Opel: Die Marke für Loser

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Nach kurzer Verschnaufpause teilen Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter wieder kräftig aus. Opel muss schließlich so schnell wie möglich wieder negative Schlagzeilen liefern.

von Martin Seiwert

Für kurze Zeit war es verdächtig ruhig geworden um die Streithähne bei Opel, die Gewerkschaften, die Opel-Chefs, die Topmanager der Konzernmutter GM. Nun aber fliegen wieder die Fetzen – und Opel findet zurück zu wahrer Stärke. Eine Glosse.

Ich sage es ehrlich, im März habe ich mir Sorgen gemacht um Opel. Als die Schließung des Werkes Bochum im Gespräch war, reagierten Konzernleitung, Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaft total merkwürdig: Es wurde nicht gebrüllt, nicht die bewährte Arbeitskampf-Rhetorik bemüht. Auch stichelten die Betriebsratschefs der europäischen Opel-Werke nicht gegeneinander. Stattdessen erklärten sie öffentlich ihre Solidarität, teilten Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke mit, dass sich die Opel-Standorte nicht gegeneinander ausspielen ließen.

Zwei Tage später wurde es noch unheimlicher. In einer gemeinsamen Pressemitteilung legten die Opel-Mutter General Motors, die Unternehmensleitung in Rüsselsheim und die Betriebsräte im Opel-Aufsichtsrat um der Harmonie willen ein regelrechtes Schweigegelübde ab: „Nach wie vor sind sich alle Beteiligten darüber einig, dass Opel profitabel arbeiten und dazu Maßnahmen ergreifen muss, um Umsätze zu steigern, Margen zu erhöhen und Kosten zu reduzieren“, hieß es in dem Schreiben. „Hierfür haben sich die Parteien auf eine Fortsetzung ihres Dialogs verständigt.“ Weitere öffentliche Ankündigungen aber „gibt es nicht“.

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Dialog hinter verschlossenen Türen, sonst nichts, kein Krawall – ein furchtbarer Gedanke. Das ist nicht das Unternehmen, das wir kennen. Bei Opel werden Blitze geschleudert, meist in Richtung der amerikanischen Konzernmutter, gerne aber auch zwischen Geschäftsleistung und Mitarbeitern oder zwischen den Mitarbeitervertretern der einzelnen Werke.

Glücklicherweise haben sich die Opelaner und ihr Management besonnen. Seit dem vergangenen Wochenende erklingt in Rüsselsheim wieder die schöne, alte Leier. Die bösen Amerikaner von GM wollen dem Werk Rüsselsheim die Astra-Produktion  wegnehmen, wird dort gemunkelt. Betriebsrat und IG Metall regierten auf die Nachricht so zuverlässig wie eine Selbstschussanlage: Die Verlagerung der Astra-Produktion nach England oder Polen wäre eine „verheerende Fehlentscheidung“, schrieb der Opel-Betriebsrat am Montag an die Rüsselsheimer Belegschaft. Die Pläne seien, tönte IG-Metall-Funktionär und Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild, „eine Kampfansage an die Belegschaften in allen deutschen Standorten und an die IG Metall“. Die Folge: „Opel wird wieder monatelang mit schlechten Nachrichten statt mit guten Autos von sich reden machen.“

Opel ist die Marke der schlechten Nachrichten – und Betriebsräte und IG Metall tun alles, damit das so bleibt. Statt in aller Ruhe mit den Konzernbossen in Detroit die Zukunft von GM in Europa auszuhandeln, hauen die Arbeitnehmer-Anwälte gleich mit aller Gewalt auf den Putz. Damit Opel auch in Zukunft wie keine andere Automarke der Welt für Streit, Arbeitskampf, Unsicherheit, Krise und Untergang steht.

Andere Hersteller versuchen krampfhaft, ihre Autos als sicherste, harmonischste, grünste, dynamischste oder exklusivste Orte der Welt zu vermarkten – Opel dagegen beschreitet selbstbewusst den entgegengesetzten Weg. Opel, das sind Autos für  Menschen, die ums Überleben kämpfen, für Menschen, die von aller Welt gemobbt werden, zum Beispiel von mächtigen, grausamen Konzernen im fernen Amerika. Opel, die Marke für Loser. Kurz: Ein Platz im Schatten.

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Nie war eine solche Verlierer-Marke wichtiger als heute, in Zeiten von Euro-Krise und finanzieller Aushöhlung breiter Bevölkerungsschichten. Nie lechzte der Markt mehr nach einer emotionalen Heimat für Menschen, die leiden und das mit ihrem Auto dem Rest der Welt mitteilen wollen. Kaum stürzen in Frankreich und Griechenland sozialistisch gesinnte Massen die Regierungen, besinnt man sich in Rüsselsheim auf das revolutionäre Potenzial der Underdog-Marke Opel. Das brodelnde Getto als der wahre Wachstumsmarkt. Genial. 

Es blitzt wieder in Rüsselheim. Über die Zukunft von Opel müssen wir uns keine Sorgen mehr machen.

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