Opel, Peugeot & Co: Schnapsideen retten nicht die Autoindustrie

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KommentarOpel, Peugeot & Co: Schnapsideen retten nicht die Autoindustrie

von Franz W. Rother

Die Probleme der europäischen Autobauer haben sich zuletzt dramatisch verschärft. Mit Förderprogrammen ist den Herstellern nicht aus der Krise zu helfen. Zunächst einmal sollten sie ihre Hausaufgaben machen.

Die Schnapsidee hat der liberale Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis vermutlich über einer Flasche Retsina ausgebrütet: Touristen, die in einem Euro-Krisen-Schulden-Land wie Griechenland kurzfristig Urlaub machen, sollen einen staatlichen Zuschuss zu den Reisekosten erhalten, eine Art Abflugprämie. Zum Dank dafür, dass sie dem Tourismus wieder auf die Beine helfen. Mit einem Last-Minute-Konjunkturprogramm, finanziert aus Steuermitteln.

Auch andernorts macht man sich Gedanken darüber, wie ein Teil der Abermilliarden zur Banken- und Euro-Rettung eingesetzt werden könnte, um die Konjunktur zu beleben. Im Mittelpunkt steht dabei die Autoindustrie, die derzeit in Europa eine schwere Absatzkrise erlebt. Fiat-Chef Sergio Marchionne fordert Abwrackprämien für überflüssige Autofabriken in Italien, die französische Regierung wird in Kürze einen Plan zur Stützung der heimischen Autoindustrie vorlegen.

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Betroffen sind Hersteller, die Wagen in Europa verkaufen

Eine Abwrackprämie – für die allein Deutschland fünf Milliarden Euro verpulverte – hatte schließlich schon 2009 der Autoindustrie geholfen, die Folgen der Finanzkrise abzupuffern. Nun soll unter dem Deckmantel des Klimaschutzes ein neues Konjunkturprogramm gestartet werden, um Massenentlassungen und Werksschließungen zu verhindern. Zahlen soll dafür, na wer wohl: der Steuerzahler.

Fakt ist: Die Probleme der Branche haben sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschärft. Betroffen sind Autohersteller, die wie Opel, Peugeot, Citroën und Fiat das Gros ihrer Produkte in Europa absetzen – und hier vom Strudel der Schuldenkrise und den rigiden Sparprogrammen in den Krisenländern hinabgezogen werden: Die Existenznöte vieler Griechen, Spanier, Italiener und Portugiesen lassen wohl auf Jahre keinen Platz für Gedanken an einen Neuwagenkauf. Zumal viele Autos, die auf den Straßen unterwegs sind, noch ganz toll in Schuss sind – angeschafft wurden sie erst 2009 mithilfe der Abwrackprämie.

Teure Konjunkturprogramme für die Autoindustrie, über die jetzt wieder diskutiert wird, sind auch deshalb so überflüssig und töricht wie der Duftbaum am Rückspiegel oder eine (angeblich leistungssteigernde) Lachgas-Einspritzung: Die deutschen Hersteller haben ihre Abhängigkeit vom gesättigten europäischen Markt frühzeitig verringert und benötigen dank ihrer Premiumstrategie keine Stütze von den Steuerzahlern, um ordentlich Geld zu verdienen.

Die Probleme sind mit Steuergeldern nicht zu lösen

Und die übrigen Volumenhersteller – Fiat, Renault, PSA Peugeot Citroën und General Motors Europe – sollten die aktuelle Absatzkrise zunächst dazu nutzen, um endlich ihre Hausaufgaben zu machen: Nach dem jüngsten Bericht der Cars-21-Gruppe – in der sich Europas Automanager, Politiker und Verbandsfunktionäre Gedanken über Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsstrategien machten – schiebt die Branche enorme Überkapazitäten vor sich her: Nach Schätzungen von Experten müssten in Europa fünf bis sechs Autowerke geschlossen werden. Aus politischen Gründen ist es dazu bislang nicht gekommen – weshalb die Branche nun von einer Krise zur nächsten stolpert.

Opel ist Teil des Problems. Nicht nur Betriebsräte, auch Manager haben den europäischen Ableger von GM zu lange als eine Art Beschäftigungsgesellschaft mit angehängter Fahrzeugproduktion geführt und so in die tiefroten Zahlen gelenkt. Mit Hinweis auf 60 000 Angestellte in ganz Europa und die große Historie forderten sie immer wieder Solidarität ein, aber verschlossen auch immer wieder die Augen vor betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten – Kapazitäten anzupassen, wettbewerbsfähige Produkte anzubieten.

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Die Folge: Opel lebt Autos, die bei Privatkäufern auf immer weniger Liebe stoßen. Die aktuellen Probleme sind also größtenteils hausgemacht und mit Steuergeldern nicht zu lösen, bei Opel so wenig wie bei Fiat, Renault oder Peugeot. Die Unternehmen müssen sich nun selbst aus der Abwärtsspirale befreien – oder aber untergehen. Das ist hart. Aber Markt ist Markt, und Schnaps ist Schnaps.

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