Marcel de Rycker: "Peugeot Deutschland hat nie Verlust gemacht"

InterviewMarcel de Rycker: "Peugeot Deutschland hat nie Verlust gemacht"

von Franz W. Rother

Peugeot Deutschland-Chef Marcel Rycker ist die Rentabilität wichtiger als Volumen. Aus unrentablen Geschäften zieht er sich deshalb zurück. Am Elektroauto iOn hält er dennoch fest.

Da war Marcel de Rycker noch guter Dinge: Anfang Oktober traf sich der Geschäftsführer von Peugeot Deutschland mit dem Autor, um sich mit ihm am Rande der Präsentation des neuen Peugeot 508 über die Probleme der französischen Automarke auf dem deutschen Automarkt zu unterhalten: Seit Jahresbeginn sind die Neuzulassungen von Peugeot hierzulande um ein Prozent zurückgegangen, während die Schwestermarke Citröen im gleichen Zeitraum um fast sechs Prozent zulegte.

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Dem 52-jährigen Marketingfachmann, der seit 2010 für Peugeot tätig ist und zuvor unter anderem für Mercedes, Opel, BMW und VW arbeitete, war die Rentabilität wichtiger als der Marktanteil. In der Konzernzentrale in Paris sah man das offenbar anders: Wenige Tage nach dem Interview teilte der Konzern überraschend mit, dass der in Kassel geborene Franzose das Unternehmen „auf eigenen Wunsch verlässt, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen.“

Einen Nachfolger für de Rycker hatte Peugeot auch schon parat: Alberic Chopelin, der bislang den Vertrieb in Zentral- und Osteuropa leitete, wird am 1. November bei Peugeot in Köln die Geschäftsführung übernehmen. Hier aber erst einmal das letzte Interview des (noch) amtierenden Deutschland-Chefs.

WirtschaftsWoche: Herr de Rycker, der PSA-Konzern hat eine schwere Krise hinter sich, ist darüber zum Teil in chinesischen Besitz geraten. Wie heftig traf es Ihr Geschäft?

Marcel de Rycker: Die Krise und die Berichte darüber in der Öffentlichkeit haben uns das Geschäft nicht gerade leichter gemacht. Nicht nur im Autoverkauf. Auch einige der Hausbanken unserer Händler haben sich besorgt gezeigt. Aber der Wind hat sich inzwischen total gedreht.

Peugeot Deutschland-Chef Marcel Rycker im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Peugeot Deutschland-Chef Marcel Rycker im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: Presse

Bei den Verkäufen in Deutschland schlägt sich das aber noch nicht nieder. Nach aktuellen KBA-Zahlen ist der Absatz weiter rückläufig.

Das hat damit zu tun, dass wir uns auf rentables Geschäft konzentriert haben. Wir sind aus den Tageszulassungen raus, haben uns aus dem Mietwagengeschäft zurückgezogen und wir haben auch Rahmenabkommen mit Verbänden gekündigt. Wenn man diese Kanäle ausdünnt, sinkt natürlich erst einmal der Marktanteil. Dafür wuchs das Privatkundengeschäft. Und das schlägt sich in einer steigenden Rentabilität nieder, bei uns, aber auch im Handel. Vergangenes Jahr haben einige unserer Händler rote Zahlen geschrieben – in diesem Sommer lag ihre Rentabilität fünfmal so hoch, im Schnitt bei ein Prozent. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Nach einem Verkauf von 54.800 Pkw in 2013 hatten Sie sich für dieses Jahr ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 76.000 Autos. Das werden Sie kaum mehr erreichen, oder?

Das ist in der Tat nicht mehr erreichbar. Nach Stand heute gehe ich davon aus, dass wir knapp unter dem Vorjahresvolumen bleiben werden.

Droht Ihnen da ein roter Brief aus Paris?

Ich kriege dafür sicher keinen Druck aus der Konzernzentrale, weil auch dort inzwischen Rentabilität vor Volumen geht.

Zur Person

  • Marcel de Rycker

    Marcel de Rycker (52) kam Ende 1991 in die Automobilindustrie: Er startete bei BMW France, wechselte 1997 zu Volkswagen und fünf Jahre später zu Opel. Vor seinem Wechsel zur PSA-Gruppe im Jahr 2009 war de Rycker bei Mercedes-Benz global für den Verkauf an Unternehmen zuständig. 2012 hat er die Geschäftsführung von Peugeot Deutschland übernommen.
    Nach zwei Jahren an der Spitze wird de Rycker zum 31. Oktober 2014 die Peugeot Deutschland GmbH auf eigenen Wunsch verlassen. Nachfolger ab dem 1. November 2014 wird Albéric Chopelin, der aktuell das Vertriebsgeschäft der Marke Peugeot für die Region Zentral- und Nordeuropa verantwortet.

Peugeot Deutschland wird also am Jahresende einen Gewinn nach Paris überweisen?

Wir sind immer positiv gewesen, haben auch in den schwierigen Zeiten nie Verlust gemacht. Ich kann Ihnen keine Zahl nennen. Aber es war immer ein sehr beeindruckender Betrag. Und auch dieses Jahr werde ich das abliefern, was im Budget vorgesehen war.

Welchen Stellenwert hat der deutsche Markt noch für Peugeot?

Deutschland ist hinter China und Frankreich, Großbritannien und Spanien der fünftgrößte Markt. Wir kommen hier aktuell auf einen Marktanteil von 1,8 Prozent. Aber das ist wirklich der Tiefpunkt. Ich bin sicher: Mit den neuen Produkten wird er schnell wieder steigen.

Auf wie viel Prozent?

Wir müssen wenigstens auf 2,5 Prozent kommen. Mehr brauchen wir nicht – wenn wir ordentlich Geld verdienen.

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