NS-Vergangenheit: Ingolstadt und Audi gehen auf Distanz zum Audi-Gründer

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Audi zieht Konsequenzen aus seiner NS-Vergangenheit und distanziert sich von Gründervater Richard Bruhn.

von Harald Schumacher

Die Stadt Ingolstadt will die Bruhn-Straße umbenennen, die nach dem NS-belasteten Audi-Gründer Richard Bruhn benannt ist. Das empfiehlt der Ältestenrat des Stadtrats dem Kulturausschuss "einhellig", sagte ein Sprecher der Stadt der WirtschaftsWoche.

Die Umbenennung gilt als sicher und soll in der Sitzung des Kulturausschusses am 6. Mai erfolgen. Grund sind die Verstrickungen des Audi-Gründers in das NS-Regime. Bruhn, der den Audi-Vorgänger Auto Union in Chemnitz von 1932 bis 1945 führte, nutzte KZ-Häftlinge in einem Maß wie nur wenige andere Unternehmen. Nach einer von Audi in Auftrag gegebenen, 2014 erschienenen Studie waren 3700 KZ-Häftlinge und rund 16.500 weitere Zwangsarbeiter Auto Union direkt unterstellt. Für weitere 18.000 KZ-Häftlinge sehen die Historiker Auto Union aber moralisch in der Verantwortung. 4500 der KZ-Zwangsarbeiter starben bis Kriegsende. 1949 gründete der frühere Wehrwirtschaftsführer Bruhn Auto Union in Ingolstadt neu und führte das Unternehmen, aus dem später Audi wurde, bis 1956. Bis 1958 war der Bundesverdienstkreuzträger Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Erbe der Auto Union Audi stellt sich seiner NS-Vergangenheit

Audi-Gründervater Richard Bruhn setzte tausende KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ein. Nach Enthüllungen der WirtschaftsWoche arbeitet der Konzern seine NS-Vergangenheit endlich auf.

Quelle: Unternehmensarchiv Audi AG

Auch Audi distanziert sich von seinem Gründer. Auf Antrag des Betriebsrats hat Audi den Namen Bruhn bereits aus der Bezeichnung einer Pensionskasse getilgt. Ein Sprecher des Unternehmens kündigt gegenüber der WirtschaftsWoche an, Audi werde in Texten auf der Homepage Bruhns "Verantwortung für die Zwangsarbeit bei der Auto Union" deutlich machen und wolle mit Überlebenden ins Gespräch kommen. Der Historiker Wolfgang Benz, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Flossenbürg, fordert in einem Brief an Audi-Chef Rupert Stadler allerdings, auch die Folgekosten der Aufklärungsarbeit zu übernehmen: Audi solle für das Projekt über drei Jahre zwei Personalstellen in der Gedenkstätte Flossenbürg finanzieren.

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Gescheitert ist mit der städtischen Entscheidung der Versuch des früheren Volkswagenchefs Carl Hahn, der VW von 1982 bis 1993 führte, die Umbenennung der Bruhn-Straße zu verhindern. Im November 2014 nahm der 88-Jährige an einer Sitzung des Ältestenrates teil und plädierte, berichtet ein Stadtrat, "unter Tränen für die Beibehaltung des Straßennamens".

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