Neues Porsche-Verfahren: : Staatsanwaltschaft gegen Wiedeking

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Wendelin Wiedeking (l), Holger Härter (2009).

von Florian Zerfaß, Melanie Bergermann, Hauke Reimer und Martin Seiwert

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein neues Ermittlungsverfahren gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter eingeleitet.

Wie die WirtschaftsWoche berichtet, geht es dabei erneut um den Vorwurf der Marktmanipulation. Sie sollen am 26. Oktober 2008 mit einer unvollständigen Pressemitteilung zur geplanten Übernahme von Volkswagen die spektakulärste Kursexplosion der deutschen Börsengeschichte absichtlich ausgelöst haben. Die VW-Stammaktie stieg binnen drei Tagen von etwa 200 auf zeitweilig mehr als 1000 Euro. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte der WirtschaftsWoche, dass das neue Verfahren Anfang September eingeleitet wurde. Die Verteidiger von Wiedeking und Härter wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Verdacht äußern, das Unternehmen Porsche SE weist den Vorwurf zurück.

Die Staatsanwaltschaft prüft nach Informationen der WirtschaftsWoche, ob die Porsche-Bosse in ihrer Pressemitteilung die komplexe Optionsstrategie des Autobauers vorsätzlich unwahr oder zur Irreführung geeignet dargestellt haben. Porsche hatte Kaufoptionen (Calls) erworben, mit denen sich die Partnerbanken verpflichteten, Porsche bei einem Kursanstieg der VW-Stammaktien die Differenz zum vereinbarten Basispreis zu erstatten. Daneben hatte Porsche auch Verkaufsoptionen (Puts) selbst begeben und sich damit gegenüber den Banken verpflichtet, ihnen die Differenz zu erstatten, wenn der Kurs der VW-Stammaktien fällt. Das bedeutete im Falle eines sinkenden Kurses erhebliche Risiken für Porsche.

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In der Pressemitteilung vom 26. Oktober 2008 teilte die Porsche SE mit, sie habe sich „entschlossen, ihre Aktien und Kurssicherungspositionen im Zusammenhang mit der Übernahme der Volkswagen AG, Wolfsburg, offen zu legen.“ Erwähnt werden allerdings nur die Call-Optionen, die Put-Positionen verschwieg Porsche. Der Autobauer führte in der damaligen Presseerklärung weiter aus, man halte 42,6 Prozent der VW-Stammaktien und zusätzlich Optionen auf 31,5 Prozent der Aktien, „was in der Summe einen Betrag von 74,1 Prozent ergibt.“ Da das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent der Aktien hielt, waren nur noch wenige Stammaktien frei am Markt verfügbar. Ein Problem für diverse Hedgefonds, die auf einen fallenden Kurs gewettet hatten.

Sie hatten sich VW-Stammaktien geliehen und direkt weiter verkauft – in der Hoffnung, später zu einem günstigeren Kurs Aktien kaufen und an die Verleiher zurückgeben zu können. Nach der Porsche-Mitteilung kauften sie panisch die wenigen verfügbaren VW-Papiere auf, um ihre Wetten schließen zu können, und trieben so den Kurs in die Höhe. Wäre dagegen die Information über die riskanten Puts ebenfalls in der Pressemitteilung veröffentlicht worden, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, hätten die Hedgefonds womöglich keine VW-Aktien aufgekauft. Porsche teilt hierzu nun auf Anfrage mit, man sei nicht verpflichtet gewesen, die Put-Positionen bekannt zu geben. Zudem seien genügend Aktien auf dem Markt verfügbar gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Wiedeking und Härter bereits angeklagt, weil sie nach Ansicht der Ermittler die Übernahmepläne monatelang dementierten, obwohl die Entscheidung zur Übernahme einer Dreiviertelmehrheit an VW zum Zeitpunkt der Dementis schon getroffen gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft betrachtet die Dementis als unwahr und sieht auch in ihnen eine Marktmanipulation. Nachdem das Landgericht Stuttgart die Anklage im April dieses Jahres zunächst nicht zugelassen hatte, eröffnete das Oberlandesgericht Stuttgart im August den Prozess. Der Auftakt ist noch nicht terminiert, nach Informationen der WirtschaftsWoche aus Justizkreisen wird der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart vermutlich im Frühjahr 2015 beginnen.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin gegen alle damaligen Porsche-Aufsichtsratsmitglieder – unter ihnen VW-Patriarch Ferdinand Piech und sein Cousin, der Porsche-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche – wegen möglicher Beihilfe zur Marktmanipulation. Der Vorwurf: Auch die Aufsichtsräte sollen frühzeitig von den Übernahmeplänen gewusst, sie allerdings verschwiegen haben. Nach Informationen der WirtschaftsWoche läuft Ende Oktober die Frist für die Stellungnahme ihrer Verteidiger ab, die Staatsanwaltschaft Stuttgart will dann voraussichtlich bis Jahresende über eine Anklage entscheiden. Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche äußerten sich auf Anfrage der WirtschaftsWoche nicht.

Sollten die neuen Ermittlungen gegen Wiedeking und Härter den Verdacht der Staatsanwaltschaft bezüglich der Pressemitteilung erhärten, droht den beiden Ex-Vorständen eine Nachtragsanklage. Gegen die Aufsichtsräte will die Staatsanwaltschaft in dieser Sache nicht ermitteln, da etwaige Vorwürfe gegen diese ohnehin bereits verjährt seien.

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