Abgas-Betrug bei Porsche: Ermittlungen gegen Mitarbeiter wegen möglichen Abgas-Betruges

Möglicher Abgas-Betrug: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Porsche-Mitarbeiter

, aktualisiert 10. Juli 2017, 17:05 Uhr
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Das Logo des Sportwagenbauers Porsche beim Automobil-Salons hinter einem Porsche 911 Targa 4 GTS.

Nach Daimler hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart nun auch Porsche ins Visier genommen. Sie eröffnete ein Verfahren gegen unbekannte Mitarbeiter der VW-Tochter wegen möglicher Abgas-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen.

Im VW-Dieselskandal ziehen die Betrugsermittlungen der deutschen Strafverfolger gegen Autobauer immer weitere Kreise. Nach Volkswagen und der Konzerntochter Audi ist nun auch deren Sportwagenschwester Porsche im Visier der Ermittler. "Es besteht der Anfangsverdacht des Betruges und der strafbaren Werbung", teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Montag mit. Ermittelt werde gegen unbekannte Mitarbeiter in Deutschland und in den USA wegen möglicher Manipulation der Abgasnachbehandlung. Auch die Verantwortung von Bosch als Lieferant der manipulierten Motorensteuerung an VW wird bereits untersucht. Im Gefolge des VW-Dieselskandals nahmen die Staatsanwälte in Stuttgart zudem den Autobauer Daimler wegen Betrugsverdacht unter die Lupe, auch wenn dieser eine illegale Softwaremanipulation wie bei VW abstreitet.

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Porsche erklärte, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ernst zu nehmen und alles dafür zu tun, die Angelegenheit vollumfänglich und schnellstmöglich aufzuklären. Porsche hatte sich nach Berichten über Vorermittlungen Ende Juni demnach selbst an die Staatsanwälte gewandt. Unter den 2015 entdeckten, über 500.000 manipulierten Dieselfahrzeugen des VW-Konzerns in den USA waren auch 13.000 Porsche Cayenne. Doch blieb die Sportwagenschmiede bisher von Strafverfolgung verschont, weil sie die betreffenden Motoren von Audi bezieht und nicht selbst entwickelt.

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Mehrere Razzien und eine Festnahme im Abgasskandal

Während die Ermittler bei Porsche noch keine konkrete Person ausmachten, sind vom Zulieferer Bosch drei namentlich bekannte Führungskräfte des mittleren Managements betroffen. Bei VW, Audi und Daimler durchsuchten die Staatsanwaltschaften München und Stuttgart bereits in groß angelegten Razzien Geschäftsräume nach Beweisen. Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen statteten die Beamten einem Firmensprecher zufolge noch keinen unangekündigten Besuch ab. Die Münchner Strafverfolger nahmen vergangene Woche auch den ersten Manager fest, einen mittlerweile gekündigten Audi-Ingenieur. Als einziger Vertreter der damaligen Vorstandsriege steht der frühere VW-Chef Martin Winterkorn seit Anfang dieses Jahres unter Betrugsverdacht. Die Braunschweiger Staatsanwälte haben in dem seit Ende 2015 laufenden Ermittlungsverfahren noch 36 weitere Personen auf dem Radar.

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Allerdings müssen diese derzeit keine Haftbefehle befürchten. "Wir sehen wie bisher keinen Ansatzpunkt, einen unserer Beschuldigten wegen Fluchtgefahr festzunehmen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig. "Die überwiegende Zahl der Beschuldigten hat ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, niemand hat sich bislang dem Ermittlungsverfahren entzogen."

Ende Januar hatte die Behörde erklärt, es gebe Anhaltspunkte, dass Winterkorn entgegen seiner eigenen Aussage schon vor dem 18. September 2015 über die Softwaremanipulation bescheid wusste. Das berichtete auch am Wochenende die "Bild am Sonntag" mit Verweis auf Dokumente der US-Justiz. Demnach sollen Winterkorn und auch der damals gerade frisch angetretene VW-Markenchef Herbert Diess am 27. Juli 2015 in Wolfsburg über die Betrugssoftware informiert worden sein. Bei einer Besprechung am 25. August 2015 habe der Anfang dieses Jahres in den USA verhaftete VW-Manager die Summe von 18,5 Milliarden Dollar genannt, die als Strafzahlung auf den Konzern zukommen könnte. Winterkorn hatte im Januar im Untersuchungsausschuss des Bundestages bestritten, vor der Bekanntgabe des Verstoßes durch die US-Behörden im September 2015 von den Manipulationen erfahren zu haben.

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Der Zeitpunkt, ab dem der VW-Spitze die drohenden finanziellen Folgen des Betruges in den USA klar waren, ist wichtig für die Ermittlungen wegen Marktmanipulation gegen damalige Vorstände von VW und der Hauptaktionärin Porsche SE in Braunschweig und Stuttgart. Beschuldigt werden hierbei neben Winterkorn auch VW-Konzernchef Matthias Müller, VW-Markenchef Diess, der frühere VW-Finanzchef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch und das Porsche-SE-Vorstandsmitglied Philipp von Hagen. Die Nachricht über eine Manipulation von elf Millionen Fahrzeugen weltweit löste einen Kurseinbruch aus. Viele Anleger erlitten Kursverluste und verklagten VW und die Porsche SE, weil diese gezielt zu spät über den Fall informiert haben sollen. Beide Unternehmen verneinten ein Fehlverhalten ihrer Manager.

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