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Marktanalyse : Europas Autoindustrie driftet auseinander

von Rebecca Eisert

Peugeot Citroen und Fiat stecken tief in der Absatzkrise während BMW und VW von Rekord zu Rekord eilen. Was deutsche Autobauer der Konkurrenz voraushaben.

VW wird voraussichtlich zum 1. August 2012 die übrigen 50,1 Prozent an Porsche übernehmen. Der deutsche Autokonzern baut sein Portfolio damit auf insgesamt zwölf Marken aus. Quelle: dpa
VW wird voraussichtlich zum 1. August 2012 die übrigen 50,1 Prozent an Porsche übernehmen. Der deutsche Autokonzern baut sein Portfolio damit auf insgesamt zwölf Marken aus. Quelle: dpa

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Es gibt Jobs, von denen jedes Kind einmal träumt – Lokführer, Feuerwehrmann, Astronaut. Man stellt sich die Arbeit ungemein aufregend und abenteuerlich vor. An Aufregung dürfte es Philippe Varin nicht mangeln – doch er ist weder Lokführer noch Astronaut und um seinen Job beneidet ihn sicherlich niemand. Varin ist Chef des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroen und ihm steht das Wasser bis zum Hals. Im ersten Halbjahr 2012 ist der Absatz des französischen Autobauers in Europa um 15 Prozent zurückgegangen. Im Heimatmarkt ging die Zahl der Neuzulassungen zwischen Januar und Mai 2012 sogar um mehr als 17 Prozent zurück. Dramatischer ist das Minus nur noch in Italien mit fast 19 Prozent.

Varin hat ebenso wie Kollege sein italienischer Sergio Marchionne – Chef des Fiat-Konzerns – harte Maßnahmen ergriffen, um den Umsatzbrand zu löschen. PSA soll nach Aussagen des französischen Gewerkschaftschefs Christian Lafaye 8000 bis 10.000 Stellen streichen – noch mehr als bisher veranschlagt. Das Peugeot-Werk Aulnay-sou-Bois soll angeblich geschlossen werden. Der Fiat-Chef hat unterdessen seine Investitionen in Europa um 500 Millionen Euro gekürzt und will die Einführung neuer Modelle in Europa verschieben.

Erst 2020 wieder auf Vorkrisen-Niveau

Dass auf dem europäischen Automarkt in den nächsten Jahren nicht viel zu reißen sein wird, davon geht auch das Beratungsunternehmen AlixPartners aus. Zwischen 1997 und 2007 lag der Autoabsatz in Europa jährlich zwischen 16 und 17 Millionen Fahrzeugen – dann erstickten Finanz- und Eurokrise die Kauflust. AlixPartners geht davon aus, dass die Marke von 16 Millionen verkauften Fahrzeuge erst im Jahr 2020 wieder erreicht wird.

Voraussichtliches Absatzminus der Autoindustrie 2012

Bis dahin wird sich die Branche in Europa massiv verändern. Wo keine Autos verkauft werden, da sind auch die Werke nicht ausgelastet. Was in den USA zwischen 2008 und 2009 stattgefunden hat – nämlich eine Gesundschrumpfung des Marktes steht in Europa noch bevor. 18 US-Werke schlossen in den letzten vier Jahren ihre Pforten. Für Europa sagen Experten wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach ein ähnliches Szenario voraus. „Es besteht erheblicher Restrukturierungsbedarf - mindestens fünf bis acht Automobilwerke sind derzeit in Europa überflüssig.“

Die deutschen Autobauer kommen trotz dieser Hiobsbotschaften - mit Ausnahme von Opel - immer noch gut davon. Eben verkündet BMW neue Rekorde. Die Münchener haben im ersten Halbjahr so viele Autos verkauft wie noch nie und steuern auch für das Gesamtjahr weiter einen Rekordabsatz an. Die Nachfrage in Asien und Amerika wächst zwar inzwischen nicht mehr ganz so rasant, aber immer noch kräftig, und in Europa ist sie trotz Schuldenkrise stabil. „Die BMW Group liegt voll auf Kurs, auch im Gesamtjahr eine neue Bestmarke bei den Auslieferungen zu erzielen“, sagte Vertriebsvorstand Ian Robertson.

Rekorde trotz Krise? Was machen die deutschen Autobauer besser als ihre europäischen Kollegen?

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.07.2012, 13:04 UhrHefele

    Also dass BMW soviele Autos verkauft wie nie zuvor, halte ich irgendwie für ein Gerücht. Sie werden die meisten Autos wohl verleast haben. Kurz vor der Finanzkrise hatte BMW auch ein Rekordjahr und was war dann als die Finanzkrise anfing? BMW ging beinahe hops, weil die ganzen verleasten Rückläufer viel weniger wert waren als zuvor auf dem Papier ausgelobt.
    Vor allem BMW bietet günstige Leasingkonditionen, Mini natürlich auch. Aber Hauptsache ein Rekordjahr eingefahren und dicke Gewinne kassiert, was danach kommt interessiert ja eh nicht.

    Und welcher Ami wurde denn bitteschön zum Alfa Romeo umgelabelt? So ein Schwachsinn!

    Deutsche Modelle optisch sehr gut? Design ist Geschmacksache. Pannenstatistik? Die ist lächerlich, die meisten haben andere Pannenhelfer als ADAC und diese werden nicht in der ADAC Pannenstatistik erfasst. Das ist ganz einfaches Marketing.

  • 08.07.2012, 05:39 UhrHerbert

    Peugeot Citroen und Fiat stellen zum Teil Modelle her, die nur wenige Kunden kaufen.
    Die deutschen Modelle sind optisch sehr gut und genau das ist ein wichtiges Verkaufsargument.
    Dazu kommt noch die Pannenstatistik und da sind deutsche Autos weniger betroffen.
    Das sind ganz einfache Spielregeln am Markt!

  • 07.07.2012, 19:21 Uhrmathias

    Wobei diese Testergebnisse an den Schreibtischen am PC entstehen.

    Der Kunde ist die Testperson.Der mit seinen Erfahrungen gänzlich
    für Reklame/Statistiken ungeeignet ist.

    Profit verkauft Produkte"Made in Germany"
    Ware mit schlechter Bewertung lässt sich halt nicht so gut verkaufen

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