Mercedes-Elektroauto: Was hinter dem Zoff im Daimler-Stammwerk steckt

Mercedes-Elektroauto: Was hinter dem Zoff im Daimler-Stammwerk steckt

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Ein Teil des Mercedes-Benz Werks Untertürkheim und die Daimler-Konzernzentrale.

von Sebastian Schaal

Die Arbeitnehmer der deutschen Autowerke kämpfen um Zusagen für die Produktion von Elektroautos. Bei Daimler konnten sich Betriebsrat und Management nicht einigen – anderenorts ist die Entscheidung bereits gefallen.

Im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim verschärft sich der Streit zwischen Betriebsrat und Management um die Zukunft der Elektro-Produktion immer mehr. Nachdem Gespräche beider Seiten am Montagabend erneut ohne Ergebnis geblieben waren, sagte die Mitarbeitervertretung nun für kommenden Samstag (8. Juli) die Genehmigung sämtlicher Überstunden an dem zentralen Standort ab. Damit drohen – wie schon in der vorigen Woche – Ausfälle in der Autofertigung. Anders als zuletzt will der Daimler-Betriebsrat diesmal auch „produktionsbegleitende Bereiche“ einschließen.

„Da das Unternehmen keine Zusagen macht, werden wir den Druck weiter erhöhen“, erklärte der örtliche Betriebsratschef Wolfgang Nieke. Kernpunkt der Konflikts ist die Frage, für welche elektrischen Bauteile Untertürkheim künftig innerhalb des Daimler-Konzerns zuständig sein soll – und ob sich die Beschäftigten teils auch außerhalb ihrer Arbeitszeit dafür fortbilden sollen.

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Die für 2019 angekündigten Elektroautos von Daimler, die unter dem Namen EQ auf den Markt kommen sollen, werden im Werk Bremen montiert. Einige Teile des Elektroantriebs sollen aus dem Werk Hamburg-Harburg kommen. Im April 2016 hatte Daimler angekündigt, 500 Millionen Euro in das Hamburger Werk zu investieren, um dort neben der bekannten Produktion (Achsen- und Achsenkomponenten, Leichtbaustrukturteile, Lenksäulen und Komponenten für die Abgastechnologie) eine Einheit für Elektroantriebe aufzubauen. In Bremen wird bereits heute das Kompakt-SUV GLC gefertigt, das mit dem kommenden Elektroauto technisch eng verwandt ist. Die süddeutschen Werke hatten bei den Elektro-Projekten bislang das Nachsehen.

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Mercedes EQ Quelle: Daimler

Der Streit zwischen Betriebsrat und Management schwelt schon länger, ist aber seit der vergangenen Woche akut. Die Daimler-Fahrzeugwerke in Sindelfingen, Bremen und Rastatt sind auf die Komponenten aus Stuttgart angewiesen. Im Stammwerk Untertürkheim montieren die Arbeiter Achsen, nebenan in Bad Cannstatt werden Motoren gefertigt, in Hedelfingen Getriebe zusammengesetzt.

Da die Nachfrage nach den Mercedes-Autos derzeit so hoch ist, kann die Produktion nur mit Überstunden aufrecht erhalten werden. Im vergangenen Jahr sollen alleine in Untertürkheim bis zu einer Million Überstunden angefallen sein. Als der Betriebsrat im Elektro-Streit die Zustimmung zu weiteren Überstunden verweigerte, musste am vergangenen Wochenende im Werk Sindelfingen die Produktion der E-Klasse gedrosselt werden – weil aus Stuttgart nicht genügend Motoren geliefert wurden. Die Komponentenfertigung wird so zum Flaschenhals, ein andauernder Streit hätte auch die Produktion in weiteren Fahrzeugwerken stilllegen können.

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