Konzernchef baut um: Das Ende des Traditionsunternehmens Fiat

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Konzernchef baut um: Das Ende des Traditionsunternehmens Fiat

von Rebecca Eisert, Reinhold Böhmer, Martin Seiwert, Franz W. Rother

Sergio Marchionne verwandelt Fiat in den Wurmfortsatz einer seelenlosen italo-amerikanischen Holding – in der vagen Hoffnung, mit Alfa Romeo und Maserati vielleicht einmal zu VW oder BMW aufzuschließen.

Der 13. Oktober sollte in die Geschichte der Autoindustrie eingehen. Seit Montag wird der Konzern Fiat Chrysler Automobiles an der Wall Street in New York gelistet. Das Datum ist mit Bedacht gewählt. Denn am zweiten Montag des Monats feiern Amerikaner ihre Entdeckung 1492 durch den gebürtigen Italiener Christoph Kolumbus, dessen Landsmann Amerigo Vespucci dem Kontinent später sogar noch seinen Namen gab.

Entsprechend groß ist das Pathos, mit dem Konzernchef Sergio Marchionne auf beide Seiten des Atlantiks blickt und spricht. „Für uns wird der Columbus Day der Beginn einer neuen Welt, einer neuen Ära sein.“

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Altran-Chef de Carlo "Marchionne hat bewiesen, dass er es kann"

Cosimo de Carlo, Chef einer der weltweit größten Innovations- und Technologieberatungen, stellt Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne ein gutes Zeugnis aus.

Cosimo de Carlo - CEO der Innovationsberatung Altran. Quelle: Presse

Eine neue Ära, eine neue Welt – daran schmiedet der 62-jährige Italo-Kanadier seit 2009, als er an der Spitze von Fiat 20 Prozent des damals insolventen US-Autobauers Chrysler erwarb. Der Coup war nur ein erster Schritt. Anfang dieses Jahres sicherte sich Marchionne für 3,2 Milliarden Euro die restlichen Anteile des drittgrößten US-Autobauers, die bis dahin die nordamerikanische Autogewerkschaft UAW indirekt gehalten hatte. Auf diese Weise entstand das Gebilde Fiat Chrysler Automobiles, kurz: FCA, das nun an der Wall Street notiert.

Auf dem Papier schickt Marchionne in New York einen Autoriesen aufs Parkett: Mit 4,4 Millionen verkauften Fahrzeugen und 300 000 Mitarbeitern steht das italienisch-amerikanische Paar auf Position sieben der größten Autohersteller der Welt. Gleichwohl ist der Wall-Street-Neuling mit einer Marktkapitalisierung von rund 9,3 Milliarden Euro zum Börsenauftritt in der Branche ein Zwerg. Daimler etwa kommt auf 64 Milliarden und BMW auf 54 Milliarden. Einzig gegenüber dem französischen Wettbewerber PSA Peugeot-Citroën kann Marchionne Staat machen. Der angeschlagene Konzern ist mit 8,1 Milliarden Euro noch weniger wert.

Wie sich Fiat-Chrysler in den kommenden fünf Jahren entwickeln soll

Wie sich Fiat-Chrysler in den kommenden fünf Jahren entwickeln soll (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Anleger hat Marchionne auf Superlative eingestimmt: Sieben Millionen Autos der Marken Fiat, Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Ram, Jeep, Maserati und Ferrari will er bis 2018 verkaufen, 60 Prozent mehr als heute. Zudem soll FCA vom Massen- zum Premiumanbieter aufsteigen. Die Arbeitsteilung steht fest: Ferrari, Maserati, Alfa Romeo und Jeep sorgen für Wachstum und Rendite, Chrysler, Ram und Dodge für das nötige Volumen und Fiats Miniflitzer für eine gute CO2-Bilanz.

Für den Anfangsechziger wird die endgültige Verschmelzung von Fiat und Chrysler der letzte Akt seiner Karriere in dem Doppelkonzern. Denn Ende 2018 will er, wie er am vergangenen Dienstag verlauten ließ, das Unternehmen verlassen und etwas Neues anfangen. Für Fiat inszeniert Marchionne damit ein Finale furioso einer ebenso wechselvollen wie tragischen Geschichte. Ein Stoff, wie gemacht für eine italienische Oper – mit dem Triumphalismus in Giuseppe Verdis Nabucco und der schonungslosen Vorhaltung in Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni. Ein Stoff voller Emotionen, großer Hoffnungen und gebrochener Versprechen.

Fiats Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – als Opera seria, eine ernste Oper, mit Ouverture, drei Akten und am Ende einer melodramatischen Erlösung.

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