Neuer VW-Nordamerika-Chef: VW setzt Ex-BMW-Manager an die Spitze

Neuer VW-Nordamerika-Chef: VW setzt Ex-BMW-Manager an die Spitze

, aktualisiert 19. Januar 2016, 19:12 Uhr
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Autobauer Volkswagen macht den Ex-BMW-Manager Hinrich J. Woebcken zum 1. April 2016 zum VW-Nordamerika-Chef

Ein ehemaliger BMW-Manager soll VW nach dem Abgas-Skandal in den USA wieder in Fahrt bringen. Der Wirtschaftsingenieur, der bei BMW rund zehn Jahre für den Einkauf zuständig war, soll zum 1. April übernehmen.

Der ehemalige BMW-Manager Hinrich Woebcken soll den krisengeschüttelten Autobauer Volkswagen in den USA wieder zurück in die Erfolgsspur bringen. Der 55-Jährige übernimmt zum 1. April den Posten des Nordamerika-Chefs von Europas größtem Autobauer, teilte der VW-Konzern am Dienstag nach einer Sitzung des Aufsichtsratspräsidium in Wolfsburg mit. Im vergangenen Jahr hatte VW zunächst den bisherigen Skoda-Lenker Winfried Vahland für den Posten vorgesehen, dieser hatte jedoch kurze Zeit später ohne Angaben von Gründen einen Rückzieher gemacht.

„Herr Woebcken wird mit seiner internationalen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Marke in der Region leisten“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess laut Mitteilung. Die USA seien für die Marke Volkswagen ein wichtiger Kernmarkt. „Deshalb erfolgt die Steuerung der Region Nordamerika im Interesse unserer Kunden und Händler vor Ort.“

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So könnte VW die "Dieselgate"-Kosten schultern

  • Kann sich der Konzern das leisten?

    Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

    Quelle: dpa

  • Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

    Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Automobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

  • Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

    Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

  • Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

    Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

  • Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

    Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

  • An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

    In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Aus der zweiten Reihe an die Front

Bislang stand Woebcken eher im Hintergrund. Erfahrung in der Autobranche hat er reichlich. Bis 2014 war Woebcken zehn Jahre lang bei BMW und dort vor allem für Einkauf zuständig, saß allerdings nicht im Vorstand, sondern stand in der zweiten Management-Reihe. Sein Boss damals: Herbert Diess, einst BMW-Einkaufsvorstand und später Entwicklungschef - heute Chef der Marke Volkswagen. Er dürfte auch bei Woebckens Wechsel zu VW seine Finger im Spiel gehabt haben.

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Bereits Mitte vergangenen Jahres hatte Woebckens sich von seinem letzten Arbeitgeber verabschiedet, dem Zulieferer Knorr-Bremse. „In gegenseitigem Einvernehmen“ sei er dort als Nutzfahrzeug-Chef ausgeschieden, „um eine andere berufliche Tätigkeit zu übernehmen“, hieß es damals in einer Knorr-Mitteilung.

Ob er damals schon den Job bei VW im Blick hatte, ist allerdings äußert fraglich. Eigentlich der frühere Skoda-Chef Winfried Vahland für den Posten vorgesehen - so hatte es VW noch Ende September mitgeteilt. Im Oktober hieß es dann allerdings, Vahland verlasse den Konzern.

Nun hat VW Woebckens für neu geschaffenen Job als Nordamerika-Chef angeworben. Er wird gleichzeitig Verwaltungsratschef von Volkswagens US-Geschäft und damit de facto der Vorgesetzte von VW-US-Chef Michael Horn, der im Abgas-Skandal schon mehrfach den Kopf für VW in den USA hinhalten musste. Woebckens blieb dagegen bei seinen früheren Arbeitgebern weitgehend unbehelligt von der breiten Öffentlichkeit. Das dürfte sich in seinem neuen Job ändern.

Woebcken war rund zehn Jahre lang bei BMW unter anderem für den Einkauf zuständig, allerdings unterhalb der Vorstandsebene. Zuletzt war der Diplom-Wirtschaftsingenieur Nutzfahrzeug-Vorstand beim Zulieferer Knorr-Bremse, hatte das Unternehmen aber nach rund zwei Jahren Mitte 2015 wieder verlassen. Er scheide „in gegenseitigem Einvernehmen aus, um eine andere berufliche Tätigkeit zu übernehmen“, hatte Knorr damals mitgeteilt.

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1 Kommentar zu Neuer VW-Nordamerika-Chef: VW setzt Ex-BMW-Manager an die Spitze

  • Da hatte doch mal SEAT so ein Fang mit dem Europachef von Mazda gehabt.

    Der hatte so seine eigene Einkaufsmethoden, und alles als ORIGINAL zu
    verkaufen.

    Die GIER siegt bei VW immer.

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