Neuer Ärger für deutsche Kunden im Abgasskandal: Keine TÜV-Plakette für nicht umgerüstete VW-Diesel?

Neuer Ärger für deutsche Kunden im Abgasskandal: Keine TÜV-Plakette für nicht umgerüstete VW-Diesel?

, aktualisiert 03. Februar 2017, 12:32 Uhr
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Ein VW-Mitarbeiter baut einen Luftfilter in einen 1,6-Liter-Dieselmotor ein.

Mehrere Millionen Volkswagen in Deutschland entsprechen beim Abgas-Ausstoß nicht dem Gesetz. Jetzt könnte es Probleme beim TÜV für deutsche VW-Fahrer geben, die ihr Auto noch nicht umgerüstet haben.

2,5 Millionen Autos sind in Deutschland vom Abgasskandal bei Volkswagen betroffen. Die umstrittene Umrüstaktion ist noch lange nicht abgeschlossen. Einigen VW-Fahrern könnte in diesem Jahr weiterer Ärger mit ihrem Auto drohen: Äußerungen des TÜV Nord weisen darauf hin, dass es Probleme mit der TÜV-Plakette geben könnte. Was VW-Kunden jetzt wissen müssen.

Was hat der TÜV Nord genau gesagt?

Im Kern geht es um die Frage, ob ein betroffenes Auto, das jedoch noch nicht umgerüstet wurde, die Anforderungen der Hauptuntersuchung erfüllt. "Eine Plakette wird nicht erteilt, wenn ein Autofahrer nicht nachrüsten lässt", sagte TÜV-Nord-Sprecher Rainer Camen der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das könnte für die Kunden zum Problem werden, die zur Hauptuntersuchung (HU) müssen, bevor ihr Auto umgerüstet wurde. "Ab Mitte 2017 würde dies als erheblicher Mangel bei der HU gewertet, eine Plakette wird dann erst nach der Umrüstung erteilt", sagte Camen. Auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online bestätigte Camen, dass dies nicht nur den TÜV Nord, sondern alle Überwachungsorganisationen betreffe, die die entsprechenden Regelungen des Verordnungsgebers umsetzen müssen.

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Wie viele VW-Halter sind betroffen?

Eine genaue Zahl kann man nicht nennen. Insgesamt hat der Konzern nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der 2,5 Millionen Autos umgerüstet. Die Aktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Bis Mitte 2017 werden einige der noch nicht umgerüsteten Fahrzeuge bereits in der Werkstatt gewesen sein – davon wiederum müssen nicht alle in der zweiten Jahreshälfte zur Hauptuntersuchung. Es dürfte aber dennoch um mehrere 100.000 Fahrzeuge gehen, die potenziell von dem Problem betroffen sind.

VW und der Dieselrückruf - was Kunden jetzt erwartet

  • Ein Mammutrückruf

    Es ist ein Mammutrückruf: 2,6 Millionen Fahrzeuge allein in Deutschland und 8,5 Millionen in Europa sind von den geschönten Abgastests bei Volkswagen-Dieselautos betroffen und müssen in die Werkstätten. Ursprünglich hatte der Autobauer damit bis Ende 2016 durch sein wollen - doch noch ist viel zu tun. Nun haben die Wolfsburger nach eigenem Bekunden alle Genehmigungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) für die Umrüstung von Motoren im Dieselskandal zusammen.

    Quelle: dpa

  • Welche Autos können jetzt umgerüstet werden?

    Zumindest alle Autos, die in Deutschland zugelassen und von den Manipulationen betroffen sind. Vor allem sind das die Verkaufsschlager Golf und Passat. Ursprünglich wollte VW die Rückrufe schneller anschieben. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte der Konzern mitgeteilt, das Kraftfahrtbundesamt habe die Pläne des Konzerns „bestätigt“. Jetzt dauerte doch alles länger - zu viele Softwarevarianten für verschiedene Motoren mussten die Ingenieure anpassen.

  • Können alle Autos jetzt sofort in die Werkstätten?

    Nein, das wird noch ein wenig dauern. VW will die Autobesitzer in den kommenden Wochen anschreiben. Dann können sie Termine mit einer Vertragswerkstatt vereinbaren. Bislang sind gut 750.000 Motoren der VW-Konzernmarken in Deutschland umgerüstet - von insgesamt 2,6 Millionen betroffenen Wagen. Europaweit sollen die Rückrufe bis zum Herbst des kommenden Jahres abgeschlossen sein.

  • Bekommen die Wagen jetzt einfach eine neue Software aufgespielt?

    Ja, aber nicht nur. Zwar werden die meisten Motoren lediglich an einen Computer angeschlossen. Sie bekommen dann eine Software, die die Abläufe im Motor besser steuern und für eine effizientere Verbrennung des Diesels sorgen soll. Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut. Das kleine Gitterrohr aus Kunststoff soll verwirbelte Luft ordnen, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt. Über genauere Messungen könne die Motorsteuerung das laufende Aggregat dann besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken.

  • Stoßen die Autos dann weniger Schadstoffe auf der Straße aus?

    Das muss nicht unbedingt so sein. Die Umbaumaßnahmen von VW sind vor allem darauf ausgerichtet, dass die Autos den Test auf dem relevanten Prüfstand schaffen - und zwar ohne Betrugssoftware. Der ADAC hat zwar bei Messungen von einigen wenigen Fahrzeugen einen Rückgang von Emissionen schädlicher Stickoxide in realitätsnäheren Testzyklen gemessen. Einen Rückschluss auf alle umgerüsteten Fahrzeuge lässt das aber nicht zu.

  • Bringt die Umrüstung Nachteile für Kunden?

    VW beteuert, dass die Autos nach dem Rückruf nicht mehr verbrauchen, die Leistung nicht sinkt und sie auch nicht lauter sind. Nach VW-Angaben bestätigt das auch das KBA. Ob es aber de facto doch zu höheren Verbrauchswerten oder anderen Nachteilen kommt, bewerten derzeit mehrere Gerichte mithilfe von Gutachtern. Mehrere VW-Besitzer klagen, weil sie solche Nachteile befürchten, auf Schadenersatz oder Rückgabe ihrer Autos.

  • Bekommen Kunden in Deutschland eine Entschädigung?

    Nein. Während Kunden in den USA mindestens 5100 Dollar (4900 Euro) Entschädigung bekommen, gehen Kunden in Deutschland und Europa leer aus. Der Konzern begründet das unter anderem mit einer anderen Rechtslage. VW-Chef Matthias Müller hatte zudem bereits Mitte des Jahres gesagt, Entschädigungen in beliebiger Höhe würden Volkswagen überfordern.

Was sagen andere Prüforganisationen?

Neben dem TÜV Nord dürfen auch andere Organisationen wie etwa die TÜV-Ableger Süd und Rheinland, die GTÜ, KÜS, oder Dekra Hauptuntersuchungen durchführen und damit Prüfplaketten vergeben. Bei der Dekra ist laut der "NOZ" im aktuellen Fall nichts bekannt. Es habe keine Ansage vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) dazu gegeben, heißt es bei Prüfgesellschaft. Dementsprechend habe es keine Auswirkung auf die HU, ob ein Fahrzeug umgerüstet sei oder nicht.

Was sagt Volkswagen?

VW verweist auf eine 18-monatige Frist, innerhalb derer Fahrzeughalter ihr Auto in die Werkstatt bringen dürften. "Wir haben unsere Kunden nahezu vollständig informiert", sagt ein Konzernsprecher. "Wir haben die Kapazitäten, die Umrüstaktion bei den betroffenen Fahrzeugen fristgerecht durchzuführen." Etwaige Sanktionen, wenn der Halter sein Auto nicht in die Werkstatt bringe, seien nicht in der Hand von Volkswagen, sondern den Behörden.

Zwickau VW baut ab 2019 erstes Elektromodell nach Baukastenprinzip

Volkswagen will in seinem Zwickauer Werk ab 2019 ein Elektrofahrzeug nach dem sogenannten Modularen Elektrobaukasten fertigen. Damit wäre Zwickau der erste Standort der Marke für das neue Verfahren.

Ein Volkswagen-Logo Quelle: dpa

Was sagt das Verkehrsministerium?

Beim Bundesverkehrsministerium gab es auch auf wiederholte Anfrage der "NOZ" keine Antwort auf die Frage, ob die Plakette bedroht sei. Das Ministerium erklärte aber: "Fahrzeuge, die nicht umgerüstet werden, können außer Betrieb gesetzt werden."

Wie ist der Stand bei der Umrüst-Aktion?

Anfang 2016 hatte das KBA die Freigabe für die erste Baureihe des EA189-Motors erteilt – damit konnten die ersten Fahrzeuge in die Werkstatt. Je nach Motorenversion wurde hierbei ein Software-Update aufgespielt oder zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsrichter in den Ansaugtrakt eingebaut. Kurz vor Weihnachten erteilte das KBA die Freigabe für die letzte Version des Motors – damit dürfen alle Autos umgerüstet werden. Bis Ende des Jahres 2017 soll die Aktion abgeschlossen sein – laut dem ursprünglichen Zeitplan hätte dies aber schon Ende 2016 erledigt sein sollen.

Volkswagen-Abgasskandal VW-Kunden klagen über Probleme nach Abgas-Rückruf

Tausende VW-Fahrzeuge werden nach dem Dieselskandal mit einer neuen Software ausgestattet. Einige Kunden klagen nun über Probleme: Mal scheppert es, ruckelt oder braucht mehr Sprit.

VW-Dieselskandal: Einige Autos machen Probleme, seit die neue Software installiert wurde. Quelle: dpa Picture-Alliance
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