Nvidia: Dieser Chip soll selbstfahrende Autos möglich machen

Nvidia: Dieser Chip soll selbstfahrende Autos möglich machen

, aktualisiert 10. Oktober 2017, 16:38 Uhr
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Nvidia präsentiert die Fähigkeiten des neuen Chips.

von Andreas Menn

Der Halbleiterhersteller Nvidia hat einen neuen Computer vorgestellt, der selbstfahrende Autos steuern soll. Selbst die Deutsche Post will damit jetzt ihre Lieferwagen autonom machen.

Auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto ist die Technologiebranche am Dienstagvormittag wieder einen Schritt weiter gekommen. Jen-Hsun Huang, Gründer und CEO des Chipherstellers Nvidia, stellte in München auf seinem Firmenevent einen neuen Rechner vor, der Roboter-Taxis möglich machen soll. „Wir packen ein Supercomputer-Datenzentrum in Ihren Kofferraum“, sagte Huang.

Mit dem neuen Chip namens Pegasus, sagt Huang, werde möglich, was derzeit als der Heilige Gral der Autobranche gilt: Autos, in deren Fahrt von Start bis Ziel kein Fahrer mehr eingreifen muss, egal auf welcher Straße und in welcher Umgebung. Level Five nennen Eingeweihte dieses technologisch Niveau. Es würde Taxis möglich machen, die computergesteuert zum Ziel fahren, während die Insassen schlafen oder einen Film schauen.

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Bisher testen Unternehmen wie Waymo, Daimler oder Nvidia selbstfahrende Autos nur auf ausgewählten Strecken – und immer mit einem Testfahrer hinter dem Lenkrad. Die Computer, die die Testwagen steuern, füllen den kompletten Kofferraum. Für den kommerziellen Einsatz ist diese Technik darum noch nicht reif.

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Der neue Pegasus-Chip soll nun Abhilfe schaffen: Er ist nur noch in etwa so groß wie eine Festplatte. Trotzdem soll er so viel Rechenleistung liefern wie 400 schnelle Prozessoren, die in heutigen Computern stecken. Mit dieser Leistung analysiert die Maschine zeitgleich die Daten von 16 Ultraschallsensoren, Kameras, Radar- und Lidar-Geräten. Autos können so bald ihre Position zentimetergenau bestimmen, Passanten erkennen und eine sichere Route durch den Verkehr planen.

Autokonzerne können den Nvidia-Chip ab nächsten Jahr in ihren Testfahrzeugen einsetzen – inklusive einem Betriebssystem für selbstfahrende Autos, das Nvidia anbietet. Künftig können Autos damit nicht nur autonom fahren, sagte Huang, sondern sie erkennen auch das Gesicht des Fahrers und öffnen ihm den Kofferraum, wenn er mit Tüten vollgepackt vom Supermarkt kommt. „Ihr Auto wird eine Künstliche Intelligenz“, sagte Huang.

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25 Autokonzerne und Start-ups nutzen heute schon Nvidia-Technik, um komplett autonome Taxis zu bauen. Einen neuen Kunden präsentierte Huang nun in München: Der Paketlieferdienst DHL will seine Transporter ab 2018 testweise mit der Steuertechnik von Nvidia ausstatten. Der DHL-Wagen könnte dann theoretisch schon um den Block fahren und einen neuen Parkplatz suchen, während der Liefer-Mitarbeiter mit der Sackkarre entlang der Straße Pakete zu Tür bringt.

Der konkrete Ausblick auf einen selbstfahrenden Lieferwagen beflügelte offenbar auch die Fantasie vieler Anleger: Die Aktien der Deutschen Post legten zwei Prozent auf 38,16 Euro zu und führten damit die Dax-Gewinnerliste an. „Die haben sich so Schritt für Schritt nach oben gemogelt“, sagte ein Händler. „Vermutlich liegt das an den Nachrichten zu Nvidia.“ Selbiges gilt für den US-Konzern: Die Papiere von Nvidia legten in New York in der Spitze über vier Prozent auf 192,95 Dollar zu.

Wann ganze Flotten von Lieferwagen oder Roboter-Taxis komplett autonom durch die Städte rollen werden, darauf legte sich Huang in München nicht fest. Klar ist: Der neue Computerchip allein reicht nicht – es muss auch eine robuste Software bereit stehen, die Passanten und Gegenstände aller Art auf der Straße zuverlässig erkennt und jede Verkehrssituation souverän meistert. Noch immer bereiten Regen, umherfliegender Müll oder schlecht markierte Baustellen selbstfahrenden Autos Probleme.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

  • Stufe 1: Fahrassistenten

    Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

    Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie automatisches Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

  • Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

    Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

  • Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

    Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

  • Stufe 5: Fahrerloses Fahren

    Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Um ein solches Superhirn für die Straße schneller möglich zu machen, stellte Nvidia eine neue Simulations-Software vor. Sie enthält Video- und Sensoraufnahmen von Straßen in den USA, die Steuercomputer in vielen Durchgängen auswerten können, um immer besser Objekte zu erkennen und immer weniger Fehler zu machen. Mit acht extrem schnellen Computern von Nvidia könne der Simulator bald das gesamte Straßennetz der USA in zwei Tagen virtuell abfahren, sagte Huang. 

Computerchips, ausgerichtet auf künstliche Intelligenz, werden zunehmend zur neuen Kerntechnologie für Autos. Deutsche Autohersteller wie BMW, Daimler und Audi sind darum bereits Partnerschaften mit dem US-Chiphersteller eingegangen. Unterdessen arbeitet Chiphersteller Intel mit Autokonzernen und der Google-Tochter Waymo zusammen, um autonome Autos auf die Straße zu bringen. Gerüchten zufolge will Waymo noch in diesem Jahr erste fahrerlose Taxis im Regelbetrieb auf einem begrenzten Gebiet einsetzen.

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