
WirtschaftsWoche: Herr Sedran, Sie haben vergangene Woche bekannt gegeben, dass ab 2016 keine Autos mehr in Bochum bauen. Wie schwer fiel die Entscheidung?
Sedran: Dass so etwas keine Freude macht und schwer fällt, ist klar. Aber es war unsere Pflicht, die Mitarbeiter zeitnah und fair zu informieren. Die geplante Beendigung der Fahrzeugproduktion in Bochum ist Teil unserer Strategie, um Opel wieder profitabel zu machen. Es gab leider keine Alternative. Wir haben eine unternehmerische Verantwortung gegenüber unserer gesamten Belegschaft von mehr als 37.400 Menschen.
Für die Beschäftigten in Bochum endete zumindest eine lange Hängepartie. Fiel die Entscheidung wirklich erst jetzt?
Wir wussten zu 90 Prozent schon vor etwa einem halben Jahr dass wir für Bochum kein neues Auto haben würden – und das haben wir im Juni auch deutlich so gesagt. Seitdem suchen wir nach Lösungen, haben uns gemeinsam mit General Motors in USA und Asien Alternativen überlegt - aber keine Möglichkeit gefunden, die Produktion kompletter Fahrzeuge in Bochum zu erhalten. Wir haben einfach zu hohe Überkapazitäten.
Wo der Zafira künftig gebaut wird, wissen Sie noch nicht?
Nein, diese Entscheidung ist noch nicht gefallen.
Der Bau von Chevrolet-Fahrzeugen in Bochum war keine Überlegung?
Die Produktionskosten dort wären zu hoch angesichts der Marktpositionierung von Chevrolet in Europa.
Wie viel sparen Sie jetzt durch die Beendigung der Autoproduktion in Bochum?
Die Zahlen möchten wir aus Wettbewerbsgründen nicht bekannt geben. Man muss sie auch im Zusammenhang sehen mit unserem großen Ziel, die Ertragskraft zu stärken. Der Anteil der so genannten Strukturkostenmaßnahmen daran beträgt 20 bis 25 Prozent.
Haben Sie denn schon eine Vorstellung, was die Beendung der Fahrzeugproduktion kostet? Die Rede ist von 500 Millionen Euro.
Wir gehen jetzt erst einmal in die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Für mich ist es wichtig, in den nächsten Monaten zu schauen, welche und wie viele Arbeitsplätze wir in Bochum erhalten und wie viele wir neu schaffen können.
Bild: dpaWo Opel in Deutschland und Europa produziert
Bochum
Kapazität: 160.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 131.000 (davon 87.000 Zafira)
Seit 1962 produziert Opel in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer. 3.100 Mitarbeiter bauen hier den Zafira Family und Zafira Tourer sowie den Astra Classic. Ende 2016 läuft die Produktion der Großraumlimousine Zafira aus. Dann sollen in der 50 Jahre alten Fabrik die Lichter ausgehen.
Bild: dpaRüsselsheim
Kapazität: 180.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 181.000 (davon 150.000 Insignia)
Rüsselsheim ist der älteste Standort von Opel, seit 1899 ist der Autobauer hier zuhause. Im Opel-Stammwerk arbeiten aktuell noch 3.500 Mitarbeiter. Sie produzieren den Opel Insignia als Limousine, Fließheck und Sports Tourer, sowie den Astra-5-Türer. Versuchsweise soll in Rüsselsheim bereits auch der Zafira-Tourer in der Rüsselsheimer Produktion gelaufen sein. Gemäß dem „Master Agreemet“ mit dem Gesamtbetriebsrat darf der Zafira aber ausschließlich in Bochum gebaut werden. Der Betriebsrat hat eine Überprüfung der Angelegenheit eingeleitet.
Bild: APEisenach
Kapazität: 190.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 130.000 (ausschließlich Corsa)
In Eisenach steht eines der jüngsten Opel-Werke. 1990 nahm der Autobauer den Betrieb in Thüringen auf. Die 1600 Opelaner in Eisenach sind für das Modell Corsa zuständig.
Bild: dpaKaiserslautern
Produkte: Komponenten und Motoren
Im Werk Kaiserslautern entstehen Aluminiumhauben, Vorderrahmen, Vorderradträger und Hinterachsen sowie wie 1,9 l und 2,0 l Dieselmotoren. 2.700 Mitarbeiter arbeiten in Kaiserslautern. Die Produktion begann 1966.
Bild: dpaEllesmere Port (England)
Kapazität: 187.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 140.000 (ausschließlich Astra)
Ebenfalls in den 60er Jahren entstand das Werk in Ellesmere Port. Gebaut werden hier der Astra Fünftürer, Van und Sports Tourer. 2.100 Briten arbeiten hier für Opel.
Bild: dpaLuton (England)
Kapazität: 67.000 Fahrzeuge
Gefertigte Fahrzeuge: 68.000 (davon 53.000 Vivaro)
Das zweite britische Werk ist mit 1.100 Mitarbeitern eines der kleinen Opel-Werke, aber auch eines der ältestens. 1907 nahm Opel hier die Produktion auf, heute entstehen in Luton Vauxhall-Modelle, eine ursprünglich britische Marke, die seit 1925 zu General Motors gehört, der Opel Vivaro, der Renault Traffic und der Nissan Primastar. 2009 wollte Vauxhall mit Opel eine eigenständige europäische Gesellschaft gründen, doch GM entschloss sich beide Marken im Konzern zu behalten und zu sanieren.
Bild: REUTERSGliwice (Polen)
Kapazität: mehr als 200.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 174.000 (davon 153.000 Astra)
Das polnische Werk ist eines der jüngsten. Seit 1998 produziert Opel hier Astra-Modelle wie den Astra Classic II uns die Astra Classic III Limousine sowie den Zafira. Mit 3.000 Mitarbeitern gehört das Werk zu den vier größten.
Bild: dpaTychy (Polen)
Kapazität: 330.000 Motoren
Das jüngste Opel-Werk produziert Dieselmotoren. Seit 1999 ist Opel im polnischen Tychy ansässig und beschäftigt dort 550 Mitarbeiter.
Bild: dpaAspern (Österreich)
Kapazität: 805.000 Sechsgang-Getriebe, 760.000 Fünfgang-Getriebe, 730.000 Motoren
Opel produziert seit 1980 in Österreich. In Apsern arbeiten aktuell 1.600 Mitarbeiter und stellen Motoren und Getriebe her.
Bild: REUTERSSzentgotthárd (Ungarn)
Kapazität: 630.000 Motoren, 57.000 Allison-Getriebe, 11.700 aufbereitete Getriebe
Mit 750 Mitarbeitern stellt Opel in Ungarn seit 1990 Motoren, Getriebe und Produkte für die Getriebeaufbereitung her.
Wo Opel in Deutschland und Europa produziert
Bochum
Kapazität: 160.000 Fahrzeuge
Gefertigte Einheiten: 131.000 (davon 87.000 Zafira)
Seit 1962 produziert Opel in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer. 3.100 Mitarbeiter bauen hier den Zafira Family und Zafira Tourer sowie den Astra Classic. Ende 2016 läuft die Produktion der Großraumlimousine Zafira aus. Dann sollen in der 50 Jahre alten Fabrik die Lichter ausgehen.
Werden Sie den Bochumern auch Arbeitsplätze in anderen Werken anbieten?
Wenn wir in Rüsselsheim, Eisenach oder Kaiserslautern zusätzlichen Bedarf haben, selbstverständlich. Wir waren 50 Jahre mit einem Fertigungswerk in Bochum. Uns ist sehr daran gelegen, eine vernünftige Lösung zu finden. Dafür brauchen wir aber auch die Bereitschaft des Betriebsrats, aktiv und konstruktiv mitzuarbeiten
Wie groß ist die Gefahr von monatelangen Auseinandersetzungen? Die IG Metall droht mit einem offenen Konflikt.
Wenn die Leute sehen, wie ernsthaft wir uns um den Erhalt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze bemühen, wird die Diskussion sachlicher werden. Opel bleibt ja in Bochum, mit einem Warenverteilzentrum und möglicherweise mit einer Komponentenfertigung, die noch im Detail festzulegen ist. Es ist unser klares Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und es wird attraktive Abfindungen geben. Zudem verlängern wir die Standortgarantie um zwei Jahre - vorbehaltlich der Einigung mit den Arbeitnehmervertretern.
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