Nokia-Kartendienst: Deutsche Autobauer schnappen sich Nokia Here

Nokia-Kartendienst: Deutsche Autobauer schnappen sich Nokia Here

, aktualisiert 03. August 2015, 08:49 Uhr

BMW, Daimler und Audi haben sich den für Navigation wichtigen Kartendienst Nokia Here gesichert - jeweils zu gleichen Teilen. Kostenpunkt: fast drei Milliarden Euro.

Die deutschen Autobauer Daimler, Audi und BMW kaufen für 2,8 Milliarden Euro den Kartendienst Here von Nokia. Die drei Partner übernähmen Here jeweils zu gleichen Teilen, keiner von ihnen strebe eine Mehrheit an, teilten die Autokonzerne und der finnische Telekom-Ausrüster am Montag mit.

In der Autobranche ist die Digitalisierung ein großes Zukunftsthema. Autonom fahrende Fahrzeuge brauchen sehr präzise Straßenkarten, um den Verkehr zu meistern. Here werde eine „Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität“ spielen, erklärte BMW-Chef Harald Krüger. Daimler-Chef Dieter Zetsche bezeichnete hochpräzise digitale Karten als einen entscheidenden Baustein für die Mobilität der Zukunft.

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Here wurde stark auf Bedürfnisse der Autobranche ausgerichtet und soll vor allem mit detailreichen Karten für selbstfahrende Fahrzeuge punkten. Nokia tritt seinen Kartendienst ab, um sich auf das Kerngeschäft als Ausrüster von Telekom-Netzwerken zu konzentrieren und den Konkurrenten Alcatel-Lucent zu kaufen. Vorbehaltlich der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden soll der Deal zum ersten Quartal 2016 über die Bühne gebracht werden.

Nokia-Kartendienst Here Daimler leitet deutsches Bieterkonsortium

Die drei deutschen Autohersteller VW, BWM und Daimler bereiten ein Gebot für den digitalen Straßenkartendienst von Nokia vor.

Logo Nokia Here Quelle: Presse

Die Autohersteller befürchten einen zu großen Einfluss von Apple und Google bei der Vernetzung ihrer Fahrzeuge. Beide bieten Plattformen zur besseren Integration von Smartphones im Auto an, die das Display der Unterhaltungsanlage weitgehend übernehmen. Teil von Apples Carplay und der Plattform Android Auto für Telefone mit dem Google-Betriebssystem sind auch die jeweiligen Kartendienste der beiden amerikanischen Technologieriesen.

Als Nokia Here zur Auktion stellte, war das eine seltene Gelegenheit, einen gut ausgebauten weltweiten Kartendienst zu erwerben. Laut Medienberichten hatte sich Nokia einen höheren Preis erhofft. Zunächst soll es auch viele Interessenten gegeben haben, von chinesischen Online-Konzernen bis hin zum umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber, der selbst an selbstfahrenden Fahrzeugen forscht. Am Ende blieben jedoch nur die deutschen Autobauer im Rennen.

Nokia rechnet damit, bei dem Verkauf einen Buchgewinn von einer Milliarde Euro zu erzielen. Der Betrag von 2,8 Milliarden Euro soll noch um einige Verbindlichkeiten von Here reduziert werden, so dass dem finnischen Konzern am Ende gut 2,5 Milliarden Euro zufließen sollen. Über die Jahre hatte Nokia aber einige Milliarden mehr in den Ausbau des Dienstes investiert.

Nokia Here Autobauer vor Übernahme von Kartendienst

Selbstfahrende Autos brauchen hochpräzise Straßenkarten. Daimler, Audi und BMW dürften bald zudem Besitzer des Kartendienstes Nokia Here sein.

Autobauer vor Übernahme von Kartendienst Quelle: dpa

Here sitzt hauptsächlich in Berlin und hatte Ende Juni rund 6450 Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz als Nokia-Sparte um ein Viertel auf 551 Millionen Dollar (gut 500 Millionen Euro) und es gab einen operativen Gewinn von 28 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr hatte Nokia den Here-Wert um 1,2 Milliarden Euro berichtigt, was beim gesamten Konzern auf die Bilanz drückte.

Nokia Here ging aus dem US-Navigationsanbieter Navteq hervor, den die Finnen 2008 für rund acht Milliarden Dollar übernahmen. Die Nokia-Tochter beschäftigt etwa 6000 Mitarbeiter. Analysten erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar. Zu Heres Kunden gehören neben den deutschen Autokonzernen auch Toyota, General Motors oder Fiat Chrysler. Aber auch die Internetfirmen Amazon, die Suchmaschinenbetreiber Yahoo und Baidu sowie die Paketdienste Fedex und UPS nutzen die Kartendaten, die mit großem Aufwand durch häufige Kontrollfahrten auf den Straßen aktualisiert werden.

Da die drei Autokonzerne nun einen wichtigen Zulieferer der gesamten Branche kontrollieren, ist fraglich, ob die anderen Fahrzeugbauer Nokia Here als Kunden treu bleiben. Hauptkonkurrent ist TomTom aus den Niederlanden, der jüngst eine Kooperation mit Bosch besiegelt hat. Die Navigationsdienste sind zudem ein wichtiger Faktor im harten Wettbewerb unter den Autoschmieden. "Es besteht das Risiko, dass sich die drei nicht vertragen", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

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Autobauer und Netzkonzerne kommen sich zunehmend in die Quere, denn die Autoindustrie baut immer mehr Kommunikationstechnik ein, um Kunden zu gewinnen oder ihnen Zusatzdienste anzubieten. Google hat ein selbstfahrendes kleines Auto gebaut. Auch Apple soll an einem solchen Plan arbeiten und entwickelt dafür eigene, hochauflösende Straßenkarten. Nach ihrem Geschäftsmodell könnte der Passagier im Auto digitale Dienste in Anspruch nehmen, wenn er nicht mehr selbst steuern muss.

Nokia wird nach dem Verkauf nur noch aus dem Netzwerk-Geschäft und der „Technologies“-Sparte bestehen, die auch an einer Rückkehr ins Verbrauchergeschäft arbeitet. Der Konzern hatte seine einst weltgrößte Handy-Sparte im vergangenen Jahr an Microsoft verkauft und muss noch bis 2016 warten, bis er seinen Markennamen wieder auf Smartphones nutzen kann.

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