Neuer VW-Personalchef Blessing: Ex-Metaller und Rennfahrer soll VW-Personal führen

Neuer VW-Personalchef Blessing: Ex-Metaller und Rennfahrer soll VW-Personal führen

Am Wochenende wurde er bereits als neuer VW-Personalvorstand kolportiert, jetzt hat Volkswagen die Personalie Karlheinz Blessing bestätigt. Mit dem Stahlmanager wechselt ein Mann mit Benzin im Blut nach Wolfsburg.

Er ist der doppelte Hartz-Nachfolger. Schon beim Stahlkocher Dillinger Hütte folgte Karlheinz Blessing auf Peter Hartz, nun wird er sein Nach-Nachfolger bei Volkswagen - als neuer Personalvorstand. Der VW-Aufsichtsrat hat ihn am Mittwoch ernannt. Es wird kein einfacher Job.

Lange war der mächtige VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh Favorit auf die Nachfolge des bisherigen VW-Personalchef Horst Neumann, der inzwischen im Ruhestand ist. Doch Osterloh wurde es nicht. Er wolle mitten im Abgas-Skandal seine Kollegen „nicht allein“ lassen, sagte er.

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Blessing sei aber der „Joker“ gewesen für den Fall, dass es Osterloh doch nicht macht, heißt es in Konzernkreisen. Die IG Metall hat für den Posten des Arbeitsdirektors traditionell das Vorschlagsrecht. „Seine Vita passt“, heißt es über Blessing. Der 58-Jährige sei gut in der IG Metall vernetzt, habe aber auch unternehmerische Erfahrung.

Beim VW-Personal geht es bald ans Eingemachte

Einen engen Draht hat Blessing innerhalb der IG Metall vor allem zum früheren Gewerkschaftschef Berthold Huber, wie es in Konzernkreisen heißt. Huber wird ihm viel erzählen können, wie es bei Volkswagen hinter den Kulissen zugeht - war er doch bei Ausbruch des Abgas-Skandals noch kommissarischer Chef des VW-Aufsichtsrats und gehörte damit zum innersten Machtzirkel.

Eine Schlüsselposition beim Autobauer übernimmt nun Blessing. Denn bei Volkswagen könnte es wegen der immensen Kosten für den Abgas-Skandal bald richtig ans Eingemachte gehen. Zwar hat die VW-Spitze auch unter Druck der Arbeitnehmervertreter der Stammbelegschaft eine Jobgarantie gegeben. Arbeitsplätze aber könnten dennoch unter Druck geraten - falls VW in eine Absatzkrise rutscht.

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Dann könnten Lösungen gefragt sein wie damals zu Zeiten von Peter Hartz. Als der heute 74-Jährige 1993 als VW-Personalvorstand nach Wolfsburg kam, steckte der Autobauer ebenfalls in einer schweren Krise. Mit der Einführung der Vier-Tage-Woche schaffte es Hartz, Massenentlassungen zu verhindern. 2005 musste Hartz gehen, wegen seiner Verwicklung in die VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten.

Bevor Hartz 1993 zu VW ging, war er Personalchef der Dillinger Hütte. Sein Nachfolger damals war - Karlheinz Blessing. Der hatte zuvor bereits eine wechselvolle Karriere hinter sich. 1957 im nordwürttembergischen Eislingen/Fils geboren, studierte Blessing nach dem Abitur Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1984 ging er zur IG Metall und begann in der Gewerkschaftszentrale in Frankfurt in der Organisationsabteilung, bevor er 1986 als Büroleiter die „rechte Hand“ von IG Metall-Chef Franz Steinkühler wurde. 1991 berief der damalige SPD-Chef Björn Engholm den Quereinsteiger überraschend zum Bundesgeschäftsführer der Partei. Blessing blieb aber nur zwei Jahre, bevor er zur Dillinger Hütte wechselte.

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Seit 2011 ist Blessing dort Vorstandschef, ein Jahr später wurde er zusätzlich Vorstandsvorsitzender der Saarstahl AG. Beide Unternehmen, die eng verbunden sind, reklamieren für sich eine arbeitnehmerfreundliche Politik. Blessing musste den Stahlkocher aber zuletzt wieder auf Kurs bringen. 2014 schaffte die Dillinger Hütte die Rückkehr in die schwarzen Zahlen - auch dank eines umfangreichen Sparprogramms. Bei den Stahlunternehmen hat sich Blessing in den beiden vergangenen Jahrzehnten eine Hausmacht aufgebaut, er agiert nach Einschätzung von Beobachtern unangefochten.

Der 58-jährige gilt als durchsetzungsstark und gut vernetzt. Und er hat das berühmte „Benzin im Blut“, von dem Automanager gerne sprechen. Denn Blessing ist lange Autorennen gefahren. Mit seinem Porsche 911 GT2 startete er beim Porsche Sports Cup. Das Kundenmagazin des Sportwagenbauers zitierte ihn vor einem Jahr mit den Worten: „Rennfahren ist ein komplexes System, in dem ich an die Grenze gehe und auf den Punkt hochkonzentriert sein muss. Genau diese Fähigkeit brauche ich auch als Manager.“

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