Öko-Bilanz von E-Autos: Umweltlüge Elektroauto? Von wegen!

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Öko-Bilanz von E-Autos: Umweltlüge Elektroauto? Von wegen!

, aktualisiert 14. August 2017, 11:08 Uhr
von Stefan Hajek

Elektroautos sind teuer, haben zu wenig Reichweite und sind in Wahrheit nicht mal umweltfreundlicher als ein moderner Diesel oder kleiner Benziner. Das liest und hört man derzeit immer wieder. Stimmt das?

„Man weiß nicht mehr, was man glauben soll.“ Markus Menzel ist genervt. Sein Diesel ist in die Jahre gekommen – gekauft 2009 zur Zeit der letzten Abwrackprämie. „Der Wagen hat nur eine gelbe Feinstaubplakette“, sagt der 39-Jährige, „damit komme ich in vielen Städten bald nicht mehr in die Innenstadt.“

Menzel ist verunsichert. Ein neues Auto soll her. Aber welches? Mal liest der Softwarespezialist, die Zeit sei Reif für das E-Auto. Sauber, leise, günstig, nicht anfällig für Reparaturen. Tesla bringe jetzt ein erschwingliches auf den Markt, bei VW und Daimler sei es auch bald soweit. „Aber dann sieht und hört man wieder das genaue Gegenteil: E-Autos seien gar nicht umweltfreundlicher, man könne sie nirgends laden, sie seien gar gefährlich, und wenn viele davon fahren, breche das Stromnetz zusammen…“

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„Was stimmt denn nun?“

2009 hat auch Nadine Böhmer ihren Audi mit Dieselmotor gekauft. Die Ärztin legt damit jeden Tag rund 120 Kilometer Pendelstrecke zurück; 60 Kilometer trennen ihren Wohnort von der Klinik. „Als Vielfahrerin kaufte man 2009 natürlich einen Diesel“, sagt sie. „Heute ist die Entscheidung sehr viel schwieriger.“ Benziner verursachen pro Kilometer rund 20 Prozent Mehrkosten als Diesel. Seit dem VW-Abgasskandal aber ist klar, dass Diesel – trotz Rußfilter und Kat – viel Giftiges absondern: Stickoxide, Benzole, Feinstaub.

Elektroautos im Kostenvergleich

  • BMW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    BMW i3Strom36.150 Euro598 Euro47,8 Cent
    Mini Cooper SSuper Plus26.600 Euro542 Euro43,4 Cent
    Mini Cooper SDDiesel28.300 Euro519 Euro41,5 Cent

    Quelle: ADAC

  • Citroën

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Citroën C-ZeroStrom19.800 Euro433 Euro34,6 Cent
    Citroën C1 Vti 68Super13.900 Euro388 Euro31,0 Cent

  • Ford

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Ford Focus ElectricStrom34.900 Euro665 Euro53,2 Cent
    Ford Focus 1.5 EcoBoostSuper25.500 Euro618 Euro49,4 Cent
    Ford Focus 2.0 TDCiDiesel28.100 Euro623 Euro49,8 Cent

  • Hyundai

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Hyundai IONIQ ElektroStrom33.300 Euro587 Euro47,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 GDISuper22.630 Euro562 Euro45,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 CRDi blueDiesel24.030 Euro548 Euro43,8 Cent

  • Kia

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Kia Soul EVStrom28.890 Euro526 Euro42,1 Cent
    Kia Soul 1.6 GDISuper19.990 Euro529 Euro42,3 Cent
    Kia Soul 1.6 CRDiDiesel23.490 Euro539 Euro43,1 Cent

  • Mercedes-Benz

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Mercedes-Benz B250eStrom39.151 Euro713 Euro57,0 Cent
    Mercedes-Benz B220 4MaticSuper34.076 Euro773 Euro61,8 Cent
    Mercedes-Benz B220dDiesel36.521 Euro728 Euro58,2 Cent

  • Nissan

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Nissan LeafStrom34.385 Euro632 Euro50,6 Cent
    Nissan Pulsar 1.2 DIG-TSuper22.290 Euro574 Euro45,9 Cent
    Nissan Pulsar 1.5 dCiDiesel22.690 Euro535 Euro42,8 Cent

  • Renault

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Renault ZoëStrom34.700 Euro580 Euro46,4 Cent
    Renault Clio TCe 90Super16.790 Euro433 Euro34,6 Cent
    Renault Clio dCi 90Diesel20.290 Euro454 Euro36,3 Cent

  • Tesla

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Tesla Model S 60 Strom71.020 Euro1206 Euro96,5 Cent
    Mercedes-Benz CLS 400Super63.427 Euro1198 Euro95,8 Cent
    Mercedes-Benz CLS 350dDiesel62.178 Euro1156 Euro92,5 Cent

    Hinweis: Da Tesla selbst keine Autos mit Diesel- oder Benzinmotor verkauft, hat der ADAC zum Vergleich den Mercedes-Benz CLS herangezogen.

  • VW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    VW e-up!Strom26.900 Euro472 Euro37,8 Cent
    VW up! 1.0Super14.255 Euro375 Euro30,0 Cent

China will Herstellern verbindliche E-Auto Quoten vorschreiben, England und Frankreich ab 2040 gar überhaupt keine Verbrenner mehr zulassen; nun wird es selbst im Land der Dieselfans eng für die Ölverbrenner. Im Juli errang die Deutsche Umwelthilfe vor dem Landgericht Stuttgart einen historischen Sieg; die hatte wegen zu hoher Stickoxid-Werte geklagt. Stickoxide werden in Ballungsräumen hauptsächlich (zu über 80 Prozent) von Diesel-Autos erzeugt. Der Rest entstammt Industrie und Heizungen. Stuttgart, München und 14 weitere deutsche Großstädte müssen nach dem Urteil nun ab 1. Januar 2018 Dieselfahrverbote verhängen, wenn die Luftwerte bis dahin nicht nachhaltig unter die Grenzwerte fallen.

Dass dies gelingt, ist zumindest zweifelhaft. Zwar rief der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am 2. August alle deutschen Hersteller hektisch zu seinem sogenannten Dieselgipfel nach Berlin ein. Doch dabei sprang technisch gesehen nur eine kosmetische Lösung heraus: Per Software-Update hoffen die Hersteller , die Grenzwerte zu senken und Fahrverbote für ihre Kunden nochmals zu vermeiden.

PremiumFord Auch keine saubere Alternative

Die deutsche Tochter des US-Konzerns inszeniert sich im Dieselskandal als saubere Alternative. Doch Abgastests sprechen eine andere Sprache.

Perfekte Bühne: Ford-Chef Herrmann gab im ZDF das Unschuldslamm im Abgasskandal. Quelle: Screenshot

Dass das nur mit der Software gelingen kann, daran haben Experten so ihre Zweifel. „Die Stickoxidwerte werden wohl schon allein deswegen kaum nur durch eine Software genügend unter den Grenzwert rücken in den betroffenen Städten, weil dort viele Messpunkte an den Haupteinfallstraßen liegen“, sagt Andreas Rimkus, Verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der SPD. Und dort, so Rimkus, sorgten alleine schon die zahlreichen älteren Dieselbusse der Verkehrsbetriebe dafür, dass sie Stickoxidwerte an den Messpunkten (und nur dort sind sie relevant für Fahrverbote) nicht genügend sinken werden.

Die Umwelthilfe hat außerdem schon im real existierenden Straßenverkehr getestet und erwartet keine nennenswerte NOx-Reduktion durch die neuen Softwareupdates. Es ist daher davon auszugehen, dass es ab Januar Fahrverbote für viele Diesel geben wird.

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