Neuer Opel-Vorstandschef: Zu wenig motivierte Händler

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Neuer Opel-Vorstandschef: Der schwierigste Job in der Autoindustrie

Zu wenig motivierte Händler


3.       Zu wenige Modelle: Corsa, Astra, Insignia, Ampera, Zafira, Meriva und Agila reichen auf Dauer nicht aus: Die Bedürfnisse der Autokäufer haben sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Nachfrage nach Familienvans geht parallel mit den Geburtenraten zurück, konventionelle Limousinen sind out – die Autokäufer wollen Abwechslung und automobilen Freizeitspaß, wollen Fahrzeuge, die für mehr als nur einen Einsatzzweck gut sind – und trotzdem preiswert sind. Der neue Mokka trifft diesen Nerv der Zeit. Auch der Adam kommt zur rechten Zeit: Edle Kleinwagen a la Mini, die sich mit Farben und Anbauteilen individualisieren lassen, sind bei jungen Stadtbewohnern hip. Dass der Adam demnächst auch als Cabrio erhältlich ist – umso besser. Bis 2016 will Opel 23 neue Modelle auf den Markt bringen und diese endlich auch mit sparsamen, umweltfreundlichen Antrieben versehen – eine schöne Hülle allein genügt nicht.

4.       Zu schwaches Image: Opel feierte im vergangenen Jahr seinen 150 Geburtstag. Das war Anlass für wehmütige Blicke zurück in eine glanzvolle Vergangenheit. Aber von der allein kann Opel nicht mehr zehren. Dass der Opel Kadett in den 60er Jahren als „Das Auto“ beworben wurde – man hat es schon wieder vergessen. Heute nutzt VW den Slogan für den Bestseller Golf und das Publikum schmunzelt. Bei Opel hingegen heißt es „Wir leben Autos“ – ohne dass die Marketingstrategen bislang vermitteln konnten, was für ein Leben das ist. Künftig soll die Marke „deutsch“ sein, „aufregend“, „zugänglich“ – ein neuer Slogan wird da sicher bald folgen.

5.       Zu wenige motivierte Händler: Die Produkte sind in den vergangen Jahren immer besser geworden, das Vertriebsnetz hingegen immer schlechter und löchriger. Viele alteingesessene Opel-Händler sind pleite gegangen, haben sich auf andere Marken verlegt oder verkaufen die Opel-Fahrzeuge heute zusammen mit Modellen von Peugeot und Nissan. Speziell in Deutschland liegt der Vertrieb darnieder. Und international läuft noch viel zu wenig. Die Trennung von Vertriebsvorstand Alfred Rieck nach nur sieben Monaten im Amt war da nur konsequent. Der ehemalige VW-Manager und Chef von Skoda Deutschland war den Herausforderungen der Marke Opel nicht gewachsen.

An seine Stelle ist Duncan Aldred getreten. Der erst 43-jährige Brite hat in den vergangenen zwei Jahren die Opel-Schwestermarke Vauxhall zu der am schnellsten wachsenden Automarke für Privatkunden auf der Insel gemacht und zur Nummer 1 bei den gewerblich genutzten Fahrzeugen. Aldred hat die Stelle bislang nur kommissarisch – mit der Option, den Job dauerhaft zu machen, wenn sich erste Erfolge einstellen. Dazu muss er zügig die Händler hinter sich bringen, die über die Idee der Opel-Strategen, den Ausstellungshallen ein neues Design zu verpassen und den Betrieben ein neues Margen- und Bonus-System, derzeit nur bitter lachen können.

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Es gibt also sicher leichtere Aufgaben in der Autoindustrie als der Turnaround von Opel. Karl-Thomas Neumann hätte auch Entwicklungschef von Skoda werden können. Dennoch entschied er sich für Opel - der Mann hat Mut. Und der Erwartungsdruck ist immens hoch: Die Konzernleitung in Detroit erwartet einen schnellen Rückkehr in die Gewinnzone, die Gewerkschafter in Deutschland sozialverträgliche Lösung für den bevorstehenden Arbeitsplatzabbau.

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Die Opel-Beschäftigten und der Verkauf hoffen auf einen schnellen Ausbau der Modellpalette und auf Vollbeschäftigung. Und die treuen Opel-Kunden wollen endlich wieder Vertrauen zu der Marke fassen können: Ein Jürgen Klopp als Markenbotschafter reicht da noch nicht.  

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