Mercedes-Benz: Daimler fährt satten Quartalsgewinn ein

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Mercedes-Benz: Daimler fährt satten Quartalsgewinn ein

, aktualisiert 23. Juli 2015, 09:05 Uhr
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Gemessen an den Absatzzahlen hat Daimler das erfolgreichste Halbjahr der Firmengeschichte hinter sich.

von Sebastian Schaal

Noch vor zwei Jahren musste Daimler-Chef Dieter Zetsche eine Gewinnwarnung aussprechen. Inzwischen laufen die Geschäfte aber wieder prächtig: Im zweiten Quartal gab es einen satten Gewinn für den Autobauer aus Stuttgart.

Die Erfolgsmeldungen für Daimler-Boss Dieter Zetsche reißen nicht ab: Der Stuttgarter Konzern hat im zweiten Quartal einen operativen Gewinn (Ebit) von 3,7 Milliarden Euro (+20 Prozent) erzielt, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz zwischen April und Juni stieg auf 37,5 Milliarden Euro – 19 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die konzernweite operative Rendite liegt damit bei 9,8 Prozent. Unterm Strich weist das Unternehmen ein Konzernergebnis von 2,4 Milliarden Euro aus.

„Wir haben im ersten Halbjahr unseren Renditeanspruch für Mercedes-Benz Cars erreicht“, sagt Zetsche, der neben dem Konzern auch die Auto-Sparte leitet. „In allen anderen automobilen Geschäftsfeldern stehen wir kurz vor Erreichung unserer Renditeansprüche. Den eingeschlagenen Weg werden wir konsequent fortsetzen.“

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Damit hat Daimler die Erwartungen der Branchenexperten übertroffen. Von Bloomberg befragte Analysten hatten mit einem Umsatz von 36,5 Milliarden Euro und einem bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,3 Milliarden Euro gerechnet. Bereits mit diesen Werten wäre die operative Marge – also das, was vom Umsatz als operatives Ergebnis übrig bleibt – konzernweit auf neun Prozent gestiegen.

Daimlers Wachstum geht nicht zulasten der Marge

Getrieben wurde der Ansteig des Konzern-Ebits vor allem von der Auto-Sparte, die von dem Absatzwachstum und dem 2012 aufgelegten Sparprogramms „Fit for Leadership“ profitiert. Die Sparten Trucks, Busses und Finacial Services konnten im Berichtsquartal ebenso zulegen, das Geschäftsfeld mit den Vans erreichte laut der Mitteilung ein Ergebnis auf Vorjahres-Niveau.

Bereits Anfang Juli hatte der Konzern bekanntgegeben, beim Absatz das beste Halbjahr der Firmengeschichte erzielt zu haben. Von Januar bis Juni konnte Daimler knapp 960.000 Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart verkaufen – ein Plus von 15 Prozent zum Vorjahr.

Die Baustellen des Daimler-Konzerns

  • China

    Lange hechelte Daimler den Rivalen Audi und BMW hinterher. Langsam scheint sich das Blatt zu wenden. Zuletzt legten die Stuttgarter in dem wichtigen Markt um 38,5 Prozent zu, während die Konkurrenz im Vergleich dazu schwächelte. Ein Grund: Die Einführung neuer Modelle und der Ausbau des Händlernetzes. Die Frage ist, ob Daimlers Sonderkonjunktur auch angesichts weniger rosiger Prognosen für den Markt und des jüngsten Kursrutsches an den Börsen anhält: „Daimler profitiert noch von einem gewissen Neuigkeitswert“, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach: Die Stuttgarter müssten möglicherweise angesichts drohender Überkapazitäten ihre Planung anpassen. Der Scheitelpunkt der höchsten Gewinne pro Fahrzeug sei überschritten. „China ist nicht mehr „die“ Goldgrube“, sagt Bratzel. Jetzt dürften keine Fehler gemacht werden, warnt auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Allerdings sei das Management mit Hubert Troska gut aufgestellt.

  • Modelle

    Daimlers Absatz beflügelt seit Monaten eine Flut neuer Modelle. „Daimler muss die hohe Geschwindigkeit seiner Modellerneuerung beibehalten“, sagt der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, Willi Diez. Bei der C-Klasse sei beispielsweise das T-Modell nachgeschoben worden. „Dieser Zyklus ist richtig.“ Denn auch die Konkurrenz legt demnächst nach. BMW bringt in diesem Jahr seinen neuen 7er auf den Markt. „Das wird ein harter Kampf, die Position der S-Klasse zu verteidigen“, warnt Diez.

  • Kosten

    Die alten Sparprogramme in Pkw und Lkw-Sparte sollen in diesem Jahr volle Wirkung zeigen. Ein neues großangelegtes Programm ist bislang nicht geplant, wohl aber will Zetsche an der Effizienz schrauben. „Alleine das Ergebnis deutet darauf hin, dass Daimler auf dem richtigen Weg ist“, sagt Diez. „Die Standorte in Deutschland sind langfristig wichtig, denn die Produktionsstruktur sollte in etwa der Absatzverteilung entsprechen.“ Daimler habe zuletzt überraschend hohe Produktivitätsgewinne vorgelegt, sagt Metzler-Analyst Pieper. „Jetzt geht es nicht mehr ums Eingemachte, sondern um Luxusfragen.“. So könnten Investoren, wenn das Profitabilitätsziel von 10 Prozent erreicht ist, auch langfristig zweistellige Gewinnmargen erwarten.

  • Arbeitnehmer

    Mit dem Wechsel an der Betriebsratsspitze im vergangenen ist Zetsches hartnäckiger Gegenspieler Erich Klemm Geschichte, der neue Betriebsratschef heißt Michael Brecht. Das Gesprächsklima in Verhandlungen soll sich seitdem deutlich verbessert haben. Für fast alle Standorte in Deutschland wurden inzwischen Investitionsprogramme und sogenannte „Zukunftsbilder“ verhandelt, die Investitionen, aber auch Einsparungen beinhalten. Ein großer Brocken wartet aber noch auf Zetsche: Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in Deutschland läuft 2016 aus. Die Zusage dürfte Brecht kaum kampflos aufgeben. Auch das Thema Werkverträge dürfte den Konzern weiter beschäftigen.

  • Neue Technologien

    Daimler setzt beim Thema Alternative Antriebe wie andere Hersteller stark auf Plug-In-Hybrid-Motoren, die sowohl Strom als auch Benzin tanken. Bislang lässt der Durchbruch der reinen E-Autos bekanntermaßen auf sich warten. Entsprechend stehen die Autohersteller in Lauerstellung „Mit der nächsten Batteriegeneration werden die Karten neu gemischt“, sagt Bratzel.

Der Absatzsprung ging aber nicht zulasten der Marge – etwa wegen kostspieligen Rabattaktionen. Daimler weist für die Autosparte einen operativen Gewinn von 2,2 Milliarden Euro aus. Bei einem Umsatz von 21,1 Milliarden Euro ergibt das eine Marge von 10,5 Prozent. Zum Vorjahresquartal war das ein Anstieg um zweieinhalb Prozentpunkte. „Damit haben wir unsere Profitabilitätsziele für das erste Halbjahr nicht nur erreicht, sondern übertroffen“, sagt Zetsche. Läuft das zweite Halbjahr – wie von Daimler erwartet – noch besser als das erste, wird die Marge im Gesamtjahr deutlich zweistellig bleiben.

Mit diesen Werten setzt Daimler die Premium-Konkurrenz unter Druck. Audi kam im ersten Quartal auf eine Marge von 9,7 Prozent und BMW auf 9,5 Prozent. Die Audi-Mutter VW und der Münchner Konzern legen am 29. Juli beziehungsweise 4. August ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Erst dann ist ein aussagekräftiger Vergleich möglich.

„Nach Jahren des Hinterherfahrens könnten Mercedes-Benz Cars bei der Marge im Pkw-Bereich erstmals seit langem an Audi und BMW vorbeiziehen, wobei der Konzern noch immer von seiner recht jungen Modellpalette profitiert“, kommentiert Analyst Frank Schwope von der NordLB. „Dadurch dürften sich die nächsten zwei Geschäftsjahre als relativ ertragreich darstellen. Mit Blick auf sich wiederholende Krisen sowie die zunehmende Konkurrenz im Premiumsegment erwarten wir jedoch nicht, dass Mercedes-Benz Cars dauerhaft beziehungsweise über mehrere Modellzyklen hinweg eine Marge von 10 Prozent einfahren können.“

Bereits bekannt sind die Absatzzahlen des Premium-Trios, hier konnte Daimler dank des Wachstums den Rückstand zu BMW und Audi verkürzen. Mit 1,1 Millionen Autos im ersten Halbjahr liegen die Münchner klar vorne, Audi liegt mit 902.000 Autos für die Stuttgarter aber wieder in Reichweite.

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Gegenwind deutet sich im einstigen Auto-Wunderland China an. Zwar erzielte Mercedes im Juni noch ein Wachstum von 38,5 Prozent, bei BMW (-0,1 Prozent) und Audi (-6 Prozent) gingen die Verkäufe bereits zurück. Besonders Audi ist abhängig vom Erfolg in Fernost, der Ingolstädter Hersteller verkauft dort 40 Prozent seiner Autos. Für China bleibt Zetsche optimistisch: „Wir sehen natürlich, dass der Markt in seiner Wachstumsdynamik nachgelassen hat. Aber wir konnten in der Vergangenheit in China unser Potenzial nicht voll ausschöpfen – im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern. Mit verstärkt lokal produzierten Modellen und neuen Händlern holen wir das jetzt nach.“

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