Kartendienst der deutschen Autobauer: Bosch und Conti erwägen Mitarbeit bei Here

Kartendienst der deutschen Autobauer: Bosch und Conti erwägen Mitarbeit bei Here

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Genaue Karten spielen eine Schlüsselrolle bei der Mobilität der Zukunft.

Mit Here haben Audi, Daimler und BMW einen wichtigsen Kartendienste für die Autoindustrie gekauft. Jetzt überlegen auch Bosch und Continental, bei Here mitzuarbeiten – obwohl sie auch bei Konkurrenzprojekten aktiv sind.

Die Autozulieferer Bosch und Continental prüfen einem Bericht zufolge eine Mitarbeit beim Kartendienst Here von BMW, Daimler und Audi. Bosch sei "sehr daran interessiert, maßgeblich an einem offenen Standard beteiligt zu sein", zitierte die "Automobilwoche" eine Bosch-Managerin in einer Vorabmeldung. Bei einer streng vertraulichen Runde mit Vertretern von Autoherstellern, Zulieferern und Kartendienstleistern gehörten die beiden Unternehmen dem Branchenblatt zufolge zu den Teilnehmern. Details, wie eine Mitarbeit aussehen könnte, wurden nicht genannt.

Here bestätigte inzwischen per Mitteilung, dass es Ende Juli ein Treffen mit 16 Unternehmen aus der Automobilbranche gab, eines davon sei Continental gewesen. Bei dem "Branchenforum" habe man vor allem die Festlegung eines einheitlichen Schnittstellenformats diskutiert, über das die Sensordaten aus dem Auto vereinheitlicht an eine Cloud übermittelt werden sollen. "Wir konnten gemeinsam die zunächst wichtigsten Themen identifizieren", wird Ronald Hain, Leiter der Backend-Entwicklung bei Continental, in der Mitteilung zitiert. "Dazu zählt beispielsweise die Klärung der Frage, wie wir sensorbasierte Fahrzeugdaten ohne Informationsverlust übertragen können, obwohl Hersteller ihre Fahrzeuge mit verschiedenen Sensoren ausstatten."

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Diebe können Autos per Handy entsperren, ausräumen und wieder verschließen. Quelle: Getty Images/Moment open, Mauritius Images/Imagebroker/Jochen Tack; Montage: Torsten Wolber

Wichtigster Konkurrent für den Kartendienst Here ist TomTom aus den Niederlanden, der jüngst eine Kooperation mit Bosch besiegelt hat. Continental arbeitete bereits vor der Übernahme der deutschen Autobauer mit Here zusammen.

Mit dem Kauf wollten die Deutschen Google und Apple zuvor kommen

Ein Continental-Sprecher sagte, an Spekulationen zu Verhandlungen beteilige man sich nicht. Ein Bosch-Sprecher sagte: "Wir sind grundsätzlich für offene Systeme und somit auch für die flexible Anwendung beziehungsweise Integration von Kartenmaterial." Bosch-Manager Rolf Bulander hatte es in einem "Handelsblatt"-Interview kürzlich begrüßt, dass es mehrere Anbieter gebe. "Wir integrieren Kartenmaterial nach Kundenanforderungen. Das heißt, wir können Tom Tom genauso wie Here integrieren."

Anfang August hatten BMW, Daimler und Audi Europas größten Anbieter von Navigationsleistungen für rund 2,5 Milliarden Euro übernommen. Das Trio will so verhindern, dass die Schlüsseltechnologie für Assistenzsysteme, Navigation und autonomes Fahren in die Hände von Google, Apple oder anderen Internetfirmen gerät. Nokia Here wird in Europa in vier von fünf Autos genutzt. Über den Kauf des Dienstes war seit Monaten spekuliert worden.

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  • 2013

    • Spurwechselassistent
    • Spurhalteassistent
    • Parkassistent (teilautomatisch)

  • 2013 - 2014

    Notbremsfunktion und Fußgängererkennung

  • 2015

    • Parken per Smartphone-App
    • Baustellenassistent
    • Notausweichassistent

  • 2016

    Stauassistent

  • 2017

    • Automatischer Notausweichassistent
    • Kreuzungsassistent

  • 2018 - 2020

    • Smartphonegesteuerter Einparkassistent
    • Autobahnpilot (teilautomatisch)

  • 2020 - 2025

    • Autobahnchauffeur (vollautomatisch)
    • Automatisches Fahren in der Stadt
    • Voll automatisiertes Parken

  • Nach 2025

    Hochautomatisiertes Fahren (von Tür zu Tür)

"Here wird eine Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität spielen und dabei hochpräzise Karten mit Daten aus dem Fahrzeugumfeld kombinieren, um das Fahren für alle sicherer und einfacher zu machen", sagte BMW-Chef Harald Krüger zu dern Übernahme. Mit der Technik wollen die Autobauer beispielsweise Gefahrenwarnungen vor Glatteis oder Staus in Echtzeit anbieten und das autonome Fahren vorantreiben, das in Zukunft Gewinne abwerfen soll. Experten schätzen den Markt für vernetzte und selbstfahrende Autos auf rund 50 Milliarden Dollar. Neben den deutschen Autobauern hatten chinesische Internetkonzerne und der US-Fahrdienstanbieter Uber für den Kartendienst geboten.

Angesichts der Chancen, die sie sich von dem Kartendienst erhoffen, überwanden die Autobauer in diesem Fall ihre sonst intensiv gepflegte Konkurrenz. Daimler, BMW und Audi übernehmen Nokia Here zu gleichen Teilen. Keiner der Partner strebt eine Mehrheit an. Wegen der Rivalität untereinander war Insidern zufolge schon im Zuge des Bieterprozesses überlegt worden, den Finanzinvestor General Atlantic als eine Art neutralen Schiedsrichter an Bord zu holen. Wie eine mit der Transaktion vertraute Person Reuters am Montag sagte, ist eine Beteiligung von General Atlantic zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Die Höhe des Anteils soll demnächst festgelegt werden.

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Die Autobauer betonten, der Kartendienst solle auch künftig allen Kunden aus der Automobilindustrie und anderen Branchen zugänglich sein. "Mit dem Einstieg bei Here wollen wir die Unabhängigkeit dieses zentralen Angebots für alle Fahrzeughersteller und Zulieferer sowie für Kunden aus weiteren Branchen sichern", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Fraglich, ob andere Autobauer Here treu bleiben

Zu Heres Kunden gehören neben deutschen Autokonzernen unter anderem Toyota, General Motors und Fiat Chrysler. Aber auch die Internetfirmen Amazon, die Suchmaschinenbetreiber Yahoo und Baidu sowie die Frachtdienste Fedex und UPS nutzen die Daten, die mit enormem Aufwand permanent auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

Here war aus dem US-Navigationsanbieter Navteq hervorgegangen, den Nokia 2008 für rund acht Milliarden Dollar übernahm. In der Folge korrigierten die Finnen den Wert ihres Kartendienstes sukzessive nach unten. Im vergangenen Jahr sorgte eine Abschreibung von mehr als einer Milliarde Euro sogar für einen Verlust. Im ersten Halbjahr erzielte Here einen operativen Gewinn von 28 Millionen Euro. Die Nokia-Tochter beschäftigt gut 6400 Mitarbeiter.

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Da Audi, BMW und Daimler nun einen wichtigen Zulieferer der gesamten Branche kontrollieren, ist fraglich, ob die anderen Fahrzeugbauer Nokia Here treu bleiben. Der wichtigste Konkurrent ist TomTom aus den Niederlanden, der jüngst eine Kooperation mit Bosch besiegelt hat. Navigationsdienste sind zudem ein wichtiger Faktor im harten Konkurrenzkampf der Autoschmieden. "Es besteht das Risiko, dass sich die drei nicht vertragen", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

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