Opel : Die wichtigsten Fragen und Antworten

Opel : Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Das Opel-Werk in Bochum.

von Rebecca Eisert

Die Debatte um die Zukunft des Opel-Werks Bochum reißt nicht ab. Was Sie über die Causa Opel wissen sollten.

1. Warum droht General Motors mit der Schließung des Werks Bochum?

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General Motors droht generell mit der Schließung von Werken in Europa. Die europäischen Marken des US-amerikanischen Konzerns – Opel und die britische Traditionsmarke Vauxhall – setzen in Europa zu wenig Autos ab. 2011 schrieb das Europageschäft einen Verlust von knapp 750 Millionen Euro. Die Nachfrage nach Opel-Fahrzeugen ist zu gering für die vorhandenen Produktionskapazitäten. Die Opel-Werke sind im Schnitt nur zu 65 Prozent ausgelastet. GM-Chef Akerson spricht von sieben bis zehn Werken, die es in Europa zu viel geben soll. Das entspricht einer Überkapazität von einer halben Million Fahrzeuge pro Jahr. Das Werk Bochum zählt zu den ältesten in Europa, seit 1962 wird hier produziert, noch älter ist nur der Stammsitz in Rüsselsheim (1899). Unter anderem weil Bochum im Vergleich zu anderen Werken weniger modern ist, wird es als Kandidat Nummer eins für eine Schließung gehandelt.

Andererseits ist Bochum das einzige Werk in Europa, in dem der neue, von der Fachpresse hochgelobte Premium-Van Zafira Tourer vom Band läuft – zusammen mit dem klassischen, siebensitzigen Familienauto Zafira der Vorgängergeneration sowie dem preisgünstigen Opel Astra Classic mit Stufenheck und als Kombi. Die Nachfrage nach den Modellen ist gut – nach Angaben von Betriebsratschef Reiner Einenkel ist Bochum von den Opel-Werken in Europa derzeit das mit der besten Auslastung.

2. Ist eine Werksschließung kurzfristig möglich?

Nein. Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke hat Gerüchte über unmittelbar bevorstehende Werksschließungen in Europa klar zurückgewiesen. „Wir haben eine klare Standortsicherung bis Ende 2014 und die gilt.“ Eine plötzliche Schließung des Werks Bochum ist nach den geltenden Verträgen ausgeschlossen.

3. Was will Opel tun, um seine Lage zu verbessern bzw. das Werk Bochum langfristig zu erhalten?

Opel-Chef Stracke setzt auf eine Wachstumsoffensive. „Wir investieren über elf Milliarden in neue Produkte, wir wollen bis 2014 über 30 neue Produkte auf den Markt gebracht haben, sechs allein davon in diesem Jahr.“ Der Betriebsrat des Werks Bochum sähe es zum Beispiel gerne, wenn man die Überkapazitäten in Europa nutzte, um in Bochum weitere Modelle aus der General Motors Familie zu produzieren. Stattdessen werden der neue Geländewagen Antara in Mexiko und der geplante Mini-SUV namens Mocca in Südkorea gebaut. Betriebsratsvorsitzender Reiner Einenkel sagte kürzlich zur WirtschaftsWoche, es sei auch denkbar, Fahrzeuge er Schwestermarke Chevrolet in Bochum zu fertigen.

4. Warum darf Opel nicht außerhalb Europas exportieren?

General Motors sieht Opel als „starke europäische Marke“. Auf dem Weltmarkt pusht der Konzern dagegen die amerikanischen Traditionsmarken Chevrolet und Cadillac. Von Wachstumsmärkten wie den USA und Brasilien ist Opel ausgeschlossen. In China darf Opel zwar verkaufen, muss aber Rücksicht auf die GM-Marke Buick nehmen. In China will GM zudem Cadillac als Luxusmarke etablieren und dann nach Europa bringen.

5. Wie stehen die Chancen, dass die Marke Opel überlebt?

Die Debatten um das Werk Bochum setzen der Marke Opel definitiv zu. Markenpsychologen sehen darin eine Gefahr, die Marke dauerhaft negativ aufzuladen. Im Vergleich zu den anderen deutschen Autobauern ist die Opel generell deutlich schwächer positioniert. Immer stärker wird dagegen die Konkurrenz aus Fernost. Die Markenwahrnehmung der koreanischen Konkurrenz wie Hyundai oder Kia verbessert sich. Für frischen Wind in punkto Marketing und Vertrieb soll nun der bisherige VW-Manager Alfred Rieck sorgen. Er wird neuer Vertriebs- und Marketingvorstand bei Opel. Der 55-Jährige, der bei VW unter anderem Präsident der Marke Skoda in China war, tritt den Posten zum 1. Juli an. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke: „Bei der Neuausrichtung von Opel wird er eine wichtige Rolle innehaben“. Stracke hatte den Posten zuletzt in Personalunion ausgeübt, nachdem der  bisherige Marketingvorstand Alain Visser innerhalb des GM-Konzern zu Chevrolet gewechselt war.

6. Wird der Staat Opel helfen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) schloss einen staatlichen Eingriff am Mittwoch bereits aus. „Darüber wurde vor drei Jahren viel diskutiert. Aber diesmal ist die Situation eine andere“, sagte Schneider der „Rheinischen Post“. General Motors hat heute anders als 2008 keine Finanzengpässe und ist in der Lage Opel selbst zu retten. Die Opel-Mutter hat 2011 rund 7,6 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren. Schneider sagte, deshalb müsse „diesmal die Konzernstrategie korrigiert werden, die Opel den Verkauf von Autos in den wichtigsten außereuropäischen Märkten verbietet“.

7. Warum setzt Opel so wenig Autos ab?

Opel leidet darunter, dass sich die Verbraucher in Südeuropa wegen der Staatsschuldenkrise kaum noch neue Autos in die Garage stellen. In den beiden ersten Monaten verkauften die Marke mit dem Blitz und ihre britische Schwester Vauxhall ein Fünftel weniger Autos. Nach eigenen Angaben rangiert Opel jedoch in mehreren europäischen Ländern immer noch unter den Top fünf der meistverkauften Marken. Etwa in Deutschland (Platz 4), Groß Britannien (Platz 2), Österreich (Platz 2), Italien (Platz 3) oder Griechenland (Platz 2). Der Autoabsatz in Europa wird nach einer Prognosen des Center of Automotive Management weiter zurückgehen.

Prognose Welt-Automarkt 2012

  • USA

    Nach Prognosen des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach steigen die Absätze im US-Markt auf 14 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Das ist der höchste Stand seit 2007.

  • China

    In China wird in 2012 mit einem niedrigen einstelligen Wachstum gerechnet und einem Absatz von dann 12,6 Millionen Pkw.

  • Russland

    Russland könnte mit einem geschätzten Pkw-Absatz von 3,2 Millionen erstmals Deutschland als fünftgrößten Einzelmarkt ablösen.

  • Deutschland - Europa

    Für den deutschen Markt wird mit einem leichten Rückgang der Pkw-Neuzulassungen auf etwa 3,1 Millionen gerechnet. Der Pkw-Absatz in Westeuropa wird um fast 6 Prozent sinken.

8. Wie stark ist die Konkurrenz zur Marke Chevrolet?

Opel selbst sieht die US-Schwester Chevrolet nicht als direkte Konkurrenz. Derzeit spielt die Marke auf dem deutschen Marken noch keine große Rolle, doch die Zuwächse sind beträchtlich und die Preise attraktiv. Im Jahr 2011 zählte das Kraftfahrtbundesamt 29.700 neuzugelassene Chevrolet-Modelle in Deutschland. Im laufenden Jahr soll der Absatz um 20 Prozent zulegen.

9. Könnte der außereuropäische Markt Opel retten?

Erste Verkaufszahlen aus Russland zeigen, dass Opel durchaus das Potenzial hat in den nicht europäischen Märkten zu bestehen. Opel könne kurzfristig 60.000 Fahrzeuge außerhalb Europas exportieren. Die anderen deutschen Autobauer VW, Audi, BMW und Mercedes positionieren sich äußerst erfolgreich auf dem chinesischen Markt. Die Chinesen sind sehr markenbewusst und bevorzugen die deutschen Modelle. Ob sich die Marke Opel ähnlich erfolgreich in China platzieren lässt, ist schwer vorherzusagen. Der "Made in Germany"-Bonus ist hilfreich, aber nicht wirksam, wenn Opel nicht als deutsche Qualitätsmarke wahrgenommen wird.

10. Wie geht es jetzt weiter?

Der Opel-Aufsichtsrat debattiert zur Stunde über den Geschäftsplan, mit dem das Management das Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall aus den roten Zahlen führen will.

Weitere Links

Zu den Maßnahmen, die im Aufsichtsrat diskutiert werden gehören neuerliche Einbußen der Arbeitnehmer, eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die eingangs genannten Werksschließungen. Endgültige Entscheidungen über Werksschließungen werden von dem Gremium am Mittwoch aber nicht erwartet.

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