, gilt Dieter Zetsche als angezählt, als Vorstandschef auf Bewährung. In einem Brief an seine Führungskräfte macht er nun deutlich, dass er nicht ans Aufhören denkt.

Auf dem Genfer Automobilsalon brodelt die Gerüchteküche. Wie immer. Diesmal dreht sich (fast) alles um den Daimler-Konzern. Daimler-Chef Dieter Zetsche halte sich nicht mehr lange, der Dreijahresvertrag mit ihm sei nur geschlossen worden, um die Abfindung in die Höhe zu treiben. Auch Nachfolger werden schon gehandelt. Wolfgang Bernhard zählt ebenso wenig dazu wie Andreas Renschler. Der eine, zur eigenen Überraschung gerade zum Nutzfahrzeugchef ernannt, habe zwar Glamour, aber keinen Rückhalt im Betriebsrat.

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Daimler Zetsche ist Meister der Ankündigungen

Dieter Zetsche erhält weitere drei Jahre, um Audi und BMW einzuholen. Er lockt mit dicker Dividende und enger Liaison mit den Chinesen. Doch Großaktionäre rebellieren und verlangen einen neuen Chef für die Autosparte.

In sieben Jahren hat Daimler-Chef Dieter Zetsche den Aktienkurs des Unternehmens nicht hoch gebracht. Quelle: dpa

Der andere, ebenso überraschend vom Aufsichtsrat gerade zum Chef über Produktion und Einkauf ernannt, habe zwar die Unterstützung des Betriebsrats, aber nicht den Glanz, den ein Daimler-Chef mitbringen könne. Andere Thronfolger seien im Daimler-Vorstand nicht vorhanden, also müsse ein externer Autoexperte ran. Kandidaten werden auch bereits gehandelt. Mal kommen sie aus dem VW-Konzern, mal stehen sie in Diensten des VDA, bei einem Gaselieferanten oder bei der Fiat-Gruppe in Italien.

In der Haut des Daimler-Kommunikationschefs mag man da nicht stecken. Doch Dieter Zetsche, von vielen schon zur "lame duck" ernannt, zum Auslaufmodell, gibt sich noch nicht geschlagen. Mit einem Brief an seine Führungskräfte ging er jetzt in die Offensive. Er sei keineswegs amtsmüde, der Daimler-Vorstand einig wie nie - und der Konzern auf Kurs zurück an die Weltspitze.

Der Brief im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Beschlüsse des Aufsichtsrates vom 21. Februar dieses Jahres und die anschließende Presseberichterstattung dazu haben verständlicherweise bei vielen von Ihnen Verwunderung, bei manchen auch Irritation ausgelöst. Lassen Sie mich deshalb erläutern, wie sich die Dinge aus meiner Sicht darstellen und was daraus folgt:

Die Umsetzung unserer Wachstumsstrategien und Effizienzprogramme wird unser Unternehmen in den kommenden Jahren verändern. Das ist richtig und notwendig. Aber eben deshalb ist es auch wünschenswert, dass der gesamte Vorstand, der diese Veränderungen vorantreibt, größtmöglichen Rückhalt im Aufsichtsrat hat.

Einstimmigkeit im Aufsichtsrat war am 21. Februar 2013 unter der Voraussetzung gegeben, dass Andreas Renschler und Wolfgang Bernhard ihre Aufgaben tauschen. An unserer strategischen Ausrichtung ändert das nichts.

Es gehört zum legitimen „Geschäftsmodell“ der Medien, die Beschlüsse des Aufsichtsrates unter Berufung auf vermeintlich „gut informierte Kreise“ zu interpretieren. Für mich zählt, dass wir einen einstimmigen Aufsichtsratsbeschluss haben, der uns die erforderliche Kontinuität für die weitere Umsetzung unserer Unternehmensstrategie gibt.

Im Daimler-Vorstand haben wir die Vorgänge zum Anlass genommen, uns nochmals unserer Geschlossenheit als Führungsteam zu versichern: Nicht nur Wolfgang Bernhard, Andreas Renschler und ich – auch Christine Hohmann-Dennhardt, Wilfried Porth, Hubertus Troska, Bodo Uebber und Thomas Weber stehen ohne Wenn und Aber zur Umsetzung unserer Strategie: Wir wollen mit hervorragenden Produkten profitabel wachsen. Dafür müssen wir unsere Kosten im Griff haben und unsere strukturellen Themen anpacken. Beides werden wir in  konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat tun.

Nachdem es im Vorfeld der Aufsichtsratsbeschlüsse Kritik an einer Verlängerung meines Vertrages um fünf Jahre gab, setzte es im Nachgang Kritik an der Verlängerung um zunächst drei Jahre. Wie auch immer – entscheidend ist, dass ich aus heutiger Sicht vertraglich noch fast vier Jahre Verantwortung für die Führung unseres Unternehmens trage, also fast so lange wie in der Politik eine komplette Wahlperiode dauert. Ich betrachte das als klares Mandat für die Fortsetzung meiner Arbeit – und ich werde dieses Mandat mit ganzer Kraft wahrnehmen. Sie alle bitte ich dafür um Ihre Unterstützung. Der Wettbewerb sitzt nicht im Büro nebenan, sondern in Wolfsburg und Ingolstadt, in München und Göteborg.

Noch eine letzte Bemerkung: Als ich vor gut sieben Jahren den Vorstandsvorsitz von Daimler übernahm, war bereits klar, dass uns ein längerer Weg bevorsteht. Anfangs gibt es für Veränderungen noch Applaus. Sobald man aber die „Mühen der Ebene“ erreicht, braucht man einen langen Atem. Auch Rückschläge sind denkbar, ganz zu schweigen vom Einfluss globaler Finanz- und Wirtschaftskrisen. Trotzdem habe ich zu keinem Zeitpunkt an der Richtigkeit des eingeschlagenen Kurses gezweifelt. Ich tue es auch heute nicht. Im Gegenteil: Der Vorstand steht geschlossen hinter unserer Strategie, der gesamte Aufsichtsrat ebenso. Für dieses Vertrauen bedanke ich mich; ich werde alles daran setzen, es zu rechtfertigen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir nicht mit Personalspekulationen Schlagzeilen machen, sondern mit tollen Autos!

Ihr

Dieter Zetsche

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