NS-Vergangenheit: Audi zieht Konsequenzen

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exklusivNS-Vergangenheit: Audi zieht Konsequenzen

von Harald Schumacher

Audi zieht Konsequenzen aus der NS-Vergangenheit seines Vorgänger-Unternehmens Auto Union und distanziert sich vom wichtigsten Manager der eigenen Historie. Mitte Juli wird nach Informationen der WirtschaftsWoche deshalb eine der Audi-Pensionskassen umbenannt.

Wie das Magazin berichtet hat Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch beantragt, den Namen des langjährigen Auto-Union-Vorstandschefs und bisher hoch verehrten Audi-Nachkriegsgründers Richard Bruhn aus der Bezeichnung „Dr.-Richard-Bruhn-Hilfe-Altersversorgung der Auto Union“ zu streichen. „Das Unternehmen unterstützt den Antrag des Betriebsrats“, sagte ein Audi-Sprecher.

Der Konzern reagiert damit auf die aktuelle Veröffentlichung einer historischen Studie über die Unternehmensgeschichte und auf die von WirtschaftsWoche enthüllten NS-Verstrickungen des Vorgänger-Unternehmens und seiner Manager. Bruhn hat Auto Union in Chemnitz von 1932 bis 1945 und nach der Neugründung in Ingolstadt von 1949 bis 1956 geführt. Er war unter anderem verantwortlich für den massiven Einsatz von KZ-Häftlingen, bei dem rund 4500 Menschen starben.

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Verschwinden wird in Ingolstadt deshalb voraussichtlich auch der Straßenname Bruhnstraße. Joachim Genosko, CSU-Fraktionschef im Stadtrat sagt gegenüber der WirtschaftsWoche: „Ich gehe davon aus, dass die Bruhn-Straße umbenannt wird.“ Jörg Schlagbauer, stellvertretender SPD-Fraktionschef, meint, „dass wir um eine Umbenennung gar nicht herum kommen werden“. Am 24. Juli wird der Stadtrat über die Umbenennung entscheiden.

 

Zwangsarbeit beim Audi-Vorgänger Auto Union

  • Bericht der WirtschaftsWoche 2010

    2010 berichtete die WirtschaftsWoche über das wahre Ausmaß der Zwangsarbeit beim Audi-Vorgänger Auto Union. Daraufhin beauftragte der Konzern Audi-Historiker Martin Kukowski und den Chemnitzer Geschichtsprofessor Rudolf Boch mit einer Studie. Sie belastet Auto Union und den damaligen Chef schwer.

  • "Die Auto Union"

    "Die Auto Union ließ sich aus kriegswirtschaftlichen Interessen heraus in einem skandalösen Maße in den KZ-Komplex einbinden"

  • "Die moralische Verantwortung"

    "Die moralische Verantwortung (des Auto-Union-Vorstandes) für die Zustände in Leitmeritz, wo 18.000 KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, von denen 4500 den Tod fanden, steht außer Frage"

  • "Bis in die letzten Kriegswochen"

    "Bis in die letzten Kriegswochen betrieben die Auto-Union-Vorstände (…) den Einsatz tausender Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge mit List und sichtlichem Eifer"

  • "Der Vorstand"

    "Der Vorstand ließ NS-Fanatikern und ihren Mitläufern allerhand Freiraum, ihren Rassenhass auszuleben"

  • "Nur das nahe Kriegsende"

    "Nur das nahe Kriegsende verhinderte einen noch umfänglicheren KZ-Häftlings-Einsatz. Entsprechende Planungen lagen bereits vor"

  • Die Studie

    Martin Kukowski, Rudolf Boch: "Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg", Franz Steiner Verlag 2014, 75 Euro.

Bei Audi soll ein jetzt gegründetes Projektteam zusammen mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg weitere Maßnahmen erarbeiten. Unter anderem will das Unternehmen Kontakt mit Überlebenden der Auto-Union-Zwangsarbeit aufnehmen. Vier Überlebende sind dem Unternehmen inzwischen bekannt.

Die Nazi-Belastung des historischen Namens hat offenbar auch frühere Überlegungen der Wolfsburger Audi-Mutter beendet, die Dachmarke Volkswagen durch Auto Union zu ersetzen. 2009 hatten Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn damit geliebäugelt. „Es gibt einige Überlegungen wie etwa Auto-Union, aber noch keine Entscheidung“, sagte Winterkorn damals. Es werde keine Umbenennung geben, sagte nun ein Konzernsprecher, „Volkswagen bleibt Volkswagen“.

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