Markt für Elektroautos: Subventionen bringen nichts – außer Kosten

KommentarMarkt für Elektroautos: Subventionen bringen nichts – außer Kosten

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Elektroautos bleiben ein Ladenhüter.

von Sebastian Schaal

Elektroautos kommen nicht in Schwung. Eine echte Kaufprämie lehnt die Regierung ab - will nun aber kleine Subventionen beschließen. Doch die Erfahrung zeigt: Das ist Quatsch.

Immer mehr Elektroauto-Modelle rollen auf den Markt - inzwischen auch von namhaften deutschen Herstellern. Doch an den Zulassungszahlen sieht man nichts. Ende 2014 waren gerade einmal 19.000 Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs. In den ersten vier Monaten 2015 sind weitere 3057 E-Mobile dazugekommen. Hochgerechnet wird dies gerade einmal ausreichen, um die Neuzulassungen von 8522 Stück im vergangenen Jahr knapp zu überbieten.

Die von der Politik ausgerufene Marke von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 kann so nicht erreicht werden. Selbst wenn man wohlwollend die Plug-in-Hybride, die kürzere Strecken mit Strom fahren, hinzurechnet, fällt die Halbzeitbilanz des 2010 von Kanzlerin Angela Merkel angepeilten Ziels mit 126.000 (Teilzeit)-Elektoautos mehr als ernüchternd aus.

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Merkels Haltung ist klar: Sie will das Ziel erreichen, aber nicht mit einer staatlichen Kaufprämie. Doch inzwischen werden auch aus den eigenen Reihen Stimmen laut, die ein Umdenken fordern. Im April sprach Umweltministerin Barbara Hendricks von "zeitlich befristeten finanziellen Mitteln". Auch aus dem Verkehrsministerium ist zu hören, dass man "steuerlich etwas für die Flotten" machen wolle.

Umstrittene Förderung für Elektroautos

  • Der Hintergrund

    Beim Kampf gegen die Erderwärmung geraten immer wieder die Autofahrer in den Blick. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) geht in Deutschland nämlich zu einem Sechstel auf das Konto des Straßenverkehrs. Als klimaschonende Variante gelten Elektroautos, die nicht mit Benzin, sondern mit Strom angetrieben werden. Deshalb will der Bundestag am Donnerstagnachmittag ein Gesetz verabschieden, das einige Privilegien für die Besitzer von E-Autos vorsieht.

  • Wie viele Elektroautos gibt es in Deutschland?

    Wenn es nach der Bundesregierung geht: viel zu wenige. Bis zum Jahr 2020 wird nämlich die Zielmarke von einer Million E-Autos angepeilt. Zu Jahresbeginn waren es aber nur 18.948 Fahrzeuge mit reinem Elektromotor sowie 107.754 Hybrid-Autos, die sowohl mit einem Elektro- als auch mit einem herkömmlichem Verbrennungsmotor fahren können. Im Vergleich zu den bundesweit 44,4 Millionen zugelassenen Pkw ist der Anteil der Elektroautos aber verschwindend gering.

  • Warum ist die Zahl der Elektroautos so niedrig?

    Zum einen ist der Anschaffungspreis relativ hoch: So kostet der VW-Kleinwagen Up! in der Elektroversion mit fast 27.000 Euro etwa dreimal so viel wie das Basismodell. Ein weiteres Problem ist die Reichweite: Derzeit muss ein reines E-Auto im Schnitt nach 150 Kilometern neu geladen werden, doch dafür fehlt vor allem auf dem Land die notwendige Infrastruktur. Und die niedrigen Spritpreise motivieren derzeit auch nicht gerade zum Abschied vom Benziner.

  • Wie will die Koalition mehr Autos auf die Straße bringen?

    Eine staatliche Kaufprämie, die immer wieder gefordert wird, ist derzeit nicht vorgesehen. Stattdessen sollen E-Autos die innerstädtischen Busspuren nutzen können und spezielle, kostenfreie Parkplätze erhalten. Allerdings schafft der Bundestag mit seinem Gesetz lediglich die rechtliche Grundlage dafür. Ob den Elektroautos tatsächlich solche Privilegien eingeräumt werden, muss jede Kommune für sich selbst entscheiden.

  • Stoßen die Gesetzespläne auf Zustimmung?

    Eher nicht. Kaum eine deutsche Großstadt will ihre Busspuren für Elektroautos öffnen. So haben Berlin, Hamburg und München bereits deutliche Ablehnung signalisiert: Mit Bussen, Taxis und Krankenwagen sei bereits die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Auch der Deutsche Städtetag warnt, die Zulassung weiterer Fahrzeuge auf der Busspur würde den öffentlichen Nahverkehr verlangsamen. Die Forderungen nach staatlichen Kaufanreizen reißen ebenfalls nicht ab. So wünscht sich die Autoindustrie großzügige Steuererleichterungen für elektronische Firmenwagen. Für Privatleute brachte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) eine Kaufprämie von 5000 Euro ins Gespräch. Ähnliche Regelungen gibt es bereits in Frankreich und China. Doch davon will die Bundesregierung nichts wissen.

Große Hoffnung Elektroauto wird verfehlt

Eine Gruppe von Abgeordneten der Großen Koalition hat jetzt offenbar einen weiteren Vorstoß gewagt: Wie das "Handelsblatt" schreibt, fordern sie in einem Brief an Finanzminister Wolfgang Schäuble Sonderabschreibungen für gewerbliche Halter von Elektroautos. 50 Prozent des Kaufpreises sollen es im ersten Jahr sein. Vorgerechnete Kosten: 200 Millionen Euro. "Es sind insbesondere die Flotten, in die wir derzeit unsere größten Hoffnungen setzen", heißt es in dem Brief.

Wenn das keine verfehlten Hoffnungen sind: Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus dem Mai hat die Annahme, dass große Unternehmen mit großen Fahrzeugflotten zum Treiber der Elektromobilität werden können, widerlegt. Denn die Firmen mit Elektroautos im Fuhrpark sind meist klein, haben weniger als 50 Beschäftigte. Externe Anreize, wie die viel diskutierte Befreiung von der Kfz-Steuer oder kostenloses Parken und Aufladen haben laut dem DLR sowohl bei privaten als auch bei gewerblichen Käufern nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Was hingegen zählt: Die günstigeren Energiekosten pro Kilometer und der Fahrspaß am Elektroantrieb.

Die 2010 als Verbund von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gegründete Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) fordert bereits seit Längerem Hilfen beim Auf- und Ausbau des Lade-Netzes. Sprich: Noch mehr Ladesäulen in Innenstädten, an denen dann doch kein Elektroauto geladen wird.

Denn auch hier geht die Forderung an der Lebenswahrheit der ersten Elektroauto-Fahrer vorbei. Ein dichteres öffentliches Netz von Ladestationen war für die E-Auto-Nutzer laut der DLR-Studie gar nicht wichtig: 92 Prozent haben eine Lademöglichkeit auf dem eigenen Grundstück. Ob mehr Ladesäulen in Großstädten das Elektroauto auch dort attraktiver machen, muss aber unbeantwortet bleiben. Die Frage, ob man Millionen in einen Markt stecken sollte, der am Ende gar nicht existiert, leider ebenfalls.

Norwegen zeigt die große Lösung

Dass Elektroautos die Zukunft sind, ist noch nicht ausgemacht. Wasserstoffbetriebene Autos mit Brennstoffzellen haben auch ihre Probleme, könnten aber dank der kurzen Tankzeiten im Gegensatz zum stundenlangen Laden eine echte Alternative sein.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

  • Preis

    Noch sind die reinen E-Autos deutlich teurer als ihre Benzin-Pendants. Ein Beispiel: Der E-Golf von Volkswagen ist ab 35 000 Euro zu haben. Ein Golf mit vergleichbarer Ausstattung kostet nur 24 150 Euro. Doch das könnte sich ändern. Laut Berechnungen des Ingenieurbüros P3 sind Elektrofahrzeuge ab dem Jahr 2018 beim Preis wettbewerbsfähig, wenn nicht sogar im Vorteil. Dabei werden neue Batterien zu Grunde gelegt, die einen höheren Nickelanteil vorweisen.

  • Die Reichweite

    Die Batterietechnologie, die für den Preis verantwortlich ist, ist auch der Grund für einen weiteren Knackpunkt: Für den E-Golf gibt Volkswagen eine Reichweite zwischen 130 und 190 Kilometern an. Für eine Fahrt in den Urlaub dürfte das kaum reichen, zumal die Zahl der Ladepunkte in Deutschland im Vergleich zu den herkömmlichen Tankstellen noch klein ist. Auch das dürfte sich aber mit der Weiterentwicklung der Batterietechnologie ändern.

  • Infrastruktur

    Vor allem auf dem Land kann die geringe Reichweite zum Problem werden. Deutschland liegt laut der Nationalen Plattform Elektromobilität mit 4800 Ladepunkten an 2400 Standorten im internationalen Mittelfeld. Nach dem Willen der EU Kommission sollen bis 2020 in Deutschland 150 000 öffentlich zugängliche Ladestationen entstehen. Zum Vergleich: Laut ADAC lag die Zahl der herkömmlichen Tankstellen 2013 bei 14 328.

  • Förderung

    Smart-Chefin Annette Winkler spricht sich schon lange offen für eine Förderung von E-Autos aus. Das müssen nicht unbedingt finanzielle Anreize sein: Der Bundestag erlaubte jüngst Städten und Gemeinden, kostenlose Parkplätze für E-Autos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben. Ob das ausreicht, zweifelt unter anderem VDA-Präsident Matthias Wissmann an. Er fordert finanzielle Impulse - wie zum Beispiel Sonderabschreibungsregeln für Firmenwagen. In anderen Ländern wie den USA, China oder Frankreich bekommen Käufer Cash vom Staat beim Kauf eines E-Autos.

  • Angebot

    Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) rollten Ende 2014 knapp 19 000 reine E-Autos auf deutschen Straßen. Die Zahl der sogenannten Plug-In-Hybride, die die Bundesregierung zu den E-Autos zählt und die sowohl an der klassischen Tankstelle als auch an der Steckdose betankt werden, lag bei 108 000. Insgesamt waren 44,4 Millionen Pkw in Deutschland unterwegs. Das Ziel der Bundesregierung von einer Million elektrisch betriebenen E-Autos bis 2020 liegt damit noch in weiter Ferne. An der Auswahl kann es nicht liegen: Im vergangenen Jahr kamen laut Verband der Automobilindustrie (VDA) 17 neue Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt. 2015 sollen noch einmal zwölf weitere hinzukommen. Selbst der elektroskeptische Porsche-Chef plant offenbar mit einem E-Auto: Zuletzt schloss Müller nicht mehr aus, dass das bis Ende des Jahrzehnts geplante nächste Porsche-Modell rein elektrisch betrieben wird.

Wenn es um den Erfolg von Elektroautos geht, wird gerne auf Norwegen verwiesen. Dort sind inzwischen mehr als 50.000 Elektroautos unterwegs – bei einem viel kleineren Gesamtmarkt als in Deutschland. Wie die Skandinavier das gemacht haben: Nicht mit einer Subvention "light" wie es die Sonderabschreibung wäre, sondern mit dem vollen Programm. Die 25-prozentige Mehrwehrtsteuer fällt bei Elektroautos weg, ebenso die Kraftfahrzeugsteuer. Bei der Gewichtssteuer gibt es wegen der schweren Batterien für E-Mobile 50 Prozent Rabatt. So wird ein Elektro-Golf sogar preiswerter als die Variante mit Benzinmotor.

Das soll keine Aufforderung an die Kanzlerin sein, Ähnliches in Deutschland einzuführen. Wohl aber ein Fingerzeig: Ganz oder gar nicht. In anderen Ländern, die ebenfalls kleine Anreize für Elektroautos beschlossen haben, bleibt der große Erfolg à la Norwegen ebenfalls aus.

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In zwei Wochen tagen in Berlin Merkel, Industriebosse wie Daimler-Chef Dieter Zetsche und weitere über die Zukunft des Elektroautos. Aus Berlin ist zu hören, dass der Kongress nicht zu einer Showveranstaltung ohne Ankündigungen verkommen dürfe. Sprich: Einige wenige Subventionen wird Merkel wohl billigen. Das große Paket aber bleibt aus, den Absatz von Elektroautos wird die kleine Lösung nicht entscheidend antreiben. Nur eines ist sicher: Es kostet wieder ein paar Milliarden Euro.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Förderungen von Merkels Gnaden wenigstens zielgerichtet sind und nicht wie die bisherigen Vorschläge an der Realität vorbeizielen. Denn die Augen vor ökonomischen und gesellschaftlichen Tatsachen zu verschließen, hat noch keinem geholfen.

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