Neue Modelle: BMW sagt den Altherren-Bikes Adieu

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Neue Modelle: BMW sagt den Altherren-Bikes Adieu

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Weg von den seelenlosen Zweirädern. Die K 21 (Codename) - hier eine Vorstudie - soll im Herbst 2013 auf den Markt kommen. Die neue BMW-Maschine soll ab 12.000 Euro zu haben sein.

von Matthias Kamp

Mit der K 21 und vier weiteren Modellen will der Chef der BMW-Motorradsparte die bayrischen Bikes wieder hip machen. Kein leichtes Unterfangen, denn immer weniger Menschen begeistern sich fürs Motorradfahren.

Geht es nach Stephan Schaller, wird dies sein großer Wurf. „Einen echten Knaller“ nennt der Chef der Motorradsparte bei BMW das neue Modell, das die Münchner im Herbst dieses Jahres auf den Markt bringen wollen. Seit Monaten tüfteln Ingenieure und Designer hinter verschlossenen Türen unter dem Codenamen K 21 an dem neuen Zweirad. Am kommenden Freitag will BMW nun eine erste Studie des neuen Modells vorstellen.

Stephan Schaller, Chef der Motorradsparte bei BMW und TVS-Chef Venu Srinivasan Quelle: REUTERS

Made in India: durch Kooperationen mit dem indischen Hersteller TVS, will BMW ein Kleinmotorrad entwickeln und damit den Markt aufrollen

Bild: REUTERS

Schaller braucht dringend Erfolge. Als der frühere VW-Nutzfahrzeugchef im vergangenen Jahr an die Spitze der BMW-Motorradsparte rückte, befand sich das Geschäft im Abwärtsstrudel. Nach zuvor zweistelligen Zuwächsen legte der Absatz 2012 nur noch um magere zwei Prozent auf gut 106.000 verkaufte Zweiräder zu. Der Umsatz lag bei 1,49 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 80 Prozent auf nur noch neun Millionen Euro ein. Grund waren hohe Restrukturierungskosten für die italienische Tochter Husqvarna, aber auch die Investitionen in neue Modelle. Mit denen sowie einer stärkeren Fokussierung auf Schwellenländer wollen die Münchner jetzt verlorenes Terrain gutmachen.

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Die Euro-Krise schlägt zu

Eine Ursache für die Schwierigkeiten ist die Euro-Krise. Der europäische Markt hat sich seit 2008 auf etwa 1,5 Millionen verkaufte Motorräder halbiert, rechnet Marcus Berret vor, Experte für den Auto- und Motorradmarkt bei Roland Berger. Mit Spanien und Italien hat es zwei Kernmärkte getroffen. „Ein Desaster“, resümiert Berret.

Doch die Malaise hat auch hausgemachte und strukturelle Ursachen. Zu lange hat BMW auf seine klassischen Sportmotorräder mit großem Hubraum ab 650 Kubikzentimeter gesetzt. Seelenlos seien die Zweiräder, gebaut für ältere Herren, die im Skianzug und mit Helm mit Klappvisier durch die Lande gondeln, lästert einer, der an der Neuausrichtung des Motorradgeschäfts bei BMW beteiligt ist. Das Durchschnittsalter der BMW-Biker liegt bei 50 Jahren.

Während BMW bei seiner Modellstrategie geblieben ist, haben Konkurrenten wie die VW-Tochter Ducati, Triumph und Harley-Davidson Marktanteile hinzugewonnen – auch im für BMW noch immer wichtigsten Markt Deutschland. Der Grund für den Mangel an Neuerungen habe einen Namen, berichten Insider: Hendrik von Kuenheim, Vorgänger von Schaller. Während Ingenieure und Designer schon lange auf Veränderungen gedrängt hätten, habe er sich gesperrt.

Mit der K 21 und vier weiteren Modellen, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen, schlägt Schaller einen neuen Kurs ein. Die K 21 etwa wird wieder den klassischen luftgekühlten Boxermotor, vorne eine dicke goldene Gabel und einen runden Scheinwerfer haben – eine Reminiszenz an die gute alte BMW-Zeit. Gleichwohl soll die Maschine in modernem Outfit dahergekommen. Mit der K 21, berichten Eingeweihte, wolle Schaller den Erfolg wiederholen, der der Automobilsparte mit dem Mini gelungen ist. Das neue Motorrad soll ab 12.000 Euro kosten.

Doch all die Neuerungen werden nicht reichen, um den Erfolg des Bereichs langfristig zu sichern. Denn Experten erwarten, dass sich unabhängig von Marken und Wirtschaftskrisen immer weniger Menschen für ein Motorrad entscheiden. „Der Hip-Faktor geht verloren“, sagt Berater Berret. In der Altersgruppe von 16 bis 35 Jahren sei ein Motorrad nicht mehr angesagt.

Kooperation mit Indien

Schaller glaubt, auch hier ein Rezept zu haben. In wenigen Jahren will BMW ein Motorrad mit weniger als 500 Kubikzentimeter Hubraum auf den Markt bringen. Dazu haben die Münchner Anfang des Jahres eine Kooperation mit dem indischen Hersteller TVS begonnen. In Anlehnung an die Autoindustrie tüfteln Inder und Deutsche jetzt gemeinsam an einer Strategie: Auf nur einer Plattform will BMW verschiedene Modelle anbieten, etwa mit oder ohne Sportverkleidung, als Off-Road- oder Straßenmaschine. Mit dem Ziel, jüngere Käufer anzusprechen, kommen die Münchner Anfang 2014 außerdem mit einem Elektroskooter.

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Doch vor allem mit dem Klein-Motorrad made in India will BMW den Markt aufrollen. Aus indischen Fabriken wollen die Münchner die ganze Welt beliefern. „Südostasien ist wichtig, aber auch Brasilien“, sagt Schaller. Dort kann BMW sich noch über zweistellige Wachstumsraten freuen.

Doch ob BMW mit kleineren Modellen wirklich neue Käuferschichten erschließt, muss sich erst noch zeigen. Mit dem gleichen Ziel hatte BMW 2007 für geschätzte 100 Millionen Euro Husqvarna gekauft, einen italienischen Hersteller von Geländemotorrädern. Doch die Absatzzahlen schrumpften kontinuierlich. Im Januar haben die Münchner Husqvarna an die österreichische Pierer Industrie weitergereicht, zu der der Hersteller KTM gehört.

Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Zwischen Januar und April steigerte BMW seinen Motorradabsatz um fünf Prozent.

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