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Kia-Kunden klagen erfolgreich: Wenn der Neuwagen mehr schluckt als er soll

09. November 2012
Hyundai-Modelle verbrauchten viel mehr als vom Hersteller angegeben. Jetzt muss der koreanische Hersteller die Kunden entschädigen. Quelle: REUTERSBild vergrößern
Hyundai-Modelle verbrauchten viel mehr als vom Hersteller angegeben. Jetzt muss der koreanische Hersteller die Kunden entschädigen. Quelle: REUTERS

Kia und Hyundai müssen an die 100 Millionen Dollar an geprellte Kunden zahlen. Der angeblich so sparsame Wagen schluckte bis zu 1,5 Liter mehr als angegeben. Mehrverbräuche sind auch in Deutschland kein Einzelfall.

Kia und Hyundai müssen sich wegen eines zu hohen Verbrauchs zahlreicher Modelle vor Gericht verantworteten. In den vergangenen Tagen gingen mindestens zwei Klagen betroffener Käufer vor einem Bezirksgericht in Kalifornien ein. Die beteiligte Anwaltskanzlei Hagens Berman bezifferte den Schaden für die Kunden am Mittwoch auf etwa 775 Millionen Dollar (605 Millionen Euro).

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Die beiden zusammenhängenden südkoreanischen Autobauer hatten in der vergangenen Woche eingeräumt, dass bei rund 900.000 in Amerika verkauften Wagen der angegebene Verbrauch nicht stimmt. Die US-Umweltbehörde EPA hatte bei Tests herausgefunden, dass einzelne Modelle im Extremfall bis zu 1,5 Liter auf 100 Kilometer mehr schlucken als versprochen.

Kia und Hyundai hatten sich bei den Kunden entschuldigt, die Verbrauchsangaben nachträglich korrigiert und den geprellten Käufern versprochen, für den Mehrverbrauch aufzukommen. Die Anwälte kritisierten das Verfahren für die Rückerstattung der Spritkosten jedoch als zu kompliziert. Zudem würden die Käufer nicht für den „mit Sicherheit auftretenden Wertverlust der Wagen“ entschädigt.

Schon die freiwillige Rückerstattung kostet die Hersteller nach Schätzungen der Ratingagentur Moody's pro Jahr etwa 100 Millionen Dollar - und das so lange, bis die Autos irgendwann verschrottet werden. Doch das kann dauern, sind doch die Modelljahre 2011 bis 2013 betroffen.

Der Ruf der Marken leidet

Als schlimmer schätzte Moody's jedoch den Imageschaden ein. Kia und Hyundai werben in den USA und Kanada mit dem geringen Verbrauch ihrer Autos - und das erfolgreich. Die beiden Hersteller kamen alleine von Januar bis Oktober auf knapp 1,1 Millionen verkaufte Autos in den USA. Damit spielen sie in einer Liga mit den in Nordamerika sehr erfolgreichen japanischen Herstellern. Grund für die fehlerhaften Verbrauchsangaben waren nach Angaben der Firmen falsche Abläufe in einem gemeinsam genutzten Testzentrum in Korea.

Rechtsprechung bei Mehrverbrauch

In Europa gilt der so genannte NEFZ, der Neue Europäische Fahrzyklus als maßgeblicher Test für den Spritverbrauch. Dabei wird das Auto nach einem vorgegebenen Ablauf auf dem Prüfstand beschleunigt. Die eingestellten Fahrwiderstände sollen realen Straßenverhältnissen so nahe wie möglich kommen. Der ADAC hält diesen Test jedoch für zu wenig an der Praxis orientiert und vor allem zu ungenau. Deshalb hat der Automobilclub ein wesentlich strengeres Testverfahren entwickelt - den Eco-Test. Die Ergebnisse zeigten, dass auch hierzulande in vielen Fällen der Spritverbrauch deutlich höher ist als von den Herstellern angegeben.

Die Frage ist: Wie viel Abweichung muss ein Autokäufer tolerieren? Wer bei seinem Auto einen deutlichen höheren Spritverbrauch als vom Hersteller ausgewiesen feststellt, kann versuchen eine Kaufpreisminderung zu verhandeln. In besonders gravierenden Fällen darf er sogar vom Kauf zurücktreten. Dafür muss ein "nicht unerheblicher Mangel" vorliegen. Der liegt zum Beispiel vor, wenn der Mehrverbrauch über 10 Prozent liegt. Der Bundesgerichtshof entschied 1997 in einem wegweisenden Urteil, dass der Kunde bei einer Abweichung von unter 10 Prozent nicht vom Kauf zurücktreten könne.

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Kommentare | 4Alle Kommentare
  • 09.11.2012, 12:37 Uhrwulff

    In Deutschland dem Land der Täuscher und Trickser hätte der Autokunde keine Chance auf Schadenersatz.

  • 09.11.2012, 13:25 Uhrmathias

    "HÄTTE"
    In Deutschland sind Schadenersatzleistungen= Beleidigung

    Das Gesetz stammt noch aus dem 18em Jahrhundert,nach dem D-Richter
    urteilen.
    Premienzahlungen aber seit 20Jahren auf Basis RISIKO

    In D gilt der Grundsatz " gibt dem "Pöbel" nicht all zu viel Geld
    in die Hand, könnte damit nur Blödsinn veranstalten"

    Das deutsche Volk wird immer schön in Abhängigkeit gehalten.

  • 11.11.2012, 19:41 Uhrdrpfeil

    So funktioniert das bei AUDI: neuen Audi Q5 hybrid gekauft. Gut € 4.000 höheren Kaufpreis für versprochene Spritersparnis bezahlt. Laut Audi nach NEFZ 6,9 l/100km kombinierter Benzinverbrauch. Praktischer Ist-Verbrauch bei sparsamer Fahrweise ca. 10 l/100km. Nach Reklamation ordnet Audi-Ingolstadt Testfahrt durch Audi-Techniker an: Verbrauch 9,75 l/100km. Das passt Audi nicht, deshalb wird neuerliche "NEFZ-Simulations-Testfahrt" (alle entfernbaren Gewichte raus, alle Energieverbraucher wie Klima usw. ausgeschaltet) durch Audi-Chef-Techniker angeordnet. Mehrverbrauch immer noch knapp 19% über Audi-Werbung. Auch das reicht nicht. Nun wird NEFZ-Prüfstand-Test auf Käuferkosten gefordert. Der kostet ca. € 3.500. Der Dekra-Prüfstand steht an der polnischen Grenze.---So geht das bei Audi. Fortschritt durch Technik? Dr. Erwin Pfeil, 71522 Backnang

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