Martin Winterkorn: Krise könnte VW-Leiharbeiter die Jobs kosten

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Martin Winterkorn: Krise könnte VW-Leiharbeiter die Jobs kosten

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VW wird trotz der Autokrise in Europa keine Werke schließen. Auch am Stammpersonal halte man fest, sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Allerdings: "Über die Leihkräfte werden wir nachdenken müssen."

VW wächst in Asien, blickt aber daheim auf die tiefste Absatzkrise seit gut 20 Jahren. VW-Chef Martin Winterkorn will jetzt über die Leihkräfte im Konzern nachdenken. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht aber keinen Anlass zur Sorge.

Europas größter Autobauer Volkswagen überdenkt im Sog der europäischen Absatzkrise seine Personalstärke. In einem Fernsehinterview mit dem Österreichischen Rundfunk räumte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitagabend entsprechende Überlegungen ein, schloss davon aber die Kernbelegschaft des Konzerns aus. "Stammpersonal ist sicher ein Thema, wo wir festhalten werden. Über die Leihkräfte werden wir nachdenken müssen", sagte der Manager dem ORF. Die Standorte auf dem Heimatkontinent einzuschränken, stehe dagegen nicht zur Debatte. "Wir werden aus Europa keine Kapazitäten abziehen, sondern werden die Kapazitäten in Europa erhalten."

2012 war in Westeuropa, einem VW-Kernmarkt, das mieseste Autojahr seit mehr als zwei Dekaden. Und während Europas Absatzmarkt derzeit weiter bergab rauscht, gibt VW in Asien Vollgas. Angesichts dieser Entwicklung müssten nun daheim alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um zu sparen. „Nachdem wir einen Großteil unserer Fabriken in Europa haben, müssen wir uns hier auf die Stagnation, vielleicht sogar einen Rückgang in Europa einstellen. Mit Flexibilität, mit allem, was wir im Köcher haben, um flexibel zu sein“, kündigte Winterkorn an.

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Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Industriekonzern hatte schon am Donnerstag bei der VW-Aktionärsversammlung in Hannover von der Notwendigkeit zu mehr Flexibilisierung gesprochen. Wie seit kurzem bekannt, müssen bei VW in den USA 500 Leiharbeiter aus der Passat-Produktion im Werk Chattanooga (Tennessee) gehen. Auch hierzulande hatten sich schon erste Krisenzeichen bemerkbar gemacht: In Emden fuhr VW zuletzt die Passat-Produktion zurück. Dort wurden der Weihnachtsurlaub und die Osterpause verlängert. Am Mittwoch hatte der DAX-Konzern in Eckzahlen zum ersten Quartal 2013 einräumen müssen, dass Betriebsergebnis und Überschuss eingebrochen waren.

Der neue Golf 7

  • Der Verbrauch

    Fast ein Viertel weniger Sprit sollen die umweltfreundlichsten Antriebe des Golf 7 verbrauchen. In der günstigsten Variante kommt der Wagen mit Benzinmotor auf 4,8, als Diesel-Version auf 3,3 Liter. Im Schnitt soll der Golf 7 laut VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg um 13,9 Prozent weniger verbrauchen. Der Umweltschutz- Organisation Greenpeace gehen diese Werte indes nicht weit genug.
    (Quelle: dpa)

  • Das Gewicht

    Mit nur 1153 Kilogramm hat der Golf 7 stark abgespeckt, er wiegt damit sogar weniger als der Golf 4. „Beim Golf 7 haben wir es erstmals geschafft, die Gewichtsspirale zu durchbrechen“, sagte der zuständige Manager Markus Kleimann bereits Ende August bei einer Vorabvorstellung für Medienvertreter in Wolfsburg.

  • Die Erwartungen

    Mit der jüngsten Auflage des „Brot-und-Butter-Modells“ verbindet der nach General Motors und Toyota drittgrößte Autokonzern der Welt enorme Erwartungen. Der Golf 7 soll an die Erfolgsserie seiner Vorläufer anknüpfen - seit dem Start des Golf 1 im Jahr 1974 wurden nach VW-Angaben insgesamt mehr als 29 Millionen Modelle verkauft.

  • Ein neues Produktionsverfahren für den ganzen Konzern

    Das Auto soll die Niedersachsen zudem in der Fertigungstechnik voranbringen: Der Golf 7 gilt als Nagelprobe für den Modularen Querbaukasten MQB. Dieses Verfahren wurde zuvor nur beim Audi A3 eingesetzt. Es soll die Entwicklung und Produktion der VW-Marken einfacher und billiger machen.

Jedoch steht hinter diesen schlechten Nachrichten ein gewaltiger Basiseffekt: 2012 war bei Volkswagen das beste Jahr der Geschichte und auch aktuell steht VW vergleichsweise gut da. Ford, Opel oder Peugeot-Citroën wollen in Europa sogar einzelne Werke dichtmachen.

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VW-Aufsichtsrat Weil sieht in all diesen Trends kein Anzeichen für eine nachhaltige Verschiebung der Standortbedeutung hin nach Asien. Er sei zuversichtlich, dass VW den Problemen in Europa maßvoll begegnet. „Unter dieser Voraussetzung halte ich nichts davon, den Heimatmarkt und die Heimatstandorte gegen Investitionen woanders auszuspielen. Es muss insgesamt stimmen“, betonte er. Die Wolfsburger bauen derzeit sieben ihrer weltweit zehn geplanten Werke in China.

Niedersachsen ist nach Porsche größter VW-Eigner. Das Land als strategischer VW-Investor und -Dividendenprofiteur habe ureigenes Interesse an einem wettbewerbsfähigen Konzern. „Das passiert am besten sehr kontinuierlich und konsequent. Und das ist auch die Marschvorgabe von Winterkorn“, sagte Weil. „Die Bedeutung von VW für die niedersächsische Wirtschaft war noch nie größer.“

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