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Kommentar Opel, Peugeot & Co: Schnapsideen retten nicht die Autoindustrie

von Franz W. Rother

Die Probleme der europäischen Autobauer haben sich zuletzt dramatisch verschärft. Mit Förderprogrammen ist den Herstellern nicht aus der Krise zu helfen. Zunächst einmal sollten sie ihre Hausaufgaben machen.

Forscher des Automotive Institute for Management (AIM) an der European Business School in Oestrich-Winkel haben den Wert von Automarken aus Sicht der Kunden bestimmt. Fast 1400 Kunden von 15 Automarken wurden dafür befragt. In die Bewertung flossen die Beurteilung der Markenstärke, Kundenbindung sowie Qualität und Service mit ein. Die Beurteilung dieser Dimensionen erfolgte mit Werten von 1 = ganz schwach bis 7 = ganz stark. Die Gesamtwertung ergibt sich aus den Mittelwerten der einzelnen Bereiche. Und hier das Ergebnis...

Bild: dpa

Die Schnapsidee hat der liberale Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis vermutlich über einer Flasche Retsina ausgebrütet: Touristen, die in einem Euro-Krisen-Schulden-Land wie Griechenland kurzfristig Urlaub machen, sollen einen staatlichen Zuschuss zu den Reisekosten erhalten, eine Art Abflugprämie. Zum Dank dafür, dass sie dem Tourismus wieder auf die Beine helfen. Mit einem Last-Minute-Konjunkturprogramm, finanziert aus Steuermitteln.

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Auch andernorts macht man sich Gedanken darüber, wie ein Teil der Abermilliarden zur Banken- und Euro-Rettung eingesetzt werden könnte, um die Konjunktur zu beleben. Im Mittelpunkt steht dabei die Autoindustrie, die derzeit in Europa eine schwere Absatzkrise erlebt. Fiat-Chef Sergio Marchionne fordert Abwrackprämien für überflüssige Autofabriken in Italien, die französische Regierung wird in Kürze einen Plan zur Stützung der heimischen Autoindustrie vorlegen.

Betroffen sind Hersteller, die Wagen in Europa verkaufen

Eine Abwrackprämie – für die allein Deutschland fünf Milliarden Euro verpulverte – hatte schließlich schon 2009 der Autoindustrie geholfen, die Folgen der Finanzkrise abzupuffern. Nun soll unter dem Deckmantel des Klimaschutzes ein neues Konjunkturprogramm gestartet werden, um Massenentlassungen und Werksschließungen zu verhindern. Zahlen soll dafür, na wer wohl: der Steuerzahler.

General Motors + PSA Peugeot Citroën

Die Gerüchteküche brodelt. Nachdem Amerikaner und Franzosen im Februar vereinbart hatten, sich gegenseitig auf dem schwächelnden europäischen Automarkt zu stützen, gibt es nun Medienberichte, nach denen PSA dem indischen Hersteller Tata schöne Augen mache. Die Zusammenarbeit von GM und PSA zielt vor allem auf eine enge Verzahnung der GM-Tochter Opel mit dem französischen Hersteller. Gemeinsam wollen GM und PSA Basismodelle entwickeln und künftig beim Einkauf und Logistik kooperieren. Außerdem wurde vereinbart, dass sich General Motors mit sieben Prozent an PSA Peugeot Citroën beteiligt und damit entscheidender Anteilseigner wird.

Opel wies den Bericht des Manager Magazins zurück. Die Allianz mache Fortschritte und entwickle sich wie erwartet. Das Magazin hatte geschrieben, PSA-Chef Varin und Tata-Eigentümer Ratan Tata würden sich seit langem kennen. Tata benötige vor allem bessere Motoren sowie hochwertigere kleinere und mittlere Automodelle. PSA könnte dabei helfen. PSA hoffe auf den Aufbau einer gemeinsamen Billigmarke ähnlich der Renault-Tochter Dacia. Außerdem könnte Tata den angeschlagenen Franzosen im Notfall mit Kapital helfen.

Bild: dpa

Fakt ist: Die Probleme der Branche haben sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschärft. Betroffen sind Autohersteller, die wie Opel, Peugeot, Citroën und Fiat das Gros ihrer Produkte in Europa absetzen – und hier vom Strudel der Schuldenkrise und den rigiden Sparprogrammen in den Krisenländern hinabgezogen werden: Die Existenznöte vieler Griechen, Spanier, Italiener und Portugiesen lassen wohl auf Jahre keinen Platz für Gedanken an einen Neuwagenkauf. Zumal viele Autos, die auf den Straßen unterwegs sind, noch ganz toll in Schuss sind – angeschafft wurden sie erst 2009 mithilfe der Abwrackprämie.

Teure Konjunkturprogramme für die Autoindustrie, über die jetzt wieder diskutiert wird, sind auch deshalb so überflüssig und töricht wie der Duftbaum am Rückspiegel oder eine (angeblich leistungssteigernde) Lachgas-Einspritzung: Die deutschen Hersteller haben ihre Abhängigkeit vom gesättigten europäischen Markt frühzeitig verringert und benötigen dank ihrer Premiumstrategie keine Stütze von den Steuerzahlern, um ordentlich Geld zu verdienen.

Die Probleme sind mit Steuergeldern nicht zu lösen

Und die übrigen Volumenhersteller – Fiat, Renault, PSA Peugeot Citroën und General Motors Europe – sollten die aktuelle Absatzkrise zunächst dazu nutzen, um endlich ihre Hausaufgaben zu machen: Nach dem jüngsten Bericht der Cars-21-Gruppe – in der sich Europas Automanager, Politiker und Verbandsfunktionäre Gedanken über Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsstrategien machten – schiebt die Branche enorme Überkapazitäten vor sich her: Nach Schätzungen von Experten müssten in Europa fünf bis sechs Autowerke geschlossen werden. Aus politischen Gründen ist es dazu bislang nicht gekommen – weshalb die Branche nun von einer Krise zur nächsten stolpert.

Wo Opel in Deutschland und Europa produziert

Bochum

Kapazität: 160.000 Fahrzeuge

Gefertigte Einheiten: 131.000 (davon 87.000 Zafira)

Seit 1962 produziert Opel in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer. 3.100 Mitarbeiter bauen hier den Zafira Family und Zafira Tourer sowie den Astra Classic. Ende 2016 läuft die Produktion der Großraumlimousine Zafira aus. Dann sollen in der 50 Jahre alten Fabrik die Lichter ausgehen.

Bild: dpa

Opel ist Teil des Problems. Nicht nur Betriebsräte, auch Manager haben den europäischen Ableger von GM zu lange als eine Art Beschäftigungsgesellschaft mit angehängter Fahrzeugproduktion geführt und so in die tiefroten Zahlen gelenkt. Mit Hinweis auf 60 000 Angestellte in ganz Europa und die große Historie forderten sie immer wieder Solidarität ein, aber verschlossen auch immer wieder die Augen vor betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten – Kapazitäten anzupassen, wettbewerbsfähige Produkte anzubieten.

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Die Folge: Opel lebt Autos, die bei Privatkäufern auf immer weniger Liebe stoßen. Die aktuellen Probleme sind also größtenteils hausgemacht und mit Steuergeldern nicht zu lösen, bei Opel so wenig wie bei Fiat, Renault oder Peugeot. Die Unternehmen müssen sich nun selbst aus der Abwärtsspirale befreien – oder aber untergehen. Das ist hart. Aber Markt ist Markt, und Schnaps ist Schnaps.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2012, 11:50 UhrVerySeriousSam

    "Die Unternehmen müssen sich nun selbst aus der Abwärtsspirale befreien – oder aber untergehen. Das ist hart. Aber Markt ist Markt, und Schnaps ist Schnaps."

    So sollte es sein. Für Banken gilt das aber ganz offenbar nicht, die werden mit unendlichen Summen aus der Tasche der Steuerzahler am Zombieleben erhalten. Von daher ist die Frage legitim: warum nicht auch andere Unternehmen, nämlich solche der Realwirtschaft?

  • 22.07.2012, 11:11 UhrMalocher

    Nähmen industrielle Hersteller nicht allein von Automobilen das bereits vor bald dreißig Jahren wissenschaftlich festgestellte Ende der Massenproduktion (Piore/Sabel, 1984, Basic Books: New York) ernst, befänden sie sich noch Jahrzehnte später nicht in einer ihrer tiefsten Krisen weltweit. Angesichts dessen auch nur zu erwägen, von Seiten des Gemeinwesens öffentliche Gelder dafür einzusetzen, diesem überaus hingebungsvoll praktizierten Vergeuden wertvollster Zeit immer mehr Nahrung zu geben, deutet zweifelsfrei darauf hin, nicht daran interessiert zu sein, gleich welche Erzeugnisse auf gesellschaftlich effiziente Weise zum Wohle aller zu fertigen.

  • 21.07.2012, 22:42 UhrDetroit

    Die deutsche Hersteller sollten auch schleunigst Arbeitsplätze abbauen und Werke schliessen. Die machen auch keine guten Geschäfte mehr. Die VW Porsche Allianz kostet den Steuerzahler auch zu viel. Die miese jahrzehntlange GM Hetzjagd der dt. Presse hat nichts daran geändert, dass GM-Opel an der Weltspitze stehen.

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