Was ein PSA-Opel-Deal für den Automarkt bedeutet

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Möglicher Opel-Verkauf: Was ein PSA-Opel-Deal für den Automarkt bedeutet

, aktualisiert 16. Februar 2017, 18:09 Uhr
von Sebastian Schaal

Mit dem sich anbahnenden Verkauf von Opel an PSA würde ein neuer Gigant entstehen, der die Autobranche aufwirbelt. Die Konkurrenz kann das kaum noch verhindern – muss aber darauf reagieren.

„Wir werden weiter rücksichtslos in unseren Entscheidungen sein und nicht Geschäfte, Märkte oder Gelegenheiten verfolgen, die für uns keinen überzeugenden Gewinn abwerfen.“ Als der General-Motors-Aufsichtsratschef Dan Ammann diesen Satz vor einigen Wochen sagte, war es wohl als Begründung gedacht, warum sich GM 2015 aus Russland zurückgezogen und die Produktion in Australien gekappt hatte.

Rückblickend klingt es auch wie eine an Opel gerichtete Drohung. Erst vor wenigen Tagen musste Opel-Chef Karl-Thomas Neumann einen erneuten Verlust von 241 Millionen Euro nach Detroit melden.

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Und Ammann meint seine Aussage ernst. Wie sich abzeichnet, verhandelt General Motors bereits seit dem Frühjahr 2016 mit der französischen PSA-Gruppe. Die „strategischen Maßnahmen“, von denen GM und PSA noch am Dienstag gesprochen hatten, sind offenbar bereits sehr konkret. Laut „Handelsblatt“ ist bereits eine US-Kanzlei beauftragt, die Vertragsdetails auszuarbeiten. Bei ihrem Besuch in Rüsselsheim am Mittwoch soll GM-Chefin Mary Barra vor Opel-Führungskräften den Verkauf als erklärtes Ziel der Verhandlungen genannt haben.

Für Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries ist die Übernahme des deutschen Autobauers Opel durch Peugeot ausgemachte Sache. "Ich gehe davon aus, dass das stattfindet", sagte Zypries. Sie wolle aber nicht von Übernahme, sondern von einem Zusammenschluss sprechen, fügte sie hinzu. Gespräche mit den Firmenchefs von GM und Peugeot habe es inzwischen gegeben. "Ich persönlich nicht, aber es wurden Gespräche geführt", sagte sie.

Hintergründe zur PSA Group

  • Absatz

    Der vom Staat gestützte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im vergangenen Jahr weltweit über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der französische VW-Konkurrent mit den Marken „Peugeot“, „Citroën“ und „DS“ sieht sich in Europa schon länger als Branchenzweiter.

  • Sanierung

    Konzernchef Carlos Tavares fuhr in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau. Um das vor drei Jahren stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

  • Chinesischer Investor

    Auch der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng stieg 2014 bei dem Traditionsunternehmen mit 14 Prozent ein. Der Einfluss der Peugeot-Familie sank im Zuge der Sanierung hingegen beträchtlich.

  • Umsatz

    Der Umsatz betrug im vorvergangenen Jahr 54,7 Milliarden Euro; neuere Jahreszahlen liegen nicht vor. Der Konzern beschäftigte 184.000 Mitarbeiter.

  • Diesel-Untersuchung

    Unlängst schaltete die französische Antibetrugsbehörde nach Untersuchungen zu Diesel-Abgasen bei PSA die Justiz ein. Ein entsprechendes Dossier ging an die Staatsanwaltschaft. Es liegt nun an der Justiz, über eventuelle Folgen zu entscheiden. Der Konzern betonte, er habe seine Fahrzeuge niemals mit Betrugs-Software ausgestattet.

Rentable Geschäfte statt schiere Größe um jeden Preis – damit liegen Ammann und der potenzielle Opel-Käufer Carlos Tavares auf einer Linie. Der Portugiese, der den Gemeinschaftskonzern von Peugeot und Citroën seit 2014 führt, hat den damals verlustreichen Autobauer umgebaut und voll auf Effizienz getrimmt:

  • Überkapazitäten in der Produktion wurden abgebaut, dem fiel unter anderem das Werk Aulnay mit über 3.000 Beschäftigten zum Opfer.
  • Auch in der Verwaltung wurden Arbeitsplätze abgebaut. In der Summe sind 10.000 Jobs verschwunden.
  • Das Modellangebot von Peugeot und Citroën hat Tavares neu aufgestellt. In Deutschland und Frankreich beliebte Cabrios wie der Peugeot 207 CC wurden ersatzlos gestrichen. Cabrios sind fast nur in Europa gefragt und laut Tavares könne es sich PSA nicht leisten, Modelle nur für einen Kontinent zu entwickeln.
  • Übermäßig teure Investitionen, die sich nicht schnell rentieren – etwa in die Elektromobilität – hat Tavares dabei hinten angestellt.

Die Opel-Produktionsstandorte in Europa

  • Rüsselsheim

    Am Opel-Hauptstandort arbeiten 15.040 Beschäftigte, davon gut die Hälfte im Entwicklungszentrum. Die Produktion hat rund 4000 Arbeitnehmer. Sie bauen den Mittelklassewagen Insignia in mehreren Varianten, den Zafira sowie Getriebe und Komponenten.

    Quelle: rtr

  • Kaiserslautern

    Der Standort in Rheinland-Pfalz hat 2140 Beschäftigte. Sie produzieren Motoren und Fahrwerkskomponenten.

  • Eisenach

    In Thüringen laufen die Kleinwagen Corsa und Adam vom Band. Im Werk Eisenach arbeiten 1850 Menschen.

  • Polen

    Im polnischen Gliwice sind knapp 3270 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bauen den Kompaktwagen Astra und das Cabrio Cascada und den Sportwagen Opel GTC. In Tychy stellen 410 Beschäftigte Motoren her.

  • Spanien

    In Figueruelas bei Saragossa laufen Corsa, der SUV Mokka und bald auch der Stadt-SUV Crossland X vom Band. Der Standort hat 5080 Arbeitsplätze.

  • Großbritannien

    Im Werk Ellesmere Port arbeiten 1830 Beschäftigte. Hier werden ebenfalls Astra-Modelle produziert.
    Der Standort Luton nördlich von London hat 1530 Arbeitnehmer und baut den Kleintransporter Vivaro.

  • Österreich

    Im Werk Aspern nahe Wien arbeiten 1390 Menschen. Dort werden Motoren und Getriebe hergestellt.

  • Ungarn

    Motoren und Komponenten produziert auch die Fabrik in Szentgotthard mit 1210 Arbeitnehmern.

  • Italien

    In Turin gibt es noch ein Zentrum zur Entwicklung von Dieselmotoren mit 700 Mitarbeitern.

Das Ergebnis: Nach drei Verlustjahren schreibt PSA wieder schwarze Zahlen, alleine im ersten Halbjahr 2016 lag der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn bei 1,8 Milliarden Euro – die Bilanz für das Gesamtjahr liegt noch nicht vor.

Wenn Tavares jetzt bei Opel zugreift, dürfte dabei aber nicht der Effizienzgedanke im Vordergrund stehen: Im ersten Halbjahr 2016, als Opel vor dem Brexit-Votum noch auf Gewinnkurs war, verdienten die Rüsselsheimer laut dem CAR-Institut 190 Euro pro Auto – bei Peugeot und Citroën waren es hingegen 840 Euro.

Knackpunkte beim Opel-Deal Worüber Opel und Peugeot verhandeln müssen

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General Motors verhandel mit PSA über Opel Quelle: REUTERS

Stattdessen hat Tavares ein anderes Ziel: Nach drei Jahren der Sanierung will er auf Expansionskurs gehen – und die Machtverhältnisse auf dem europäischen Automarkt verschieben.

Der sich anbahnende Verbund aus PSA und Opel dürfte auf mehr als vier Millionen Fahrzeuge pro Jahr kommen. Hinter dem Marktführer Volkswagen hätte Tavares eine neue Nummer zwei in Europa erschaffen – und seinen früheren Arbeitgeber und französischen Dauerkonkurrenten Renault-Nissan überholt.

Offensichtlich folgt Tavares jetzt jener Logik, die Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn seit Jahren vorantreibt: Nach einer grundlegenden Sanierung der beiden kränkelnden Firmen Ende der 1990er Jahre, ist Renault-Nissan zu einem Global Player expandiert, der mit ähnlichen Modellen unterschiedlicher Marken international vertreten ist.

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