Nachruf: "Johanna Quandt gab BMW Rückhalt"

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Nachruf: "Johanna Quandt gab BMW Rückhalt"

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BMW-Großaktionärin Johanna Quandt ist verstorben.

von Harald Schumacher, Jürgen Salz und Martin Seiwert

Die verstorbene BMW-Großaktionärin Johanna Quandt gab nie ein Interview und kämpfte doch für einen besseren Journalismus. Sie trat nie als mächtige Firmenpatriarchin in Erscheinung und veränderte BMW dennoch grundlegend. Sie musste zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ihrer Familie gedrängt werden, stellte sich der Vergangenheit dann aber vorbildlich.

Johanna Quandt ist tot. Viele der 116.000 Mitarbeiter des Autobauers BMW, an dem Johanna Quandt zusammen mit ihren Kindern Stefan Quandt und Susanne Klatten 47 Prozent hielt, werden sich fragen, was die Nachricht für das Unternehmen bedeutet. Der Premiumhersteller verliert mit Johanna Quandt nicht seine oberste Strategin. Die wollte die gebürtige Berlinerin nie sein. Anders als bei Volkswagen, wo Großaktionär Ferdinand Piech als graue Eminenz das Unternehmen steuerte und sich selbst in detaillierteste Entscheidungen einmischte, überließ Johanna Quandt das weitestgehend den Vorständen.

So kommt nach ihrem Tod niemand im Unternehmen auf die Idee, ihr eine Piech-artige Rolle anzudichten. BMW-Chef Harald Krüger sagte, sie habe dem Unternehmen „Begeisterung und Leidenschaft“ entgegengebracht und „Rückhalt und Sicherheit gegeben. Johanna Quandt habe „auch bei unterschiedlichen Interessenlagen nie die Bodenhaftung verloren und in schwierigen Zeiten die Anliegen der einfachen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auge behalten“, sagte Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch.

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Johanna Quandt war das Fundament von BMW

Der frühere BMW-Chef  Norbert Reithofer unterstrich ihre „Herzlichkeit und ihre warme, unkomplizierte Art“. „Als wissbegierige, temperamentvolle Frau mit einer ausgeprägten Lust am Fragen“, schilderte Jörg Appelhans, Vorstand der Johanna Quandt-Stiftung, die BMW-Großaktionärin, „ihr lag viel am Austausch mit jungen Leuten.“

Der Tod macht den Mitarbeitern nochmals bewusst, was Johanna Quandt wirklich für das Unternehmen war: Ein Fundament, das Managern Sicherheit gab und ihnen ermöglichte, langfristige Strategien zu verfolgen, statt bloß auf nervöse Börsianer und vierteljährliche Gewinnprognosen zu schielen. „Viele kluge, weitsichtige Weichenstellungen hätte es ohne die Quandts als verlässliche und nicht selten geduldige Großaktionäre nicht gegeben“, sagt ein BMW-Manager rückblickend.

Johanna Quandt förderte Grundhaltungen bei BMW – darunter Bescheidenheit, Zuverlässigkeit, gesellschaftliche Verantwortung – die ihre Erben hoffentlich weiter pflegen werden.

Die Quandts und BMW

  • Welche Anteile halten die Quandts?

    Nach dem Tod des Unternehmers Herbert Quandt 1982 hatten seine Witwe Johanna und ihre beiden Kinder die BMW-Anteile und die Mehrheit am Chemiekonzern Altana geerbt. Johanna Quandt war ab 1982 im Aufsichtsrat, von 1986 bis 1997 war sie stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Dann überließ sie diese Arbeit ihren Kindern. Johanna Quandt hielt 16,7 Prozent, Sohn Stefan hält 17,4 Prozent und Susanne Klatten 12,6 Prozent an BMW.

  • Welche Rolle spielen sie im Unternehmen?

    Die starke Stellung der Familie hatte in den vergangenen Jahren für große Kontinuität bei dem Münchner Konzern gesorgt. Johanna Quandt habe dem Unternehmen „Rückhalt und Sicherheit gegeben“, sagte der Vorstandschef Harald Krüger der „Süddeutschen Zeitung“. Auch ihre Kinder haben gezeigt, dass sie nicht an schnellen Renditen interessiert sind, sondern langfristig denken.
    Nach dem milliardenschweren Desaster durch die Übernahme des britischen Autobauers Rover hätten die Geschwister die Ablösung des damaligen Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder forciert, hatte das „Manager Magazin“ berichtet. „Auch den Chefwechsel von Joachim Milberg zu Joachim Panke leiteten die beiden ein.“

  • Wie haben sie ihre Kompetenz erworben?

    Der 50-jährige Stefan Quandt hatte in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und danach bei dem seiner Familie gehörenden Unternehmen DataCard in den USA und Hongkong gearbeitet. Dem Vater einer Tochter gehört neben dem BMW-Paket auch der Logistikkonzern Logwin.
    Seine vier Jahre ältere Schwester Susanne hatte in England und in der Schweiz Betriebswirtschaft studiert. Die Mutter dreier Kinder wird von dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ als reichste Frau Deutschlands geführt, mit einem geschätzten Vermögen in zweistelliger Milliardenhöhe. Ihr gehören auch der Chemiekonzern Altana, und sie ist Großaktionärin bei dem Auto- und Flugzeugzulieferer SGL Carbon.

Nur bei wenigen Gelegenheiten zeigte sich die Milliardärin in der Öffentlichkeit, Interviews gab Johanna Quandt keine. Das hielt sie aber nicht davon ab, einen Preis für Wirtschaftsjournalisten zu stiften – den Herbert Quandt Medien-Preis, benannt nach ihrem Ehemann, der bereits 1982 starb. Die Preisverleihung im Hotel Gravenbruch Kempinski bei Frankfurt fand jedes Jahr seit 1986 am 22. Juni statt – dem Geburtstag von Herbert Quandt – und würdigt unternehmerisches Wirken. Die Festrede hielt Johanna Quandt bis vor einigen Jahren noch selbst. Im eleganten Kostüm referierte sie etwa über die Stärken des Standorts Deutschland, geißelte dabei auch etwa die „fatale Lust an der Schwarzmalerei“ und den „negativen Realitätsverlust“.

Journalismus war das Steckenpferd Johanna Quandts, berichtete Appelhans vor einigen Monaten: „Jeden Morgen las sie ihrem Mann, der ein Augenleiden hatte, aus der Zeitung vor.“ Guten Journalismus wollte sie mit ihrer Stiftung fördern. Sie war überzeugt davon, dass Unternehmer und Unternehmen gesellschaftliche Akzeptanz brauchen – und dass Medien genau deshalb wichtig sind.

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