Kein Verzicht auf Benzin: In deutschen E-Autos schlägt ein Doppelherz

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Kein Verzicht auf Benzin: In deutschen E-Autos schlägt ein Doppelherz

von Martin Seiwert und Jürgen Rees

Die Deutschen hängen am Benziner. Daher haben die hiesigen Autohersteller jetzt ihren Königsweg zum Zukunftsmarkt E-Auto entdeckt: die Kombination von Elektroantrieb und Verbrenner. Das freut besonders die Zulieferer.

Mannshoch, fünf Meter lang, zwei Meter breit – der himmelblaue Klotz, der am Volkswagen-Messestand im Licht der Hallenscheinwerfer funkelt, ginge dank seiner wuchtigen Erscheinung auch als amerikanischer Geländewagen durch. Doch der Prototyp namens Cross Blue, mit dem VW in der vergangenen Woche die Besucher der Automesse in Detroit überraschte, hat trotz seiner sechs Sitzplätze und satten 306 PS eine eher europäische Eigenschaft: niedrigen Verbrauch. Nur 2,1 Liter Diesel schluckt das Ungetüm auf 100 Kilometern – vorausgesetzt, der Fahrer hat die eingebaute Batterie an der Steckdose aufgeladen und die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse helfen beim Vortrieb. Doch selbst bei leerem Akku begnügt sich der Geländewagen mit 4,9 Litern Kraftstoff.

Run auf die Steckdose

Run auf die Steckdose. Absatzzahlen der Elektro- und Hybridautos

Der Cross Blue ist nicht nur das größte VW-Auto aller Zeiten. Mit seinem Hybridantrieb, der an der Steckdose aufgeladen werden kann – Plug-in-Hybrid genannt –, steht er für eine der wichtigsten Weichenstellungen in der deutschen Automobilindustrie. Ein halbes Jahrzehnt nachdem die Autobauer zu der Überzeugung gelangten, dass die Zukunft dem elektrischen Fahren gehört, zeichnet sich nun ab, wie sie dieses Ziel erreichen wollen: mit dem Plug-in-Hybrid. Der Antrieb soll die Brücke schlagen zwischen herkömmlichen Wagen und reinen Elektroautos, die erst in etlichen Jahren größere Marktanteile erreichen werden (siehe Grafik).

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Nach 20 Kilometern springt der Verbrennungsmotor ein

Herkömmliche Hybridautos erzeugen Strom beim Fahrbetrieb. Das spart Sprit, aber rein elektrisch fahren diese Autos nicht. Plug-in-Hybride dagegen können auch an die 220-Volt-Steckdose gehängt werden und je nach Bauart 20, 30 oder auch 80 Kilometer nur mit Strom zurücklegen. Ein Verbrennungsmotor an Bord ermöglicht übliche Reichweiten von einigen Hundert Kilometern.

Autos nach Antriebsarten 2025 auf dem Markt

Autos nach Antriebsarten 2025 auf dem Markt

"Das Beste aus zwei Welten" verbinde der Plug-in-Hybrid, sagt VW-Chef Martin Winterkorn – und legt sich fest: "Dieser Antrieb wird sich durchsetzen". Beim weltgrößten Autozulieferer Bosch herrscht ebenfalls Gewissheit. Automobilvorstand Bernd Bohr: "Nicht reine E-Fahrzeuge, sondern Plug-in-Hybride entwickeln sich aktuell zum Favoriten der Autoindustrie." Auch bei anderen Branchengrößen wie BMW, Daimler und Continental hagelt es neuerdings Bekenntnisse zum Plug-in-Hybrid. Eine Studie der Beratung A.T. Kearney bestätigt den Trend: 2025 gehört der Plug-in-Hybrid demnach zu den wichtigsten Antriebstechniken, mit Marktanteilen von bis zu 72 Prozent (siehe Grafik).

Kunden wollen Reichweite

Die Marschrichtung für die Elektromobilität steht also – entschieden haben darüber letztlich die Kunden. Die begrenzte Reichweite hält viele Autofahrer davon ab, ein reines Elektroauto zu kaufen. Plug-in-Hybriden reichen kleinere, günstigere Batterien, weil sie weite Strecken mit Benzin oder Diesel bewältigen. Beide Antriebe zusammen kosten weniger als ein reines E-Auto mit 150 Kilometer Reichweite.

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