Östling und Berkenhagen: Stühlerücken im VW-Vorstand

Östling und Berkenhagen: Stühlerücken im VW-Vorstand

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Der Schwede Leif Östling - bisher Vorstandschef von Scania - soll in Zukunft wohl die Lkw-Sparte bei Volkswagen führen. Die Personalie soll heute im VW-Aufsichtsrat beschlossen werden.

von Martin Seiwert

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch scheint bei der seit Jahren angestrebten Zusammenarbeit  zwischen den Lkw-Herstellern Scania und MAN Fahrt aufnehmen zu wollen. Jetzt stellt er die personellen Weichen.

Noch heute wird es Volkswagen vermutlich offiziell bekannt geben: Leif Oestling, bislang Vorstandschef von Scania, wird neues Mitglied des Volkswagen-Konzernvorstands. Seinen bisherigen Posten bei dem schwedischen  LKW-Hersteller, an dem Volkswagen knapp 72 Prozent hält, soll der derzeitige Scania-Marketing-Chef Martin Lundstedt übernehmen. Die Personalie soll heute im VW-Aufsichtsrat beschlossen werden.

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Der 67-jährige Östling wird voraussichtlich im VW-Vorstand das gesamte Lkw-Geschäft verantworten, zu dem auch eine 74-prozentige Beteiligung am Münchner LKW-Hersteller MAN gehört. Mit den Personalentscheidungen könnte die von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seit Jahren angestrebte Zusammenarbeit  zwischen den beiden LKW-Herstellern an Fahrt aufnehmen. Bislang hatten die beiden LKW-Bauer nicht so recht zusammengefunden, mögliche Synergien in Milliardenhöhe wurden nicht realisiert. VW und Scania wollten zu den Personalien nicht Stellung beziehen.

Zweistelligen Millionenbetrag einsparen

Östlings wird die beiden LKW-Bauer voraussichtlich beim Einkauf, bei Forschung und Entwicklung,  womöglich auch bei Verwaltung und Vertrieb zur Zusammenarbeit bewegen. Unterstützung bekommt er dabei voraussichtlich vom bisherigen Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen, der einen gemeinsamen Einkauf von Scania und MAN aufbauen und leiten soll, wodurch sich angeblich mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr einsparen lassen.

Berkenhagen soll, wie die WirtschaftsWoche bereits vor einem Jahr berichtete, auch den Einkauf der drei MAN-Bereiche Truck & Bus, Latin America und Diesel & Turbo bündeln. „MAN hat es in seiner 250-jährigen Geschichte nicht geschafft, den Einkauf der Geschäftsbereiche zusammenzulegen“, sagt ein Insider. „Berkenhagen wird das ändern und dadurch sicherlich einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Unsere Zulieferer werden sich auf eine härtere Gangart einstellen müssen.“

Die Änderungen an der Spitze der Lkw-Sparte von VW sind Teil eines breiter angelegten Umbaus der Konzernspitze bei Europas größtem Autokonzern. Neben der LKW-Allianz knöpft sich VW-Chef Martin Winterkorn offenbar auch das China-Geschäft und die Premium-Tochter Audi vor. Ziel Winterkorns ist es, Wettbewerber wie General Motors und Toyota abzuhängen und VW zum weltgrößten und leistungsstärksten Autokonzern zu machen.

Neben den Einsparungen durch die Kooperation mit Scania und MAN im LKW-Bereich integriert VW zusätzlich auch die Sportwagen von Porsche und die Luxusmotorräder von Ducati in die Modelpalette ein – womit das Angebot künftig von exotischen Zweirädern bis hin zu 50-Tonnern reichen wird.

Neue Führung auch in China?

Auch für das China-Geschäft hat VW scheinbar eine neue Führung vorgesehen. Im Konzernvorstand soll dafür angeblich ein eigenes Ressort geschaffen werden. Die Leitung soll jedoch nicht der bisherige China-Chef Karl-Thomas Neumann bekommen. Deshalb wird Neumann, der bereits als möglicher Winterkorn-Nachfolger gehandelt worden war, womöglich den Konzern verlassen.

Wie Audi-Chef Rupert Stadler vor zwei Wochen im Interview mit der WirtschaftsWoche andeutete, stehen auch bei der VW-Tochter Änderungen im Top-Management an: „Vor dem Hintergrund der Audi-Strategie 2020 wäre es fahrlässig, sich keine Gedanken über die Teamaufstellung zu machen“, sagte Stadler. „Wir wollen in China unseren Output mittelfristig auf 700.000 Autos pro Jahr ausbauen, die geplante Fabrik in Mexiko an unser System andocken, in den USA und Lateinamerika massiv wachsen“, führte Stadler aus.

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Zudem sei mit Ducati eine Premiummarke erworben worden, die eine wichtige Rolle spielen werde bei der Entwicklung zukunftsweisender Mobilitätskonzepte. „Natürlich“ werde in diesem Zusammenhang auch über Organisation und Struktur diskutiert. Über Details wollte sich Stadler nicht äußern. Angeblich werden Marketingvorstand Peter Schwarzenbauer und Technikvorstand Michael Dick das Gremium verlassen. Schwarzenbauer könnte vom Marketingchef der Marke VW, Luca de Meo, beerbt werden, Dick vom derzeitigen Bentley- und Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer.

Nach Einschätzung von Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, befindet sich VW durch seine momentane Stärke in einer guten Lage für die personellen Umbauarbeiten. Es sei sinnvoll, so Pieper, Veränderungen vorzunehmen, „wenn Unternehmen nicht mit dem Rücken zur Wand stehen“.

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