Worüber Opel und Peugeot verhandeln müssen

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Knackpunkte beim Opel-Deal: Worüber Opel und Peugeot verhandeln müssen

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Opel stehen schwierige Verhandlungen bevor.

von Sebastian Schaal und Nico Hornig

Peugeot will Opel von General Motors kaufen. Für Opel wäre ein Deal mehr als ein Besitzerwechsel. Damit der Verkauf ein Erfolg werden kann, müssen jetzt wichtige Details geklärt werden. Ein Überblick.

Die Nachricht kam aus heiterem Himmel: Der Mutterkonzern General Motors verhandelt mit der französischen PSA über eine mögliche Übernahme von Opel. Die Rüsselsheimer, nach problemreichen Jahren gerade wieder im Aufwind, stürzen über Nacht in die Krise zurück.

Pikant: Die GM-Zentrale in Detroit verhandelt bereits länger mit den Franzosen über mehrere „strategische Optionen“, hinter dem Rücken von Opel. Selbst Firmenchef Karl-Thomas Neumann wurde offenbar erst vor wenigen Tagen informiert. Am Mittwoch informierte GM-Chefin Mary Barra in Rüsselsheim die restliche Opel-Führung über die Gespräche. Eine öffentliche Stellungnahme gab es nicht.

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Wie die „Allgemeine Zeitung“ aus Mainz berichtet, wirbt Barra in einem Brief an die Opel-Mitarbeiter um Zustimmung für den möglichen Verkauf. Der Deal würde „die PSA-Gruppe sowie Opel/Vauxhall aufgrund der sich ergänzenden Stärken beider Unternehmen in die Lage versetzen, ihre Position auf dem sich rasch verändernden europäischen Markt zu verbessern“, so Barra in dem Schreiben. „Wir würden alles daran setzen, bei der Transaktion sicherzustellen, dass die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden.“

Hintergründe zur PSA Group

  • Absatz

    Der vom Staat gestützte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im vergangenen Jahr weltweit über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der französische VW-Konkurrent mit den Marken „Peugeot“, „Citroën“ und „DS“ sieht sich in Europa schon länger als Branchenzweiter.

  • Sanierung

    Konzernchef Carlos Tavares fuhr in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau. Um das vor drei Jahren stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

  • Chinesischer Investor

    Auch der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng stieg 2014 bei dem Traditionsunternehmen mit 14 Prozent ein. Der Einfluss der Peugeot-Familie sank im Zuge der Sanierung hingegen beträchtlich.

  • Umsatz

    Der Umsatz betrug im vorvergangenen Jahr 54,7 Milliarden Euro; neuere Jahreszahlen liegen nicht vor. Der Konzern beschäftigte 184.000 Mitarbeiter.

  • Diesel-Untersuchung

    Unlängst schaltete die französische Antibetrugsbehörde nach Untersuchungen zu Diesel-Abgasen bei PSA die Justiz ein. Ein entsprechendes Dossier ging an die Staatsanwaltschaft. Es liegt nun an der Justiz, über eventuelle Folgen zu entscheiden. Der Konzern betonte, er habe seine Fahrzeuge niemals mit Betrugs-Software ausgestattet.

Das ist aber leichter gesagt als getan. Die folgenden vier Bereiche zeigen, vor welchen Herausforderungen das GM-Management um Barra und die PSA-Gruppe unter Konzernchef Carlos Tavares stehen.

Punkt 1: Die Verhandlungen selbst

Als die weit fortgeschrittenen Gespräche bekannt wurden, zeigten sich besonders Arbeitnehmervertreter und Politiker wenig erfreut — und sahen sich zu spät informiert. Abseits von Wortbekundungen dürfte ihre Kritik jedoch wenig Einfluss auf die tatsächlichen Verhandlungen haben, glaubt Christopher Kummer, Präsident des „Institute for Mergers, Acquisitions and Alliances“. „Am Ende haben die Kartellbehörden als einzige wirklich die Möglichkeit, die Übernahmen zu erschweren. Bei den Marktanteilen von Peugeot und Opel sehe ich da kein Problem.“

Die Opel-Produktionsstandorte in Europa

  • Rüsselsheim

    Am Opel-Hauptstandort arbeiten 15.040 Beschäftigte, davon gut die Hälfte im Entwicklungszentrum. Die Produktion hat rund 4000 Arbeitnehmer. Sie bauen den Mittelklassewagen Insignia in mehreren Varianten, den Zafira sowie Getriebe und Komponenten.

    Quelle: rtr

  • Kaiserslautern

    Der Standort in Rheinland-Pfalz hat 2140 Beschäftigte. Sie produzieren Motoren und Fahrwerkskomponenten.

  • Eisenach

    In Thüringen laufen die Kleinwagen Corsa und Adam vom Band. Im Werk Eisenach arbeiten 1850 Menschen.

  • Polen

    Im polnischen Gliwice sind knapp 3270 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bauen den Kompaktwagen Astra und das Cabrio Cascada und den Sportwagen Opel GTC. In Tychy stellen 410 Beschäftigte Motoren her.

  • Spanien

    In Figueruelas bei Saragossa laufen Corsa, der SUV Mokka und bald auch der Stadt-SUV Crossland X vom Band. Der Standort hat 5080 Arbeitsplätze.

  • Großbritannien

    Im Werk Ellesmere Port arbeiten 1830 Beschäftigte. Hier werden ebenfalls Astra-Modelle produziert.
    Der Standort Luton nördlich von London hat 1530 Arbeitnehmer und baut den Kleintransporter Vivaro.

  • Österreich

    Im Werk Aspern nahe Wien arbeiten 1390 Menschen. Dort werden Motoren und Getriebe hergestellt.

  • Ungarn

    Motoren und Komponenten produziert auch die Fabrik in Szentgotthard mit 1210 Arbeitnehmern.

  • Italien

    In Turin gibt es noch ein Zentrum zur Entwicklung von Dieselmotoren mit 700 Mitarbeitern.

Auch wenn die Art, wie die Verhandlungen an die Öffentlichkeit gekommen sind, etwas holprig wirkt, sieht Übernahme-Experte Kummer in dem Vorgehen keine Besonderheit. „Es kann natürlich sein, dass Verhandlungsteilnehmer hier ein strategisches Interesse verfolgen. Oft sollen durch solche Leaks der Prozess verkürzt und Entscheidungen erzwungen werden“, erklärt er.

Außerdem könnten Übernahmeverhandlungen zu ganz verschiedenen Zeitpunkten an die Öffentlichkeit gelangen. Kummer erinnert an die Verhandlungen zwischen Linde und Praxair: Diese waren im September vergangenen Jahres an Unstimmigkeiten über den zukünftigen Firmensitz gescheitert. Im Dezember nahmen beide Unternehmen die Verhandlungen dann wieder auf.

Ob es also, wie am Dienstag angekündigt, bereits in den kommenden Tagen zu einer Einigung kommt, ist noch nicht klar.

Punkt 2: Die Märkte

In Europa würden sich Opel, Peugeot und Citroën gut ergänzen. Die Franzosen sind in Südeuropa stark vertreten, Opel vor allem in Deutschland und im Vereinigten Königreich (mit Vauxhall). Trotz ähnlicher Modelle wären die Überschneidungen gering: Peugeot hat 2016 in Deutschland knapp 57.000 Autos verkauft – das erreicht Opel alleine mit dem Corsa, der Astra liegt nochmals darüber.

Doch außerhalb Europas bringt sowohl Opel als auch PSA ein Zusammenschluss wenig. Opel wurde von GM bewusst auf Europa beschränkt, aus Russland haben sich die Rüsselsheimer wegen der schwierigen Geschäftsaussichten freiwillig zurückgezogen.

Die Fahrzeuge von Opel haben sicher das Zeug, auch außerhalb Europas für Kunden interessant zu sein, nur existieren in anderen Ländern keine Logistik- und Vertriebsstrukturen für Opel – von einer Markenbekanntheit ganz zu schweigen.

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