Mercedes, Opel, BMW: Autobauern fehlt klare Elektroauto-Strategie

Mercedes, Opel, BMW: Autobauern fehlt klare Elektroauto-Strategie

Tesla spielt auf dem Automarkt kaum eine Rolle. In den Köpfen potenzieller Elektroautokäufer ist die Marke allerdings präsenter als die deutschen Konzerne. Angesichts des großen Potenzials der E-Autos ist das ein Risiko.

Die Schlagzeilen hatte Faraday Future sicher: Vor dem Auftakt der CES zeigte das chinesisch finanzierte US-Start-up sein erstes Serienmodell, den FF 91. Es sieht futuristisch aus, ist elektrisch angetrieben und unfassbar schnell. Überschriften wie „Das schnellste Elektro-SUV der Welt“ prägen sich ein. Ebenso die Vergleiche zu dem derzeit wohl bekanntesten Elektro-SUV, Teslas Model X. Dass wenige Kilometer weiter der etablierte Autokonzern Fiat Chrysler ebenfalls ein voll vernetztes Elektroauto gezeigt hat, ging da fast unter. Ebenso die Tatsache, dass es angesichts der Finanzlage bei Faraday Future unsicher ist, ob der FF 91 jemals auf den Markt kommt.

Was bei all dem Bohei ohnehin fehlt: ein deutscher Autobauer. Die bereits erhältlichen E-Autos aus deutscher Produktion können nicht mit den Reichweiten eines Teslas protzen und die starken deutschen Elektroautos sind erst für 2018 angekündigt. Das Fernbleiben der deutschen Konzerne setzt sich bereits in den Köpfen der Verbraucher fest. Das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschers YouGov zusammen mit dem Center of Automotive Management.

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Obwohl die Marke Tesla auf dem gesamten Automarkt noch keine große Rolle spielt, steht sie bei künftigen Elektroauto-Käufern hoch im Kurs. 22 Prozent der 3.000 befragten deutschen Autofahrer gaben an, in letzter Zeit etwas Positives über Tesla gehört zu haben. Zudem ist Tesla für 12 Prozent der Befragten die erste Wahl beim Kauf eines Elektroautos.

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Während die Marken Volkswagen und BMW bei den Elektroaffinen häufiger genannt werden als von den Unentschlossenen, sei bei Marken wie Opel oder Mercedes-Benz kein Unterschied festzustellen.

„Das Thema E-Mobility wird für die deutsche Autoindustrie zunehmend zum Risiko“, warnt Markus Braun, Head of Business Unit Reports bei YouGov. „Das entscheidende Thema Kommunikation muss von den Autobauern deutlich in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Ergebnisse werfen zudem Zweifel an der Submarken-Strategie der deutschen Autobauer auf.“ Sprich: Für die meisten Kunden ist auch ein BMW i3 ein BMW – die eigens kreierte BMWi-Markenwelt verwirrt eher. Auch Daimler setzt mit „EQ“ auf eine eigene Submarke.

Was für die Elektro-Bemühungen der Autobauer positiv ist: Insgesamt 64 Prozent der Befragten halten Elektroautos für das Transportmittel der Zukunft – mehr als jeder Zweite kann sich sogar vorstellen, innerhalb der nächsten vier Jahre ein Elektroauto anzuschaffen. Dabei werden Vorteile wie Umweltfreundlichkeit (90 Prozent), weniger Lärm (82 Prozent) und steuerliche Vorteile (81 Prozent) genannt.

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Dem stehen aber auch Nachteile gegenüber: Der Preis (89 Prozent), die geringen Reichweiten (88 Prozent) oder die zu große Entfernung zur nächsten Ladesäule (85 Prozent) wurden hierbei am Häufigsten genannt. „Autofahrer erwarten von Elektroautos in erster Linie, dass diese im Hinblick auf die Leistungsmerkmale ebenso gut ausgestattet sind, wie konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des CAM. „E-Autos werden nicht aus der Nische kommen, wenn diese als Verzichtsobjekte wahrgenommen werden. Elektrofahrzeuge müssen vielmehr neue Begehrlichkeiten auslösen, dann kommen sie für Kunden auch als Erstwagen infrage.“

Was die Detailergebnisse der Studie aber auch zeigen: Vielen Verbrauchern ist offensichtlich gar nicht bewusst, dass bereits einige Modelle ihre Anforderungen erfüllen. Wenn in diesem Jahr mehr als 25.000 Elektroautos und Hybride zugelassen werden sollen, müssen die Autobauer nachlegen – nicht nur bei den Reichweiten, sondern auch in der Kommunikation.

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