+++Neuigkeiten zum VW-Abgas-Skandal+++: VW zahlt in Spanien Subventionen zurück

+++Neuigkeiten zum VW-Abgas-Skandal+++: VW zahlt in Spanien Subventionen zurück

, aktualisiert 29. September 2015, 18:34 Uhr

Der VW-Konzern steht im Abgasskandal vor einem Milliardenschaden. Jetzt ruft VW fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. In Spanien zahlt der Autobauer Subventionen zurück. Die Nachrichten im Überblick.

+++ Konzern- und Markenchef hatten laut eigenen Angaben keine Kenntnis von der Software+++

Der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatten nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware bei Abgastests. Beide hätten auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, teilten die Manager über die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann mit. Sie könnten dies eidesstattlich versichern. Entsprechenden Berichten, die diesen Eindruck vermitteln könnten, würden Pischetsrieder und Bernhard „aufs Schärfste“ widersprechen.

+++ Brauchschweig schränkt städtisches Budget ein+++

Nach Wolfsburg fährt auch das benachbarte Braunschweig seine Ausgaben in diesem Jahr runter. Seit Dienstag gelte eine eingeschränkte Haushaltssperre, teilte die Stadt mit. Demnach dürfen im laufenden Jahr zehn Prozent der 200 Millionen Euro schweren Aufwandsbudgets, die die laufenden Kosten der Fachbereiche und Referate umfassen, nicht ausgegeben werden. Die Stadt bangt um Gewerbesteuer-Einnahmen. Im Braunschweiger VW-Werk arbeiten nach Firmenangaben über 8700 Menschen.

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„Wir sollten im Moment sehr vorsichtig und sparsam mit den verfügbaren Mitteln umgehen und uns auf das Nötigste beschränken“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth. Von der Sperre ausgenommen seien unter anderem laufende Investitionen oder Instandhaltungsmaßnahmen. Braunschweig überprüft zudem den Haushaltsentwurf für 2016 und hat die Beratungen ausgesetzt.

+++ Autobauer zahlt Spaniern Subventionen zurück+++

Volkswagen zahlt in Spanien Subventionen zurück. Dazu habe sich der Konzern bereiterklärt, teilte das spanische Industrieministerium mit. Spanien hatte Verbraucher beim Kauf eines schadstoffarmen Autos mit 1000 Euro je Fahrzeug unterstützt. Für Autos, die mit den manipulierten Motoren ausgestattet waren, forderte Spanien die Rückzahlung der Subventionen durch VW. Das Geld müsse durch den Konzern und nicht durch die Verbraucher erstattet werden. Das Industrieministerium ließ offen, wie viel Geld von VW nun in die Staatskasse fließt.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

+++ VW ruft fünf Millionen Fahrzeuge zurück+++

Volkswagen will rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke VW in die Werkstätten rufen. Diese Fahrzeuge bestimmter Baujahre und Modelle seien mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet, der nach früheren Angaben über eine Manipulationssoftware verfügt. Betroffen seien beispielsweise der VW Golf sechster Generation, der Passat in siebter Generation und das erste Modell des kompakten Geländewagens Tiguan, teilte der Wolfsburger Autobauer mit. Betroffene VW-Kunden werden per Post informiert, wenn ihre Fahrzeuge nachgebessert werden müssen.

+++Abgas-Skandal betrifft nicht VW-Tochter Porsche+++

Die VW-Tochter Porsche ist von dem Abgasmanipulationen im VW-Konzern nicht betroffen. Porsche biete Macan, Panamera und Cayenne zwar auch mit Dieselmotoren an, doch der manipulierte Vierzylinder-Motor sei nicht in die Modelle eingbaut worden, sagte ein Porsche-Sprecher.

+++ Porsche bekommt Mittwoch einen neuen Chef+++

Der Sportwagen-Hersteller Porsche bekommt an diesem Mittwoch aller Voraussicht nach einen neuen Chef. Die Berufung vom bisherigen Produktionsvorstand Oliver Blume zum neuen Vorstandsvorsitzenden stehe am Mittwoch auf der Agenda der Aufsichtsratssitzung in Stuttgart, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen. Am Mittwochnachmittag soll die unstrittige Personalie offiziell verkündet werden, Gegenkandidaten gibt es nicht. Blumes Vorgänger Matthias Müller war als Folge des Dieselskandals an die VW-Spitze gerückt. Der 47-jährige Blume ist seit gut zwei Jahrzehnten beim Volkswagen-Konzern, 2013 kam er zur VW-Tochter Porsche.

+++ Abgasmanipulation betrifft auch 700.000 Seat-Fahrzeuge+++

Unter den von Abgasmanipulationen betroffenen elf Millionen Autos des VW -Konzerns sind rund 700.000 Fahrzeuge der Marke Seat. Das sagte ein Sprecher der spanischen VW-Tochter.


+++Umweltverbände fordern unabhängige Untersuchung+++

Umweltverbände fordern eine Untersuchung des VW-Abgas-Skandals durch eine unabhängige Kontrollbehörde. „Wir haben in den vergangenen acht Jahren erlebt, wie das ehemals stolze Kraftfahrt-Bundesamt zum devoten Dienstleister der Autobauer verkam“, erklärte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Verkehrsministerium und dem nachgeordneten Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wirft er vor, Hinweise und Warnungen der Umwelthilfe zu einem deutlich überhöhten Schadstoff-Ausstoß deutscher Diesel-Autos jahrelang ignoriert zu haben. Resch verlangte eine „Teilauflösung“ der Behörde und die Schaffung einer unabhängigen Institution nach dem Vorbild der US-Kontrollbehörde EPA.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält Ministerium und KBA für „keine geeigneten Institutionen zur lückenlosen Aufklärung des Abgasskandals“. „Sie sind Teil einer Kultur des Vertuschens und Verschweigens, die zu diesem Skandal geführt hat“, erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Er schlägt vor, dass etwa das Umweltbundesamt „die Überprüfung sämtlicher Vorgänge“ übernimmt.

+++ EU-Kommission erwartet Antworten von VW+++

Die EU-Kommission fordert von Volkswagen eine umfassende Erklärung für den Abgasskandal. "Wir erwarten, dass VW die Situation erklärt. Die EU-Kommission will Fakten und zum Grund der Sache vorstoßen", sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Für den Abend war ein Treffen von EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska mit VW-Markenchef Herbert Diess in Brüssel angesetzt. "Unsere Botschaft wird klar sein: Wir erwarten, dass VW umfänglich mit den Behörden zusammenarbeitet und sich an die EU-Regeln hält", sagte der Sprecher. Die EU-Kommission wolle sich ein umfassendes Bild machen, bevor sie über weitere Maßnahmen wie schärfere Vorgaben entscheide.

+++VW fliegt aus Nachhaltigkeitsindex +++

Die Manipulation von Diesel-Abgastests in den USA kostet Volkswagen die Mitgliedschaft in mehreren Auswahlindizes für ökologisch, sozial-gesellschaftlich und in der Unternehmensführung vorbildliche Firmen. Der Wolfsburger Autobauer müsse wegen "Dieselgate" sämtliche Dow Jones Sustainability Indizes verlassen, teilte der Index-Anbieter S&P Dow Jones Indices mit.

In seinen Nachhaltigkeitsindizes versammelt S&P Dow Jones diejenigen der weltweit 2500 größten Börsenwerte, die sich an bestimmte ethische und umweltpolitische Richtlinien halten.

Organisation Transport & Environment Manipulationsverdacht bei anderen Herstellern erhärtet sich

Neue Zahlen der Brüsseler Umweltschutzorganisation T&E deuten darauf hin, dass nicht nur Volkswagen zu unerlaubten Mitteln gegriffen hat, um Emissionen zu senken. Modelle von Mercedes und BMW stehen in der Kritik.

huGO-BildID: 49414281 Eine Sonde eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0 TDI (Baujahr 2012), fotografiert am 21.09.2015 in einer Werkstatt in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Im Skandal um manipulierte Abgastests muss VW die Notbremse ziehen. Vorerst wird der Verkauf von Diesel-Autos mit Vierzylinder-Motoren in den USA gestoppt. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte heute entsprechende Medienberichte. Betroffen seien Modelle von VW und Audi. Die Wolfsburger hatten gestern eingeräumt, dass Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert worden waren. Foto: Patrick Pleul/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

+++VW-Chef Müller will Marken mehr Autonomie geben +++

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller will den einzelnen Teilen des vom Abgasskandal erschütterten Wolfsburger Konzerns mehr Verantwortung geben. Die Hauptmarke VW solle künftig genauso unabhängig vom Konzern agieren wie Audi und Porsche, sagte Müller seinem Redemanuskript zufolge am Montagabend bei einer internen Veranstaltung vor rund 1000 VW-Managern in Wolfsburg. "Für mich ist die neue Konzernstruktur der erste Schritt und die Basis für eine Modernisierung von Volkswagen." Das gelte besonders für das Stammwerk in Wolfsburg, fügte der frühere Porsche-Chef hinzu. Wolfsburg ist mit rund 50.000 Beschäftigten in Produktion und Verwaltung der größte Standort des weltumspannenden Konzerns.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet, dass Müller eine Dachgesellschaft einrichten wird, unter der die einzelnen Marken aufgehängt werden. Dadurch könne der Konzern flexibler agieren. "Bei Volkswagen ist zuviel Macht in Wolfsburg konzentriert", sagte der Professor für Automobilwirtschaft. "Das funktioniert nicht, weil die Strukturen zementiert sind." Veränderungen würden zudem durch die starke Stellung des Betriebsrats und des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat behindert. Dadurch sei Volkswagen weniger flexibel als die Konkurrenz.

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