Milliardengeschäft: Wie alte Autos zum Wirtschaftsfaktor werden

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Milliardengeschäft: Wie alte Autos zum Wirtschaftsfaktor werden

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Porsche 911 Carrera RS 2.7 Coupé von 1973 (weiß) und Porsche 911 S 2.2 Targa von 1970 (blau)

von Franz W. Rother

Der Markt für klassische Automobile wächst rasant, belegt eine neue Studie des Marktforschungsinstituts BBE. Autoindustrie und Kfz-Betriebe reagieren bereits auf die wachsende Nachfrage nach Oldtimern.

Der 42 Jahre alte Porsche Targa sieht aus, als hätte er erst gestern die Fabrik in Zuffenhausen verlassen. Der Erstlack in Blutorange glänzt, dass man sich darin spiegeln kann. Die schwarzen Ledersitze sind frei von so satt mit Sattelfett getränkt, dass sich Staub nicht festsetzen kann. Staub hat ohnehin kaum eine Chance, sich hierhin zu verirren. Der stolze Erstbesitzer des automobilen Schätzchens hat all seine Berufserfahrungen als Elektriker dazu genutzt, um eine Standardgarage in eine Art Klimakammer zu verwandeln. Eine ausgeklügelte Technik misst permanent die Luftfeuchtigkeit und saugt das Kondenswasser ab, im Winter sorgt eine Heizung dafür, dass der Elfer nicht friert oder gar zu rosten anfängt.

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Was das all gekostet hat und immer noch kostet? Der stolze Besitzer lächelt und verweist auf einen prall mit Rechnungen gefüllten Aktenordner, schweigt aber über die Summen, die er im Laufe der Jahre in Traumauto und Traumgarage investiert hat. Er ist mittlerweile über 70 Jahre alt, bewegt den Porsche nur noch selten. Zu den rund 67.000 Kilometern, die der Wagen seit seiner Auslieferung ins Rheinland zurückgelegt hat, kommen jedes Jahr vielleicht noch etwa 500 hinzu – für die Fahrt ins Porsche-Zentrum zur Jahresinspektion beispielsweise und – an sonnigen Tagen – auch den einen oder anderen Ausflug in die Eifel oder den Westerwald. Das Auto ist so gut wie neu, der Besitzer ist es nicht mehr. Das Ein- und Aussteigen aus dem Sportwagen bereitet ihm Mühe, die Sehkraft lässt flotte Fahrten nicht mehr zu. Der Besucher sieht seine Chance gekommen, versucht die Fachsimpelei über Zündzeitpunkte und Benzinverbräuche sachte zu einem Verkaufsgespräch überzuleiten. Doch der Mann wittert die Gefahr, blockt sofort ab. Verkaufen? Warum das und warum jetzt? Der Wert des Autos – erst kürzlich von einem Gutachter auf 80.000 Euro geschätzt – dürfte weiter steigen, die Verzinsung eines Verkaufserlöses auf der Bank hingegen noch weiter sinken: „Junger Mann, das lassen wir mal lieber.“

Oldtimer sind für viele Deutsche eine Leidenschaft, in die sie viel Emotionen, Zeit und Geld investieren. Aber für noch mehr Menschen hierzulande sind alte Autos ein riesiges Geschäft, an denen Tausende Arbeitsplätze hängen. Oldtimer-Besitzer geben im Jahr pro Jahr knapp 5.300 Euro für Wartung, Restaurierung, Reparatur und Pflege ihrer über 30 Jahre alten Autos aus, ergab die neue Studie „Wirtschaftsfaktor Young- und Oldtimer“ des Marktforschungsinstituts BBE Automotive aus Köln, die heute in Frankfurt vorgestellt wurde. In Summe ergibt dies bei 619.259 historischen Fahrzeugen, die derzeit in Deutschland registriert sind, demnach ein Ausgabevolumen von fast 3,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch einmal knapp zwei Millionen Autos, die mit einem Alter zwischen 15 und 29 Jahren in die Kategorie Youngtimer fallen und ebenfalls zu den Classic-Cars und Freizeit-Fahrzeugen gezählt werden müssen.

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