Opel-Chef: Keine Zeit zum Verschnaufen

KommentarOpel-Chef: Keine Zeit zum Verschnaufen

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Der Vorstandsvorsitzende des Automobilherstellers Adam Opel AG, Karl-Friedrich Stracke, auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. Stracke rückt zum neuen Präsidenten des Mutterkonzerns General Motors (GM) für Europa auf

von Franz W. Rother

General Motors befördert Karl-Friedrich Stracke zum Europa-Chef. Trotz Vorarbeit von Nick Reilly bleiben große Probleme.

Karl-Friedrich Stracke? Einige so genannte Autoexperten mussten den Namen erst einmal googeln, als General Motors im vergangenen März überraschend bekannt gab, dass der Deutsche die Leitung von Opel/Vauxhall übernehmen würde. Der Ingenieur aus dem hessischen Goddelsheim war als Experte für Karosseriebau und Fertigungstechnik außerhalb der Opel-Welt nur wenigen bekannt. Das hat sich in den vergangenen Monaten deutlich  verändert. Auf der IAA in Frankfurt stand der Opel-Chef erstmals im grellen Scheinwerferlicht, bei Interviews und auf verschiedenen Kongressen zeigte der 55-jährige, dass er nicht nur weiß, wie man Blech biegt und eine Autoproduktion organisiert, sondern auch, wie man ein Unternehmen aus der Krise führt und strategisch weiter entwickelt.

Nach fünf Jahren in der Konzernzentrale, wo er zuletzt die gesamte Produktentwicklung von General Motors leitete, hat sich Stracke in seiner Heimat schnell wieder akklimatisiert. So schnell, dass ihm Konzernchef Dan Akerson nun auch noch die Leitung von General Motors Europe anvertraut hat. Vorgänger Nick Reilly, der Ende 2009 die Restrukturierung von Opel nach dem geplatzten Verkauf des Unternehmens an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna übernommen hatte, wird dafür nun aufs Altenteil geschickt – im März 2012 darf der knorrige Walisert nach bald vier Jahrzehnten in Diensten von GM mit nur 61 Jahren in den Ruhestand  treten.

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Die zurückliegenden 22 Monate waren selbst für den erfahrenen Sanierer Reilly eine harte Zeit – das zähe Ringen mit der Bundesregierung um Beihilfen und Bürgschaften kostete ihn nicht nur Nerven. Doch der Brite biss sich durch: Unter seiner Regie wurde das Werk Antwerpen geschlossen, die Belegschaft des Unternehmens europaweit drastisch reduziert und so die Rückkehr von Opel in die Gewinnzone ermöglicht. Gleichzeitig brachte er die Neupositionierung von Opel und die Erneuerung der Modellpalette voran, die noch von seinem Vorgänger Carl-Peter Forster in die Wege geleitet wurde. Inzwischen ist Opel wieder eine ernstzunehmende Größe auf dem europäischen Automarkt. Selbst Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf von Opel, die Volkswagen streute, hat das Unternehmen schadlos überstanden. Mit dem Elektroauto Ampera hat Opel den Erzrivalen sogar erstmals seit langem übertrumpfen können und Technologieführerschaft demonstriert.

Karl-Friedrich Stracke übernimmt das Europageschäft von General Motors also in einem deutlich besseren Zustand. Aber ein leichtes Spiel wird es für ihn nicht. Denn die Krise des Euro hat längst auch die Realwirtschaft erfasst. Die Automärkte Spanien, Portugal und Frankreich schwächeln, von Griechenland ganz zu schweigen. Im Opel-Werk Saragossa wird bereits kurzgearbeitet. Und weil sich die  Nachfrage abschwächt, zeichnen sich in einigen Märkten neue Rabattschlachten ab. Gleichzeitig versucht die Konzernschwester Chevrolet Opel und Vauxhall Marktanteile abzujagen. Stracke tut also gut daran, einen kühlen Kopf zu bewahren, um das Ziel, 2012 wieder einen Gewinn an die Konzernmutter zu überweisen, nicht zu gefährden. General Motors Europe wird wieder von einem Deutschen geführt. Aber gemütlicher dürfte es dadurch für die Opelaner sicher nicht werden.

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