Opel: Millionenhilfe für entlassene Opelaner

Opel: Millionenhilfe für entlassene Opelaner

Die entlassenen Arbeitnehmer des ehemaligen Bochumer Opelwerks haben vom EU-Parlament fast sieben Millionen Euro bewilligt bekommen - eine Unterstützung um wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen.

Das EU-Parlament hat eine Hilfe von fast sieben Millionen Euro für entlassene Arbeitnehmer bei Opel in Bochum bewilligt. Die Parlamentarier stimmten in Straßburg mit großer Mehrheit für den Beschluss. Das Geld ist gedacht als Hilfe für 2692 frühere Beschäftigte, um neue Jobs zu finden.

Insgesamt wurden 14,6 Millionen Euro für 7300 Arbeitnehmer in Deutschland, Belgien und Italien beschlossen, die ihre Arbeitsplätze in der Automobilindustrie und im Fluggeschäft verloren haben. Es kommt aus dem Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung. Wenn die EU-Regierungen wie erwartet zustimmen, können die Mittel innerhalb weniger Monate ausgezahlt werden.

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Opel in Bochum von 1962 bis 2014

  • 1962

    Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

  • 1967

    Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

  • 1979

    Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20.000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

  • 80er und 90er Jahre

    Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15.000 und 17.000.

  • 1991

    Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

  • 2004

    Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10.000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

  • 2005

    Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

  • 2009

    GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55.000 Stellen sollen wegfallen.

  • 2011

    Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

  • 2012

    Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

  • 2013

    Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

  • 2014

    Am 5. Dezember läuft der letzte Zafira vom Band, am 12. Dezember schließt das Werk seine Pforten endgültig.

Ein Dreivierteljahr nach der Schließung des Werkes mit zuletzt 3300 Mitarbeitern seien etwa 250 Menschen über eine von Opel mitfinanzierte Transfergesellschaft in neue Stellen vermittelt worden, sagte die Bochum-Herner IG Metall-Chefin Eva Kerkemeier. Davon seien aber mehr als 100 Mitarbeiter in Einarbeitungsqualifizierungen, bei denen die dauerhafte Übernahme noch nicht feststehe. Rund 15 Mitarbeiter leisteten Praktika.

Dauerhafte Stellen hätten Ex-Opelaner teils bei der Bahn, bei den städtischen Verkehrsbetrieben oder bei der Feuerwehr gefunden. Andere seien zu mittelständischen Unternehmen der Region gewechselt. Einige wenige hätten sich mit autonahen Dienstleistungen selbstständig gemacht. „Insgesamt ist das nur ein erster Schritt“, sagte Kerkemeier.

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Opel-Werksgelände in Bochum Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Transfergesellschaft habe bereits fast 1000 Weiterbildungskurse angeboten, sagte Kerkemeier. So hätten 174 Opelaner Kurse mit Prüfung als Gabelstaplerfahrer absolviert. 82 Beschäftigte hätten einen Busführerschein erworben. Weiterbildungen gebe es für die Bedienung von CNC-Maschinen oder als Prüfer in der Qualitätssicherung.

Fast alle Opelaner haben bis zum Ablauf ihrer Kündigungsfrist - vielfach Ende Juli - das volle Opel-Gehalt bekommen. Manche hätten deshalb bisher gezögert, schnell einen neuen, oft schlechter bezahlten Job anzutreten, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Die Mitarbeiter bekommen nun 80 Prozent des letzten Nettogehaltes, im zweiten Jahr in der Transfergesellschaft sinkt das Gehalt weiter.

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Von den 3300 Opelanern in Bochum hatten nach Angaben eines Sprechers etwa 200 das Angebot angenommen, nach der Schließung des Werkes an andere Opel-Standorte zu wechseln. Rund 300 übernahm das zentrale Opel-Ersatzteillager in Bochum, das personell aufgestockt wurde. Mehrere Beschäftigte fanden frühzeitig andere neue Jobs, teils auch bei anderen Autoherstellern. Gut 2600 Menschen werden in der vom TÜV Nord betriebenen Jobbörse beraten und weitergebildet.

Davon nehmen etwa 750 ältere Beschäftigte ab 55 Jahren ein Vorruhestandsprogramm in Anspruch. Für die übrigen will die Transfergesellschaft dauerhaft neue Stellen finden.

Opel hatte bei der Werksschließung einen Sozialtarifvertrag mit der Gewerkschaft abgeschlossen, der nach IG Metall-Angaben ein Gesamtvolumen von gut 550 Millionen Euro hat. Das Geld fließt unter anderem in die zweijährige Jobbörse und in Abfindungen zum Ausgleich von Gehaltseinbußen in neuen Stellen.

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