Karl-Thomas Neumann im Interview: Opel soll mit 23 neuen Modellen wieder glänzen

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InterviewKarl-Thomas Neumann im Interview: Opel soll mit 23 neuen Modellen wieder glänzen

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Karl-Thomas Neumann ist sich bewusst, dass Opel noch eine Menge Arbeit bevorsteht. Doch er ist sich sicher, der Konzern wird die Wende schaffen

von Franz W. Rother

Der Autobauer steckt mitten in einer Restrukturierung. Auf einer Ausfahrt mit dem neuen Cabriolet Cascada erläutert der Vorstandschef, wie er das Unternehmen neu aufstellen will – und warum VW für ihn kein Vorbild ist.

Verabredet hatten wir uns schon im März. Karl-Thomas Neumann, gerade zum Opel-Chef berufen, hatte auf dem Autosalon in Genf vom Cascada geschwärmt, dem neuen viersitzigen Cabriolet, mit dem Opel sein Comeback starten werde. Ein nasser wie kalter Frühling und ein prallvoller Terminkalender verzögerten die gemeinsame Ausfahrt jedoch bis in den Juli. Doch jetzt hat er Zeit. Vor der Opel-Zentrale parkt ein schneeweiß lackierter Cascada mit dunkelbraunen Ledersitzen. Das Verdeck ist bereits zurückgeschlagen – den blauen Himmel über Rüsselsheim stört keine Wolke. Neumann ist locker drauf. Das blaue Jacket wirft er auf die Rücksitzbank.

WirtschaftsWoche: Herr Neumann, was zeichnet den neuen Cascada aus?

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Neumann: Es ist ein wunderschönes Auto zu einem sehr guten Preis.

Was kostet der Wagen, so wie er hier steht?

Etwas mehr als 35.000 Euro. Vergleichbare Mittelklasse-Cabrios süddeutscher Wettbewerber sind mehr als 10.000 Euro teurer.

Reicht ein günstiger Preis aus, um mit der Marke Opel im Wettbewerb zu bestehen?

Der Cascada hat ja noch andere Vorzüge. Er steht für viele der Qualitäten, mit denen wir Opel neu positionieren wollen.

Nämlich?

Der Cascada hat ein emotional ansprechendes Design. Er bringt dem Käufer mit seinem Platzangebot hohen Nutzen. Er hat einen sparsamen Motor unter der Haube. Insgesamt hat er Premium-Qualität, wird aber preislich deutlich günstiger positioniert. Der Cascada ist damit auch für Menschen, die rechnen müssen, erreichbar.

Woran machen Sie Premium fest?

Premium muss nicht immer etwas mit Geld zu tun haben. Premium hat auch viel mit Liebe zum Detail und mit Präzision zu tun. Davon ist hier eine Menge drin. Wenn ich mir das hier anschaue…

Armaturen und Sitze des Autos sind mit feinem Leder bezogen, die farbigen Nähte fein gesteppt. Neumann fährt mit der Hand über den Armaturenträger und die genarbte Oberfläche.

Das ist alles sehr exakt ausgeführt, sauber verarbeitet. Die Spaltmaße stimmen...

...sagt der Ex-VW-Manager Neumann.

Natürlich hat mich die Firmenkultur von VW geprägt. Da gab es viel Gutes, was ich als Erfahrung mitnehmen konnte. Aber auch Opel-Ingenieure haben ein großes Faible für Qualität.

Er entriegelt die Lenkradverstellung, zieht die Lenksäule ein paar Millimeter heraus und lässt die Sperre wieder einschnappen.

Hören Sie? Da scheppert nichts (lacht).

Was der Opel-Chef schleunigst anpacken muss

  • Auslastung erhöhen

    Die Opel-Fabriken sind nur zu gut 60 Prozent ausgelastet. Beim Opel-Partner Peugeot Citroën sieht es ähnlich schlecht aus. Wollen beide wirklich die Auslastung verbessern, müssen sie Produktion zusammenlegen und weitere Werke schließen.

  • Markenimage verbessern

    Mit der Ex-Henkel-Managerin Tina Müller hat er eine Marketingspezialistin engagiert, aber noch keine Strategie, um die Marke wieder zum Glänzen zu bringen. Das Comeback im Motorsport und das Sponsoring von Borussia Dortmund sind da zu wenig.

  • Rolle von Chevrolet klären

    2009 wollte General Motors Opel verkaufen und Chevrolet in Europa zur Ersatzmarke machen. Ex-Opel-Vorstand Thomas Sedran leitet nun das Europa-Geschäft von Chevy. Die beiden Freunde sollten sich rasch auf eine Markenstrategie verständigen können.

Die Verarbeitung stimmt also. Woran machen Sie Premium sonst noch fest?

Unsere Autos haben wieder eine klare Identität und ein ausdrucksvolles Design – wie zuletzt auch der Mokka und Adam belegen. Dafür sorgen unter anderem das LED-Tagfahrlicht und die LED-Heckleuchten – die zeichnen beim Cascada und in allen kommenden Opel-Modellen einen Haken.

Neumann zeichnet die Linie mit dem Zeigefinger nach.

Beim Design können Sie vielleicht schon einen Haken machen. Für viele andere Positionen des Restrukturierungsprogramms Drive2022! gilt das sicher nicht.

In der Tat liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Aber wir werden jeden Tag etwas besser. Die richtigen Weichen sind schon vor einem Jahr gestellt worden. Da brauche ich keine neue Richtung mehr vorgeben. Ich muss das Programm mit der neuen Mannschaft nur fortsetzen, ausbauen und verfeinern. Ich habe noch viel Spielraum, um den Zehnjahresplan mit meiner Handschrift zu versehen.

Was war der wichtigste Schritt?

Ein neues Verständnis zwischen der General-Motors-Zentrale in Detroit und der Opel-Zentrale in Rüsselsheim zu schaffen. Es gab eine Menge Missverständnisse und Belastungen durch alte Geschichten – in beide Richtungen. Die Opelaner fühlten sich ungeliebt und gegängelt von der Mutter GM. Steve Girsky, unser Aufsichtsratschef, hat das glücklicherweise aufgebrochen.

Wie hat er das gemacht?
Er hat in Detroit Verständnis für die Probleme von Opel erzeugt und in Deutschland deutlich gemacht, dass sich GM Europa ohne Opel nicht vorstellen kann. Und die Mannschaft hier hat begriffen, dass es keinen Sinn macht, gegen die Mutter zu arbeiten. Beide Seiten sind aufeinander zugegangen und haben nun wieder Vertrauen zueinander. Die Teamarbeit ist so gut wie nie zuvor. Hier kann ich anknüpfen, da ich als Präsident von GM Europe auch im Vorstand der Mutter sitze.

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