Mobilität: "Keiner kann das Thema Elektroauto ignorieren"

Mobilität: "Keiner kann das Thema Elektroauto ignorieren"

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Eaton-Chef Alexander Cutler

von Lothar Schnitzler

Alexander Cutler, Chef der amerikanischen Technologiegruppe Eaton, über die Veränderungen der Branche durch die Elektromobilität, die Auswirkungen der Krise und den Markteintritt von Ländern wie Indien und China.

Herr Cutler, alle Welt redet über Hybridantriebe und Elektroauto. Wie wichtig ist das Thema wirklich?

Keiner kann das Thema ignorieren. Unsere Kunden wissen, dass Energie immer teurer wird und sie verlangen, dass wir ihnen beim Energiesparen helfen. Eaton versteht sich daher heute als Unternehmen für Energiemanagement. Wir arbeiten dabei an mehreren Fronten. Bei den Hybridantrieben für Nutzfahrzeuge sind wir inzwischen Weltmarktführer. Aber auch im PKW-Geschäft arbeiten wir ständig an Verbesserungen der Energienutzung. Beispielsweise nutzen Automobilhersteller wie Audi Eatons Supercharger (Kompressoren) zum Motor-Downsizing. Aufgeladene Motoren, können bei weniger Hubraum die gleiche Leistung erzielen - sie sind jedoch Kraftstoff sparender und Umwelt verträglicher.

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Glauben Sie, dass die E-Mobilität die Branche grundsätzlich verändert? Wird es eine Konsolidierung geben?

Da bin ich nicht von überzeugt. Ich arbeite seit 34 Jahren bei Eaton, habe in den Jahren immer wieder gehört, dass es in wenigen Jahren nur noch zwei oder drei Automobilhersteller geben würde. So ist es aber nicht gekommen. Was wir zurzeit erleben, ist eher das Gegenteil: Die neuen Techniken bieten innovativen und jungen Unternehmen eine Chance, weil sie die Basis der Antriebstechnik verbreitern. Zu den herkömmlichen Verfahren, die weiterhin nachgefragt werden, sind neue wie Hybrid hinzugekommen. Auch für neue Unternehmen aus Indien oder China ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten.

"Aber diesmal wird es deutlich schwerer"

Müssen sich die Autobauer und andere Hersteller von Industrieprodukten auf Attacken gefasst machen wie in den siebziger und achtziger Jahren als japanische Autobauer den Amerikanern und Europäern zusetzten?

Die größte Veränderung im Wirtschaftsleben der vergangenen Jahre ist der Eintritt der indischen und chinesischen Arbeitskräfte auf den Weltmarkt. Wir werden künftig deshalb einen enormen Kostendruck spüren. Aber es gibt einen bedeutenden Unterschied zu den Auswirkungen des japanischen Markteintritts vor dreißig oder vierzig Jahren. Japan hat einen vergleichsweise kleinen Inlandsmarkt. Die ökonomische Expansion Japans war auf einem reinen Exportmodell gegründet. China dagegen hat dagegen einen riesigen Inlandsmarkt, der sich mit der Entwicklung des Landes ständig vergrößert. Das wird zwar nichts daran ändern, dass chinesische Unternehmen überall auf der Welt als kompetente Wettbewerber auftreten. Aber wegen des Inlandsmarktes gibt es eine bessere Balance. Eaton setzt in China schon eine Milliarde Dollar um.

2009 war ein hartes Jahr für Eaton. Die Umsätze fielen um 23 Prozent, der Jahresüberschuss um 64 Prozent. Was ist für Sie als CEO jetzt die größte Herausforderung?

Wie viele andere Unternehmenschefs muss ich in dieser Situation Mitarbeitern, Zulieferern und Kunden vermitteln, dass wir für längere Zeit mit einem deutlich geringeren Wachstum leben müssen. Wir müssen auch damit rechnen, dass im Vergleich zu früheren Rezessionen die Erholung deutlich schwächer ausfällt. Ich schätze, dass der Aufschwung im ersten Jahr um etwa 50 Prozent weniger stark sein wird als nach den vergangenen fünf Rezessionen. Darüber sind sich viele Leute nicht im Klaren. Offensichtlich liegt es in der Natur des Menschen, die guten Erfahrungen aus der Vergangenheit fortzuschreiben. Aber diesmal wird es deutlich schwerer für alle Unternehmen, aus dem Tal wieder herauszukommen. Und wir werden wie in den letzten Monaten des Jahres 2008 und wie im vergangenen Jahr alle Disziplin und viel Überzeugungsarbeit aufbringen müssen, um unsere Ziele durchzusetzen.

Welche Ziele?

Nun, wir wollen weiter profitabel wachsen. Der Gewinn pro Aktie, der im vergangenen Jahr um 65 Prozent auf 2,27 Dollar gesunken war, soll im kommenden Jahr auf 3,70 bis 4 Dollar steigen – bei einem erwarteten Umsatzanstieg von nur elf Prozent.

Sie haben in den beiden vergangen Jahren ihre Mitarbeiterzahl um 17 Prozent reduziert.

Solche Maßnahmen sind immer schmerzhaft und ich glaube, nirgendwo in Welt gibt es einen Manager, der gerne Leute entlässt. Aber wir konnten - neben der Kurzarbeit in einigen Ländern - uns mit den Mitarbeitern weltweit darauf einigen, in jedem Quartal eine Woche ohne Lohnausgleich zu pausieren. Das hat uns weitergehende  Personaleinschnitte erspart und ich bin stolz darauf, dass unsere Mitarbeiter da mitgezogen haben. Das ist auch ein Stück Eaton-Kultur.

Was sind die typischen Elemente dieser Kultur?

Das Team zählt. Bei uns gibt es keinen Starkult, weil wir glauben, dass ein Team klügere Entscheidungen trifft und die Geschäftsabläufe im Team besser zu bewältigen sind. Das gilt auf allen Ebenen. Deshalb haben die Mitarbeiter auch die unbezahlten Pausen in der Krise akzeptiert: Weil es das Gefühl der gegenseitigen Zugehörigkeit für die Kollegen und ihre Jobs gibt und weil die Mitarbeiter wissen, dass wir die Qualifikationen von allen im Aufschwung wieder brauchen.

Glauben Sie, dass Sie durch 2010 ohne größere Personaleinschnitte kommen?

Die Einsparungen des vergangenen Jahres waren erfolgreich - einschließlich der Personalanpassungen. Für 2010 sehen wir in einigen unserer Märkte Zeichen der Erholung. Wir glauben, dass wir jetzt gut an die aktuelle Marktsituation angepasst sind, aber auch für ein Anziehen der Aufträge gewappnet sind, wenn die Wirtschaft wieder wächst.

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