Neuwagenkauf im Netz: Vom schleichenden Tod der Autohäuser

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Neuwagenkauf im Netz: Vom schleichenden Tod der Autohäuser

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Audi-City am Ku'damm in Berlin - auf mannshohen Bildschirmen können Kunden hier ihr Wunschfahrzeug konfigurieren. Das neue digitale Autohaus soll die Brücke schlagen zwischen traditionellem Autohandel und jungen internetaffinen Zielgruppen.

von Rebecca Eisert

Autohändler geraten zunehmend unter Druck. Online-Portale locken mit hohen Rabatten auf Neuwagen, die Hersteller selbst experimentieren mit Direktvertrieb und digitalen Super-Auto-Häusern im Stadtzentrum. Wer überlebt?

Gerade hat Audi am Ku'damm in Berlin seinen ersten „virtuellen Schauraum“ in Deutschland eröffnet. Audi City ist so etwas wie ein digitales Super-Auto-Haus, wo Kunden ein Fahrzeug nach ihren Wünschen konfigurieren können. An raumhohen Bildschirmen, so genannten Powerwalls, sieht der Besucher „seinen Audi“  im Maßstab 1:1. Kann ihn über „Multitouch-Tabels“ umgestalten, betrachten und bewegen. Es gibt eine Auswahl an Stoffen, Leder- und Lackproben zum Anfassen und jede Menge 3D-Animationen – Auspuffsound inklusive. Zwei Stockwerke mit insgesamt 87 Quadratmetern digitaler Projektionsfläche.

Alles Schnickschnack? Nicht ganz. Die Hersteller und ihre Händler stehen unter Druck. Vor fünf Jahren noch kam ein Kunde im Schnitt acht Mal in ein Autohaus, bevor er den Vertrag unterzeichnete, heute nicht mal mehr zwei Mal. Die ausgiebigen Verkaufs- und Beratungsgespräche haben sich im Internetzeitalter erübrigt. Wer ein neues Autos sucht, informiert sich im Netz, konfiguriert, vergleicht Preise und geht gerüstet mit Ausdrucken und einer sehr konkreten Vorstellung davon, was er zu zahlen bereit ist, zum Händler.

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Onlinehandel Warum Autohändler ins Netz müssen

Die Deutschen haben sich 2013 beim Autokauf zurückgehalten. Das könnte daran liegen, dass es nahezu unmöglich ist, Neuwagen online zu kaufen - obwohl Kunden sich das wünschen. Händler sollten den Trend nicht verschlafen.

Verpassen Autohersteller und -händler den Online-Autohandel? Quelle: dpa/dpaweb

Audi City ist ein Versuch, die Kunden zurück aus dem Netz zu den Händlern zu locken. Die Premiummarke will deshalb da hin, wo viele Menschen sind: in die hochfrequentierten Innenstadtlagen, in die Nähe der Shoppingmeilen. Die Händler am Stadtrand könnten in einigen Jahren nur noch als Lager dienen, wo möglichst viele unterschiedlich konfigurierte Autos bereitstehen, damit der Kunde – kaum hat er sein Wunschautos im virtuellen Schauraum zusammengestellt – eine Probefahrt damit machen kann. Dass sich das Geschäftsmodell der Händler ändern wird, davon gehen namhafte Unternehmensberatungen wie Arthur D. Little oder PricewaterHouse-Coopers aus. Dazu müssen sich auch die Hersteller bewegen. Statt den Händlern wie bisher Provisionen für den Verkauf eines Fahrzeugs zu zahlen, könnten sie sie zum Beispiel bereits für Probefahrten entlohnen – unabhängig davon, ob diese über das Internet, über Cybershops in der Innenstadt oder beim Händler im Gewerbegebiet gebucht werden.

Ulrich Köster, Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes ZDK: „Die Hersteller sind gemeinsam mit den Händlern aufgefordert, die Online- und Offlinewelt sinnvoll zu verzahnen.“ Audi hat bereits angekündigt, dass einige der Technologien aus dem digitalen Super-Autohaus am Ku'damm im Laufe des Jahres an 16 weiteren Handelsstandorten Einzug halten sollen.“

Für Willi Diez, Direktor und Initiator des Instituts für Automobilwirtschaft Ifa im schwäbischen Geislingen, sind Konzepte wie Audi City nur eine Zwischenlösung, die zwar funktionieren kann, das eigentliche Problem der Händler aber nicht löst. „In Deutschland herrscht eine permanente Überproduktion an Fahrzeugen.“

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