Konzernstruktur für Volkswagen: VW-Aufsichtsräte beraten Konzernstrategie

Konzernstruktur für Volkswagen: VW-Aufsichtsräte beraten Konzernstrategie

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Führende Aufsichtsräte treffen sich, um über die künftige Konzernstrategie zu beraten.

Heimliches Spitzentreffen in Braunschweig: Die Aufsichtsräte treffen sich mit Konzernchef Martin Winterkorn, um eine Modernisierung der Konzernstruktur zu beraten. VW will für sein künftiges Wachstum beweglicher werden.

Im Ringen um Volkswagens neue Führungskultur kommen die wichtigsten Akteure am Freitag zu einem Spitzentreffen zusammen. Wie die Nachrichtenagentur DPA von mehreren mit der Sache vertrauten Quellen erfuhr, sind bei der abgeschirmten Zusammenkunft am Braunschweiger Flughafen führende Mitglieder des VW-Aufsichtsrates sowie Konzernchef Martin Winterkorn vertreten.

Es handelt sich aber nicht um eine offizielle Sitzung des sogenannten Aufsichtsratspräsidiums, das die Spitze der VW-Konzernkontrolleure bildet und seit dem Rücktritt des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch Ende April nur noch fünfköpfig ist. Die führenden VW-Lenker besprechen in Braunschweig die künftige Konzernstruktur. Über Namen für die nächsten Führungsaufgaben werde nicht entschieden.

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„Erst die Struktur, dann die Personen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Quelle. Ähnlich hatte sich zuletzt Präsidiumsmitglied und Konzernbetriebsratsboss Bernd Osterloh geäußert. „Wir brauchen keinen riesigen Vorstand mit aufgeblähten Stäben. (...) Das müssen wir uns für jede Funktion fragen“, sagte er dem „Manager Magazin“ Ende Mai. Dabei schränkte er aber ein: „Wir sprechen zunächst über Funktionen und Strukturen; um Personen wird es erst später gehen.“

Eine Frage ist dabei seit August 2014 ungeklärt: Nach dem Abgang von Konzern-Produktionsvorstand Michael Macht ist dessen Position vakant.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Veränderungen im Konzern, die seit dem Piëch-Abgang im Vordergrund stehen, gab es kürzlich mit der eigenständigen Nutzfahrzeug-Holding für die VW-Töchter MAN und Scania. Sie erhält auch einen eigenen Aufsichtsrat, in dem die Arbeitnehmer nach Konzernvorbild erhebliche Gestaltungsmacht haben.

Ähnliche Schritte einer Dezentralisierung sind auch für die Pkw-Marken denkbar. Zudem geht es nach dpa-Informationen bei dem Treffen in Braunschweig um Winterkorns Ideen dafür, wie einzelne Regionen und Konzerntöchter mehr Freiheit erhalten könnten, ohne die Schlagkraft der bewährten zentralen Vorgehensweise zu gefährden.

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der wie Osterloh Präsidiumsmitglied ist und das Aktienpaket des Landes aufseiten der Anteilseigner vertritt, sagte kürzlich der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, dass der Druck für neue Strukturen auch wirtschaftlichen Zwängen geschuldet sei. Da sich die einzelnen globalen Automärkte längst sehr unterschiedlich entwickelten, müsse die Konzernstruktur stärker an den Gegebenheiten am Ort ausgerichtet werden. Gleichzeitig dürfe der Konzern jedoch nicht zu einer „Gemeinschaft unabhängiger Marken“ werden, sondern müsse weiter gemeinsame Spareffekte nutzen.

Bisher steuert die VW-Führung in Wolfsburg den Konzern zentralistisch. Eine Ausnahme bildet China, wo Volkswagen mit Partnerunternehmen arbeitet. Der Konzern ist hinter Toyota der größte Autobauer der Welt und war zuletzt rasant gewachsen. Doch dieses Rekordtempo brachte dem Zwölf-Marken-Reich auch etliche Probleme.

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