Oldtimer: Ruhig Blut beim Oldtimer-Kauf

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Oldtimer: Ruhig Blut beim Oldtimer-Kauf

von Franz W. Rother

Auf dem Markt für klassische Automobile zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Geld ist dank Nullzins-Politik der EZB zwar reichlich vorhanden. Aber die Käufer sind nicht mehr gewillt, Mondpreise für altes Blech zu bezahlen. Bei Auktionen und auf Messen bleiben deshalb immer öfter teure Autos stehen. Zudem zeichnet sich ein Generationenwechsel ab.

Die Chromteile sind auf Hochglanz poliert, die dunkelbraunen Ledersitze des Mercedes 300 SL Roadster haben eine wunderbare Patina, die Karosserie ist komplett rostfrei und frei von Kratzern. Wie aus der umfangreichen Fahrzeugakte hervorgeht, wurde der Sportwagen am 11. Dezember 1961 an seinen Erstbesitzer Josef Binder aus Scheidegg am Bodensee ausgeliefert.

Der erfolgreiche Werbegrafiker aus dem Allgäu liebte den Wagen offenbar über alles. Er ließ ihn öfter warten als nötig, bewegte ihn dafür seltener als üblich – und verkaufte ihn nach etwas mehr als vier Jahren aus Altersgründen an einen befreundeten Architekten aus Stuttgart. In dieser Familie blieb das Cabriolet dann mehr als 40 Jahre, die Wartungsgeschichte auch für diesen Zeitraum ist komplett erhalten. Mit einem Wort: Ein echter Traumwagen, gestern wie heute. Auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro haben die Experten des britischen Auktionshauses Bonhams den Oldtimer taxiert.

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Ebenso extravagant und teuer ist der Mercedes-Benz 24/100, der vergangene Woche bei der Auktion von Bonhams im Mercedes-Museum nahe der Ikone aus den 1960er-Jahren parkt, bevor er vor die Bieterversammlung geschoben wird: Der in zwei Grüntönen lackierte und mit rotem Leder ausgeschlagene Klassiker wurde 1928 nach den Wünschen des amerikanischen Erstbesitzers von dem berühmten französischen Wagenbauer Jacques Saoutchik karossiert und von Mercedes mit einem 140 PS starken Kompressor-Motor versehen, den Ferdinand Porsche konstruiert hatte. Zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Euro, befanden die Experten, sollte dieses automobile Kunstwerk Freunden viersitziger Cabriolets aus den angeblich so goldenen Zwanziger Jahren wert sein.

Doch die hohen Erwartungen erfüllen sich bei der dritten „Mercedes-Benz Auction“ von Bonhams in Stuttgart nur zum Teil. Beim fast 90 Jahre alten Kompressor-Wagen klettern die Gebote tatsächlich in atemberaubendem Tempo von 450.000 bis auf über 800.000 Euro. Der Zuschlag erfolgt schließlich zu einem Preis von 862.000 Euro (inklusive 15 Prozent Aufgeld für den Auktionator sowie 19 Prozent Umsatzsteuer) an eine Bietergruppe aus dem Mittleren Osten.

Für den 300 SL findet sich kein Käufer

Bei der Versteigerung des 55 Jahre alten SL Roadsters jedoch geht nach einem ähnlich furiosen Auftakt sowohl dem Auktionator wie den Bietern der Atem aus – weil der Mindestpreis nicht erreicht wird, zieht der Verkäufer das Fahrzeug zurück. Und das passiert an diesem Nachmittag noch mehrmals: Von den insgesamt 56 angebotenen Fahrzeugen finden lediglich 27 einen neuen Käufer – der Rest bleibt unter dem Estimate.

Dieses Schicksal erleiden bis zum Abend auch fünf weitere hochwertige Kompressorfahrzeuge, die ein Sammler aus den USA eingeliefert hat. Die Gebote für ein ebenfalls von Saoutchik karossiertes Mercedes-Benz 500 K Cabriolet aus dem Jahr 1935 kommen nicht einmal annähernd an den Schätzpreis von fünf bis sieben Millionen Euro heran. Den Höchstpreis des Tages erzielt dagegen ein Auto, das nicht einmal sechs Jahre alt ist: Ein 617 PS starkes Sondermodell des Supersportwagens Mercedes-Benz SLR McLaren geht für 2,3 Millionen Euro an einen jungen Bieter aus Saudi-Arabien.

In den zurückliegenden fünf Jahren blühte der Handel mit historischen Fahrzeugen, galten seltene Autos als lukrative Wertanlage, als Alternative zu Aktien und Immobilien in der Nullzins-Ära. Oldtimer von Mercedes, aber auch von Ferrari und Porsche erlebten deshalb in kürzester Zeit zum Teil phantastische Wertsteigerungen. Platzt die Blase jetzt, wird aus dem vielgefeierten „Garagen-Gold“ jetzt wieder einfach nur altes Blech? Oder war die trotz perfekter Rahmenbedingungen enttäuschende Verkaufsquote von 51 Prozent bei der Oldtimer-Auktion in Stuttgart nur ein Ausreißer, geschuldet der hohen Dichte ähnlicher Veranstaltungen in diesem Frühjahr?

Kein Grund zur Panik, meint Dietrich Hatlapa. Der ehemalige Investmentbanker zählt zu den besten Kennern des Oldtimer-Marktes. Der von ihm entwickelte HAGI-Index bildet seit vielen die Preisentwicklung in diesem Geschäft ab und gilt als wichtigster Gradmesser der Branche. Basis dafür sind im Wesentlichen die Verkaufs-Ergebnisse, die weltweit bei Versteigerungen von automobilen Klassikern und Vintage Cars – wir reden von Autos mit Preisen von deutlich über 100.000 Euro bis hin zu mehreren Millionen – erzielt werden.

Die wichtigstens Accessoires für Rallyefahrer

  • Mechanischer Wegstreckenzähler

    Halda-Twinmaster (2300 Euro) oder Brantz Retrotrip (398 Euro)

  • Preiswerte Alternative

    Rallye-App für iPhone oder iPad wie z.B. "Twinmaster" von i.dea (94,99 Euro)

  • Stoppuhren

    Zwei mechanische Stoppuhren (für Start in der Sanduhr-Klasse) mit Drehlünette oder (jeweils 150-700 Euro)

  • Schnitttabellen-Buch

    Schnitttabellen-Buch oder Rallyecomputer zur Ermittlung der Geschwindigkeit wie z. B. Blizz Speed (ab 299 Euro)

  • Klemmbrett

    Aus dem örtlichen Schreibwarengeschäft.

  • Literatur zur Vorbereitung und Einstimmung

    Rolf Balschke, Oldtimer-Rallye, Motorbuch-Verlag

„Wir erleben derzeit eine Konsolidierung des Marktes nach einer Phase der Überhitzung“, fasst Hatlapa seine Beobachtungen der vergangenen Wochen zusammen. So lag der HAGI-Index Ende Februar mit 308,5 Punkten zwar um 0,32 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dafür habe der Index für Oldtimer der Marke Mercedes einen neuen Höchstwert erreicht und notiere fast vier Prozent höher als zu Jahresbeginn. Sehr gute Ergebnisse, die der legendäre Flügeltürer 300 SL und das Coupes der Baureihe W111 kürzlich bei Auktionen in Paris erzielten, schlügen sich hier nieder.

Dafür sei bei anderen Marken und Modellen die Preisentwicklung ins Stocken geraten. Hatlapa: „Jetzt trennen sich Spreu und Weizen“. Die Nachfrage nach erstklassigen Fahrzeugen in Top-Zustand und mit besonderer Geschichte, so seine Prognose, werde weiter anziehen. Dafür beruhige sich nun der Handel mit Allerwelt-Oldtimern in durchschnittlich gutem Zustand und ohne besondere Herkunft. Hatlapa: „Und das ist gut so.“

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1 Kommentar zu Oldtimer: Ruhig Blut beim Oldtimer-Kauf

  • Boomphasen in Sammlermärkten decken sich meist mit denen des Aktienmarktes bzw. der allgemeinen Konjunkturentwicklung.

    In den folgenden Rezessionen halbieren sich teilweise die Preise wieder.

    Eingegenk der Krisen nach dem Wiedervereinigungsboom Anfang der 90er Jahre oder dem Ende des New-Economy-Booms. Nur die Finanz- und Wirtschaftskrise war keine Rezession in diesem Sinne, da vom zusammenbrechenden amerikanischen Bankwesen erzwungen.

    Ansonsten ist es so, daß die Sammlergegenstände der älteren Generation von der nachfolgenden Generation nicht vergleichbar wertgeschätzt werden: siehe die Preisentwicklung von sehr alter Kunst (nicht moderne Klassiker), antike Möbel, Porzellan, Chronometer, Briefmarken, Münzen, etc.

    Ich denke auch, daß alle Fahrzeuge bis Anfang der 60er Jahre jenseits ikonenhafter Einzelstücke á la Mercedes 300 SL inzwischen ihr Preishoch gesehen haben, da die Fahrleistungen und -eigenschaften im Grunde nicht mehr zeitgemäß sind und die Generation, die diese Fahrzeuge noch im Alltag gekannt hat, langsam wegstirbt.

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