Neuer VW-Chef Matthias Müller: "Eigentlich bin ich kein Stratege"

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Neuer VW-Chef Matthias Müller: "Eigentlich bin ich kein Stratege"

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Matthias Müller leitet nun den VW-Konzern.

von Martin Seiwert

Der Mann mit dem wahrscheinlich schwierigsten Job in der deutschen Industrie heißt Matthias Müller. Der Porsche-Chef aus Stuttgart steigt zum Volkswagen-Chef in Wolfsburg auf, wie der VW-Aufsichtsrat am Freitag beschloss. Aber es geht für ihn nur auf der Landkarte nach oben. Tatsächlich ist sein Wechsel an den Mittellandkanal ein Abstieg in die Manager-Hölle.

Glücklich wirkt der neue Volkswagen-Chef nicht. Die Stimme von Matthias Müller ist angespannt und gedämpft, als er verspricht: "Wir können und werden diese Krise bewältigen".

Müller ist nun offiziell zum Vorstandschef von Volkswagen aufgestiegen und hat damit den vermutlich schwierigsten Job in der deutschen Industrie übernommen. Beäugt von der Weltöffentlichkeit, bedroht von Strafverfolgungsbehörden und auf Schadenersatz lauernden Anlegern und Autokäufern, belastet von Absatzproblemen des Konzerns rund um den Globus und bedrängt von den gebeutelten VW-Großaktionären und Mitarbeitern muss er in den kommenden Jahren versuchen, die VW-Karre aus dem Dreck zu ziehen.

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Das ist Matthias Müller

  • Seine Verbindung zu VW

    Matthias Müller ist schon seit längerem einer der wichtigsten Männer im Volkswagen-Konzern. Müller ist als besonnener, aber zugleich zupackender und durchaus machtbewusster Manager bekannt, der auch mal Kante zeigen kann.

  • So geht er mit Krisen um

    Der 62-Jährige ist krisenerprobt. Als er 2010 den Chefsessel beim Sportwagen-Hersteller Porsche übernahm, sorgte er für Ruhe am Stammsitz Zuffenhausen. Dort waren die Nachwehen der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW, an deren Ende Porsche selbst von den Wolfsburgern geschluckt wurde, noch nicht ganz vorbei.

  • Seine Rolle bei Porsche

    Die von Müller geführte Porsche AG ist eine überaus ertragreiche „Cash Cow“ für den größten Autokonzern Europas. Das dürfte ein dicker Pluspunkt für ihn sein. Bisher haftet Müller kein Skandal an, er hat letztlich eine weiße Weste - auch das dürfte positiv berücksichtigt worden sein auf der Suche nach einem Lenker im VW-Riesenreich.

Nicht Wenige in der deutschen Wirtschaft würden diesen Job beim 600.000-Mitarbeiter-Koloss VW – trotz zweistelligem Millionen-Salär – dankend ablehnen. Sein Chef-Dasein in der heilen Porsche-Welt in Schwaben wirkt dagegen wir ein Wellness-Urlaub. Dass Müller mit VW tatsächlich die Kurve kriegt, ist alles andere als sicher. Wenn nicht, kann er sich hinter seinem Vorgänger Martin Winterkorn in die lange Schlange der früher mal erfolgreichen, aber irgendwie dann doch abgestürzten Manager einreihen.

Zentrale Personalentscheidungen bei VW

  • VW-Konzernvorstand

    Im VW-Konzernvorstand verliert Vertriebschef Christian Klingler seinen Job - wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ über die Strategie. Das aber, so heißt es in der Mitteilung, habe nichts mit dem Abgas-Skandal zu tun, sondern sei bereits länger geplant gewesen. Müller übernimmt Klinglers Aufgaben zunächst mit.

  • Vorstand der Kernmarke VW

    Klinglers Posten im Vorstand der Kernmarke VW übernimmt der bisherige Chef der spanischen Tochter SEAT, Jürgen Stackmann. Stackmann begann seine Laufbahn 1989 bei Ford und kam 2010 zum VW-Konzern. Bei SEAT stand der Manager seit Mai 2013 an der Spitze.

  • SEAT

    Neuer Chef bei SEAT wird Luca de Meo, bisher Vertriebschef bei AUDI. Dort musste er sich zuletzt mit der Absatzschwäche in China herumschlagen. Seit 2012 war er in Ingolstadt im Amt. Seine Karriere in der Automobilindustrie hatte De Meo nach dem Studium 1992 bei Renault begonnen, später war er im Fiat-Konzern unter anderem Vorstandschef der Marke Alfa Romeo. Bei VW ist er seit 2009.

  • Produktionsressort im Konzernvorstand

    Das bisher ohnehin nur kommissarisch besetzte Produktionsressort im Konzernvorstand wird komplett gestrichen. Künftig sollen die einzelnen Marken und Regionen dieses Themenfeld deutlich eigenständiger beackern. Der Vorstand wird damit kleiner.

  • Das Nordamerika-Geschäft

    Das durch den Abgas-Skandal besonders gebeutelte Geschäft in Nordamerika verantwortet künftig der bisherige SKODA-Chef Winfried Vahland. Er führt die neu gegründete Marktregion Nordamerika. Nachfolger Vahlands bei Skoda soll der bisherige Vertriebschef von PORSCHE, Bernhard Maier, werden. Der infolge des Skandals in die Kritik geratene US-Chef von VOLKSWAGEN, Michael Horn, bleibt im Amt.

Wer ist der Mann, der sich und seiner Frau Ulrike, die bei Audi im Design arbeitet, das antut?

"Matthias Müller ist eine Persönlichkeit von großer strategischer, unternehmerischer und sozialer Kompetenz", sagte der geschäftsführende VW-Aufsichtsrats-Vorsitzende Berthold Huber am Freitagabend. Der so Gelobte hat das zumindest in Teilen früher selbst anders gesehen.

Der 62-Jährige ist gelernter Werkzeugmacher und Diplom-Informatiker und verbrachte seine gesamte berufliche Laufbahn im VW-Konzern – erst im EDV-Bereich bei Audi, dann als Produktmanager des Audi A3 und als Chefkoordinator der Marken Audi, Seat und Lamborghini. 2007 wurde er Generalbevollmächtigter unter dem damaligen Vorstandschef Winterkorn und steuerte die Produktstrategie des gesamten Konzerns. Seit 2010 ist er Porsche-Chef.

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Auf das Dieselgate folgt der Winterkorn-Rücktritt: Wie das System Volkswagen über Jahre funktionierte, welche Rolle die USA spielen und wie Deutschlands größter Autobauer sich neu erfinden muss.

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Müller liebt schnelle Entscheidungen. Kaum hatte der Aufsichtsrat der Porsche AG Anfang Juli 2012 bekanntgegeben, dass der damals 57-Jährige den Vorstandsvorsitz beim Sportwagenhersteller übernehmen würde, hatte Müller auch schon den Mietvertrag für sein neues Heim unterschrieben. Als Nachmieter des zu Schalke 04 gewechselten Fußballmanagers Horst Heldt zog er in eine Wohnung im Promi-Viertel an der Stuttgarter Heusteige. Von dort aus ist es nur eine halbe Stunde bis nach Zuffenhausen, zur Firmenzentrale an der Porschestraße.

Wenn die Straße frei ist, schafft Müller die Strecke zur Arbeit auch in der Hälfte der Zeit. Dabei helfen seine Dienstwagen. Zum Amtsantritt in Stuttgart gönnte er sich einen Porsche Turbo S, der unter Autoexperten als besonders brachiale Variante der Vollgas-Ikone Porsche 911 gilt. Der 530 PS starke Sechszylinder im Heck des Coupés lässt die Tachonadel aus dem Stand heraus in nur 3,3 Sekunden auf die Marke von 100 Stundenkilometern schnellen, die Höchstgeschwindigkeit ist erst bei Tempo 315 erreicht.

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