Opel-Chef Sedran: "Wir dürfen nicht so viele Kompromisse machen"

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Thomas Sedran, Opels Interimschef: "Wir sind uns sicher, dass wir zur Mitte der Dekade wieder die Gewinnschwelle erreichen werden."

von Franz W. Rother

Der kommissarische Opel-Chef Thomas Sedran erklärt, warum das Ende der Autoproduktion in Bochum unvermeidlich war, und sagt, was jetzt kommt.

WirtschaftsWoche: Herr Sedran, Sie haben vergangene Woche bekannt gegeben, dass ab 2016 keine Autos mehr in Bochum bauen. Wie schwer fiel die Entscheidung?

Sedran: Dass so etwas keine Freude macht und schwer fällt, ist klar. Aber es war unsere Pflicht, die Mitarbeiter zeitnah und fair zu informieren. Die geplante Beendigung der Fahrzeugproduktion in Bochum ist Teil unserer Strategie, um Opel wieder profitabel zu machen. Es gab leider keine Alternative. Wir haben eine unternehmerische Verantwortung gegenüber unserer gesamten Belegschaft von mehr als 37.400 Menschen.

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Für die Beschäftigten in Bochum endete zumindest eine lange Hängepartie. Fiel die Entscheidung wirklich erst jetzt?

Wir wussten zu 90 Prozent schon vor etwa einem halben Jahr dass wir für Bochum kein neues Auto haben würden – und das haben wir  im Juni auch deutlich so gesagt. Seitdem suchen wir nach Lösungen, haben uns gemeinsam mit General Motors in USA und Asien Alternativen überlegt - aber keine Möglichkeit gefunden, die Produktion kompletter Fahrzeuge in Bochum zu erhalten. Wir haben einfach zu hohe Überkapazitäten.

Wo der Zafira künftig gebaut wird, wissen Sie noch nicht?

Nein, diese Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Der Bau von Chevrolet-Fahrzeugen in Bochum war keine Überlegung?

Die Produktionskosten dort wären zu hoch angesichts der Marktpositionierung von Chevrolet in Europa.

Wie viel sparen Sie jetzt durch die Beendigung der Autoproduktion in Bochum?

Die Zahlen möchten wir aus Wettbewerbsgründen nicht bekannt geben. Man muss sie auch im Zusammenhang sehen mit unserem großen Ziel, die Ertragskraft zu stärken. Der Anteil der so genannten Strukturkostenmaßnahmen daran beträgt 20 bis 25 Prozent.

Haben Sie denn schon eine Vorstellung, was die Beendung der Fahrzeugproduktion kostet? Die Rede ist von 500 Millionen Euro.

Wir gehen jetzt erst einmal in die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Für mich ist es wichtig, in den nächsten Monaten zu schauen, welche und wie viele Arbeitsplätze wir in Bochum erhalten und wie viele wir neu schaffen können.

Werden Sie den Bochumern auch Arbeitsplätze in anderen Werken anbieten?

Wenn wir in Rüsselsheim, Eisenach oder Kaiserslautern zusätzlichen Bedarf haben, selbstverständlich. Wir waren 50 Jahre mit einem Fertigungswerk in Bochum. Uns ist sehr daran gelegen, eine vernünftige Lösung zu finden. Dafür brauchen wir aber auch die Bereitschaft des Betriebsrats, aktiv und konstruktiv mitzuarbeiten

Wie groß ist die Gefahr von monatelangen Auseinandersetzungen? Die IG Metall droht mit einem offenen Konflikt.

Wenn die Leute sehen, wie ernsthaft wir uns um den Erhalt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze bemühen, wird die Diskussion sachlicher werden.  Opel bleibt ja in Bochum, mit einem Warenverteilzentrum und möglicherweise mit einer Komponentenfertigung, die noch im Detail festzulegen ist. Es ist unser klares Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und es wird attraktive Abfindungen geben. Zudem verlängern wir die Standortgarantie um zwei Jahre - vorbehaltlich der Einigung mit den Arbeitnehmervertretern.

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