Moia-Chef Ole Harms: Was VW mit Moia vorhat

InterviewMoia-Chef Ole Harms: Was VW mit Moia vorhat

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Moia-Chef Ole Harms.

von Sebastian Schaal

VW spielt bei modernen Fahrdienstleistungen per App nur eine untergeordnete Rolle. Das soll sich ändern: Im Interview erklärt Ole Harms, wie er mit der neuen Marke Moia einen Mobilitätsdienstleister aufbauen will.

Die Autobranche hat sich dem Wandel verschrieben. Elektroantriebe, selbstfahrende Autos, die zunehmende Vernetzung und die Urbanisierung rütteln an den Geschäftsmodellen. Gerade in Großstädten wollen immer weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen – obwohl sie gerne eines fahren. Die Autobauer wollen dieses Feld nicht neuen Unternehmen wie Uber und Lyft überlassen – BMW hat DriveNow, Daimler Car2Go und MyTaxi.

Volkswagen hingegen spielt bei modernen Fahrdienstleistungen per App bislang nur eine untergeordnete Rolle. Das soll sich ändern: Ende 2016 haben die Wolfsburger das neue Tochterunternehmen Moia als 13. Konzernmarke gegründet. Moia ist weder Autobauer noch reiner Carsharing-Anbieter. Bis 2025 soll daraus einer der weltweit führenden Mobilitätsdienstleister entstehen.

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Im Interview spricht Moia-Chef Ole Harms über die geplanten Dienste, profitable Geschäftsmodelle und das große Ziel, die Mobilität von Menschen im urbanen Raum neu zu definieren.

Zur Person

  • Ole Harms

    Ole Harms (41) ist CEO von Moia und Mitglied des Vorstands von Gett. Nach seiner Arbeit als Strategieberater bei Capgemini wechselte er 2008 zur Volkswagen Consulting. Im Jahr 2012 übernahm er die Leitung des Bereichs New Business Models and Performance und berichtete direkt an den Vorstand für Sales & Marketing. Bis Januar 2017 war er zwei Jahre lang Executive Director und Leiter des Bereiches New Business Models & Mobility Services. In dieser Funktion war er verantwortlich für die Entwicklung globaler Kooperationen mit Mobilitätsanbietern wie Gett und Städte wie Hamburg. Harms lebt in Hannover und Berlin.

WirtschaftsWoche Online: Herr Harms, Deutschland sieht sich oft als Nabel der Auto-Welt. Macht es das schwieriger oder einfacher, Mobilitätsdienste von Deutschland aus zu etablieren?
Ole Harms: Interessante Frage. Unsere Stärke liegt in der Kombination: Wenn man das, was die Automobilindustrie in Deutschland und die Volkswagen-Gruppe im Speziellen extrem gut können – sehr gute Autos bauen und das global skalieren – mit der Tech- und Serviceseite kombiniert, dann ist das eine ganz spannende Geschichte. Die Industrie steht vor einem massiven Wandel. Der Nabel der Auto-Welt zu sein, ist für uns nicht wichtig – sondern aus der Kombination das Beste herauszuholen.

Sie wollen im kommenden Jahr mit Moia in zwei europäischen Städten starten. Welche Städte werden das sein und welche Dienste werden Sie dort anbieten?
Wir werden dieses Jahr schon mit Pilotprojekten anfangen. Der richtige Launch wird dann mit unserem eigenen Fahrzeug, dem neuen Moia Shuttle, sein. Das Moia-Shuttle wird ein eigens für unsere Zwecke produziertes vollelektrisches Fahrzeug sein. Bis das auf die Straße kommt, dauert es aber noch ein bisschen. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir zum Start eine einwandfrei funktionierende App und die ganzen Algorithmen dahinter brauchen. Wir sind ja erst zum 1. Januar 2017 aktiv gestartet – etwas Zeit brauchen wir also noch. Die Städte nennen wir derzeit noch nicht.

Die wichtigsten Begriffe der neuen Mobilitätsdienste

  • Ridesharing

    Ridesharing ist das, was im Deutschen als Mitfahrgelegenheit bezeichnet wird – sprich eine Autofahrt wird geteilt. Die Ridesharing-Dienste richten sich in erster Linie an Fahrer, die freie Plätze in ihrem Auto Mitfahrern anbieten wollen, die in die gleiche Richtung reisen möchten. Dabei geht es meist um einzelne Fahrten.

  • Carpooling

    Carpooling ähnelt dem Ridesharing, geht jedoch von einer gewissen Regelmäßigkeit aus. Ein Beispiel sind Kollegen oder Nachbarn, die sich für den Arbeitsweg zu einer Mitfahrgemeinschaft zusammenschließen. Dabei ist es möglich, dass sich die Fahrer und Mitfahrer abwechseln. Auf alle Fälle fährt am Ende nur ein Auto anstatt drei oder vier.

  • Carsharing

    Beim Carsharing geht es nicht darum, jemanden mitzunehmen, sondern ihm gleich das ganze Auto zu überlassen. Das kann privates Carsharing sein, bei dem das eigene Auto anderen zur Verfügung gestellt wird. Bekannter sind aber professionelle Anbieter wie Flinkster, Car2Go oder DriveNow.

  • Ridehailing

    Im Deutschen ein noch recht unbekannter Begriff ist das Ridehailing. Bei der Übersetzung von „to hail“ als rufen oder anhalten wird die Bedeutung aber klar: Jemand ruft ein Fahrzeug herbei, wird abgeholt und zu seinem Ziel gefahren. Bezahlt wird nach Zeit und/oder Strecke. Also das, was Taxen machen – oder vergleichbare Apps wie MyTaxi oder Gett. Auch Uber ist ein Ridehailing-Dienst. Ridehailing ist immer ein professionell angebotener On-demand-Dienst, während Ridesharing vornehmlich privat angeboten wird.

Wie kann man sich das Shuttle vorstellen?
Wir entwickeln ein eigenes Fahrzeug, im Prinzip ein vollvernetzter Van mit Elektro-Antrieb. Dieser steht nicht wie ein Carsharing-Auto am Straßenrand, sondern ist die ganze Zeit mit einem festen Fahrer unterwegs. Bei dem Service wollen wir Leute auf ähnlichen Routen zusammen bringen. Mit der On-demand-Buchung müssen sie nicht zu festen Zeiten an einer Haltestelle warten, sondern die App zeigt dem Kunden den nächsten Haltepunkt eines Shuttles auf einer passenden Route zum eigenen Ziel an. Man steigt zu und nimmt unterwegs weitere Fahrgäste mit. Durch das Pooling wird die Fahrt deutlich günstiger als mit einem Taxi.

Und neben dem Shuttle-Angebot?
Wir konzentrieren uns auf zwei Bereiche. Zum einen das Ride-Hailing, also Fahrdienstleistungen auf Abruf. Hier sind wir bereits eine erste Partnerschaft mit Gett eingegangen, um uns weltweit eine Präsenz in diesem spezifischen Markt aufzubauen. Zum anderen eben unsere On-demand-Shuttles.

Autokonzerne kaufen Start-ups Warum die digitale Auto-Zukunft so teuer ist

VW beteiligt sich für 300 Millionen Dollar am Fahrtenvermittler Gett, GM für eine halbe Milliarde am Uber-Konkurrenten Lyft. Autokonzerne lassen sich digitale Mobilitätsprojekte viel kosten – weil sie alternativlos sind.

Deutsche Autohersteller erkaufen sich digitale Kompetenz. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Wie wird der Kunde mit Moia in Kontakt kommen? Wird er eine Moia-App auf dem Smartphone haben oder eine von VW, Skoda oder Audi, die auf Moia-Technik basiert?
Moia wird mit einer eigenen Marke direkt den Kunden ansprechen. Moia soll einer der relevanten Spieler in der Mobilitätsbranche werden. Unser Ziel ist die Moia-App zu etablieren, um die On-demand-Angebote zu buchen. Zu Anfang wird es das Shuttle sein, später kommen sicher weitere Angebote dazu. Die Marken des Konzerns entwickeln in ihren Ökosystemen eigene Angebote – da werden wir mit Sicherheit in Zukunft zusammenarbeiten.

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