Nach Opel-Rückzug: Russland stützt Autobauer mit 167 Millionen Dollar

Nach Opel-Rückzug: Russland stützt Autobauer mit 167 Millionen Dollar

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Opel zieht sich aus Russland zurück – die Regierung will jetzt gegensteuern

Mit einem Sofortprogramm will Russland den eigenen Automarkt stützen. Wie die zehn Milliarden Rubel verteilt werden, ist aber noch nicht bekannt.

Russland sorgt sich offenbar stärker um seine Autoindustrie als bisher bekannt. Den angekündigten Opel-Rückzug kommentierte der Kreml noch gelassen als "von GM selbst verschuldet". Doch jetzt hat die russische Regierung offenbar ein Sofortprogramm in Höhe von zehn Milliarden Rubel (ca. 167 Millionen Dollar) aufgelegt, wie unter anderem die "Russian Times" berichtet. Damit will Russland offenbar verhindern, dass sich weitere Hersteller aus dem schwierigen Markt zurückziehen.

Am Mittwoch hatte Opel angekündigt, seine Fabrik in Sankt Petersburg mit rund 1000 Mitarbeitern Ende 2015 zu schließen und sich – bis auf wenige Chevrolet-Modelle – komplett aus dem Markt zurückzuziehen. Jetzt will die Regierung über Hilfsmittel die Fahrzeugproduktion stabilisieren. Unklar ist noch, wer wie viel von den Subventionen erhalten wird. Bislang gab es aber aus der Industrie keine Signale, dass weitere Autobauer dem Opel-Beispiel folgen könnten.

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Europa bremst den Handel aus Quelle: WirtschaftsWoche Online

In den ersten beiden Monaten des Jahres ist die Produktion um 32 Prozent eingebrochen. Die Experten von IHS Automotiveerwarten in diesem Jahr einen Absatzrückgang von 27 Prozent. "Der russische Automobilmarkt befindet sich im freien Fall", beschreibt Bernd Hones von Germany Trade & Invest die Situation. Als Vertreter dieser Gesellschaft des Bundes zur Außenwirtschaftsförderung in Moskau berät er deutsche Firmen, die in Russland Geschäfte machen wollen und verfügt über gute Kontakte in die Branche. "Die Automobilunternehmen müssen sich darauf einstellen, dass es in den nächsten zwei Jahren hier nicht besser wird."

Automarkt im freien Fall

Der Autoexperte Stefan Bratzel schätzt, dass schon bald weitere Hersteller Opel folgen werden, etwa Peugeot und vor allem Ford. "Ich kann mir vorstellen, dass Ford sehr genau hinschaut, wie lange man das Spiel noch mitmachen will", sagt der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Der US-Traditionskonzern befinde sich in einer ähnlichen Lage wie die General-Motors -Tochter aus Rüsselsheim und schreibt vor allem wegen der Probleme in Russland in Europa rote Zahlen.

Derzeit denkt Ford jedoch nicht daran, die Zelte in Russland abzubrechen. "Unsere Position ist unverändert, wir stehen zu unserem Joint-Venture", betont ein Sprecher. Man nehme mit dem russischen Partner Sollers jeden Geschäftsbereich unter die Lupe, um die Kosten zu senken. Das Ziel sei, die finanziellen Folgen der Misere in Russland zu begrenzen.

Die Sanktionen der EU und USA gegen Russland

  • Banken

    Die EU erschwert den Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Gilt für alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent. Sie können auf den EU-Kapitalmärkten keine neuen Wertpapiere oder Aktien von russischen Unternehmen mehr verkaufen.

    In den USA fallen drei weitere Banken im russischen Staatsbesitz unter die Strafmaßnahmen, damit sind es nun fünf von sechs: Die Bank von Moskau, die Russische Landwirtschaftsbank und die VTB Bank kamen hinzu. Ihnen wird der Zugang zu mittel- und langfristiger Dollarfinanzierung für Russland erschwert. Sie dürfen aber weiter in den USA operieren.

  • Waffen

    Die EU verbietet künftige Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen. Gilt nicht für bereits unterzeichnete Verträge, also auch nicht für die Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern im Wert von 1,2 Milliarden Euro an Russland.

    In den USA wurde die United Shipbuilding Corporation (größtes russisches Schiffsbau-Unternehmen) zu den bislang acht auf der Sanktionsliste stehenden Firmen im Verteidigungssektor ergänzt. Die Unternehmen dürfen nicht mehr das US-Finanzsystem nutzen oder mit amerikanischen Bürgern Geschäfte machen.

  • Technologie

    Die EU verbietet den Export von bestimmten Hochtechnologiegütern an das Militär. Gilt beispielsweise für Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

  • Energie

    Die EU untersagt die Ausfuhr für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung beispielsweise in der Arktis gebraucht werden.

    Auch in den USA gelten für Unternehmen aus der Ölbranche eingeschränkte Importmöglichkeiten für Technik zur Erschließung von Ölquellen in tiefen Gewässern, vor der arktischen Küste oder in Schiefergestein. Die aktuelle Energieproduktion werde damit aber nicht beeinträchtigt.

Europas größter Autobauer Volkswagen behält sich vor, die Produktion in Russland weiter anzupassen. VW hatte die Bänder in seinem Werk in Kaluga bereits im vergangenen Jahr vorübergehend angehalten. Derzeit läuft die Produktion. Das Geschäft werde neben der schwachen Konjunktur aber weiter durch deutliche Preissteigerungen und hohe Kreditzinsen belastet. "Wir gehen davon aus, dass diese Faktoren zunächst anhalten, sodass sich die negative Entwicklung im Geschäftsjahr 2015 fortsetzen wird", erklärt ein Sprecher.

Die Autobauer haben die Preise drastisch erhöht, um den Verfall der russischen Währung auszugleichen. Das führt dazu, dass Neuwagen für viele Russen unerschwinglich geworden sind. "Die Banken scheuen sich, neue Kredite zu vergeben, zumal sie sehen, dass immer mehr Menschen in Russland arbeitslos werden", schildert Hones die Lage. Dennoch: Weil Autohersteller ihre Preise nicht so schnell anheben können, wie der russische Rubel verfällt, droht ihnen ein Verlust von bis zu 2000 Dollar (etwa 1900 Euro) pro verkauftem Fahrzeug, so die Einschätzung von Wladimir Mozhenkow, Chef der russischen Automobilhandels-Vereinigung, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Für die Hersteller rächt sich nach Meinung der Experten nun, dass sie vor Jahren - im Vertrauen auf steigende Verkaufszahlen - massiv in Russland investiert haben. Befeuert wurde dies durch die russische Regierung. "Das Industrie- und Handelsministerium hat den Autobauern das Messer auf die Brust gesetzt", sagt Russland-Kenner Hones. Wenn sie Bauteile weiter zollfrei ins Land liefern wollten, mussten sie ihre Kapazitäten dort deutlich erhöhen. "Jetzt haben sie den Salat." Einem in diesem Jahr erwarteten Absatz von höchstens 1,5 Millionen Fahrzeugen aus russischer Produktion stünden Werkskapazitäten von mehr als 2,8 Millionen Einheiten gegenüber, rechnet Hones vor. "Da kann dem ein oder anderen noch die Luft ausgehen."

Den Leiden der einen stehen jedoch Chancen für andere gegenüber. Der russische Lada-Hersteller Avtovaz etwa will sich ein größeres Stück vom Markt abschneiden, wenn sich weitere ausländische Hersteller aus dem Land zurückziehen.

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