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Opel: Stracke-Rücktritt erschüttert Vertrauen

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke ist von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender und Präsident von General Motors Europe zurückgetreten. Namen potenzieller Nachfolger kursieren bereits.

Karl-Thomas Neumann

Der angeschlagene Autohersteller Opel hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Der Aufsichtsrat hat den ehemaligen Volkswagen-Manager Karl-Thomas Neumann nun offiziell zum neuen Chef bestimmt. Er soll den Posten zum 1. März antreten. Neumann war bis zum Sommer 2012 für das China-Geschäft von Volkswagen verantwortlich. Dass er den Posten als Nachfolger von Opel-Übergangschef Thomas Sedran bekommen würde, wurde schon vergangenes Jahr berichtet. Zunächst wurde allerdings mit einem späteren Amtsantritt Neumanns gerechnet, da seine Verpflichtungen bei VW noch bis Ende Juni liefen. Neumann erwartet eine schwierige Aufgabe: In den vergangenen Jahren hat Opel horrende Verluste angehäuft. Die GM-Tochter leidet besonders unter der Absatzkrise der Autobranche in Europa, auch weil ihr die Mutter den Zugang zu vielversprechenden Märkten außerhalb Europas verweigert. Neumann musste sich schon einmal als Krisenmanager beweisen: in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender beim Autozulieferer Continental von 2008 bis 2009. Damals strich er Tausende Jobs.

Bild: obs

Karl-Friedrich Stracke ist als Vorstandsvorsitzender des defizitären Autobauers Opel zurückgetreten. Er habe auch den Posten als Präsident von General Motors Europe abgegeben, teilte die Adam Opel AG am Donnerstag ohne Angabe von Gründen mit. Stracke werde Sonderaufgaben für GM übernehmen.

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GM-Vize Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, wird die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten. Die Suche nach einem Stracke-Nachfolger habe bereits begonnen, berichtete der Autobauer: „Der Opel-Aufsichtsrat wird in Kürze einberufen, um einen kommissarischen Opel-Vorstandsvorsitzenden zu benennen.“ Insider räumen einem Zeitungsbericht zufolge Strategievorstand Thomas Sedran beste Chancen auf die Nachfolge ein. Sedran bringe von seinem Know-how und seiner Persönlichkeit entsprechende Voraussetzungen mit und werde zudem vom Management der Opel-Konzernmutter General Motors (GM) geschätzt, berichtete die „Allgemeine Zeitung Mainz“ am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Unternehmenskreise. Laut der „Bild-Zeitung“ ist zudem der amtierende Opel-Produktionsvorstand Peter Thom ein Kandidat mit guten Chancen.

Erst im Januar 2012 wurde Stracke (56) zum Präsidenten von General Motors Europe ernannt. Seit April 2011 war er Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG und damit verantwortlich für das weltweite operative Geschäft von Opel/Vauxhall. Er sollte den defizitären Autobauer zurück in die Gewinnzone führen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt.

Strackes wichtigste Karrierestationen bei Opel

  • Der Einstieg in Rüsselsheim

    1979 startet der Maschinenbau-Ingenieur seine Karriere bei Opel als Konstrukteur im Bereich Rohkarosserie.

  • Der Wechsel ins Management

    Nach einem betriebswirtschaftlichen Zweitstudium an der GM-Universität in Flint steigt Stracke 1984 ins Management der Karosseriekonstruktion ein. 1991 übernimmt er die Leitung dieses Bereichs.

  • Ernennung zum Chefingenieur

    Im Jahr 1993 wird Stracke zum Chefingenieur der Fertigungsentwicklung für Pressen und Unterzusammenbauten ernannt.

  • Führende Rolle in Bochum

    Als Fertigungsdirektor kommt Stracke 1995 ins Bochumer Opel-Werk. Die Modellanläufe der Modelle Astra und Zafira, ebenso wie die Werksumstellung auf „schlanke Produktionsmethoden“ (Zitat Opel) werden unter seiner Leitung umgesetzt.

  • Rückkehr nach Rüsselsheim

    1999 übernimmt Strake im Rüsselsheimer Werk die Stelle als Direktor der Produktentwicklung.

  • Neuer europaweiter Posten

    2004 wird Stracke Executive Direktor GME Engineering und übernimmt damit die Verantwortung für die Opel/Vauxhall-Produktentwicklung sowie die Saab-Produktkonstruktion in Trollhättan, Schweden.

  • Globale Verantwortung

    2006 kommt für Stracke die globale Produktentwicklungs-Verantwortung für Body/Interior und Safety aller GM-Marken hinzu. Zwei Jahre später wechselt er in den Bereich Globale Fahrzeugintegration und Prüffelder. 2009 steigt Stracke zum Vizepräsident des „Global Vehicle Engineering“, den globalen Fahrzeugproduktentwicklungsbereich von GM auf.

  • Der Vorstandsvorsitz bei Opel

    Am 11. April 2011 tritt Stracke den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Adam Opel AG an. Damit ist er für das weltweite operative Geschäft von Opel/Vauxhall verantwortlich.

  • GM-Chef in Europa

    Erst im Januar 2012 wird Stracke zum Präsidenten von General Motors Europe ernannt.

  • Der Rücktritt

    Am 12. Juli 2012 tritt Stracke überraschend von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender zurück und legt auch den Posten als Präsident von General Motors Europe ab.

Der Autobauer leidet besonders stark unter der Krise im Euroraum. Der Absatz ist zuletzt kräftig gesunken. Anfang Juni hatte der Opel-Chef noch ein umfangreiches Sanierungsprogramm vorgestellt. Unter anderem wollte er in den nächsten vier Jahren über 20 neue Modelle auf den Markt bringen, ins Premium-Segment vorstoßen und so den Absatz in Europa aber auch in China deutlich steigern.

Den Startschuss für die Modelloffensive macht er mit den Enthüllung des Lifestyle-Flitzers Opel Adam. Der Kleinwagen ist als Konkurrenz zum VW Up gedacht. Mit ihm will Opel vor allem eine jüngere, trendbewusste Klientel ansprechen. Dass Stracke zu diesem Zeitpunkt von Bord geht, muss die Opel-Mitarbeiter tief erschüttern. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin zeigte sich besorgt: „Was Opel am Dringendsten braucht, ist Vertrauen. Solche überraschenden Personalwechsel tragen nicht dazu bei."

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.07.2012, 10:06 UhrBeobachter

    Dass ist eher typisch amerikanisch: schlechte Zahlen, sofort feuern ohne Rücksicht auf Markt und Image. Was soll denn ein Opel-Chef machen? Die Kunden zwingen von einem Unternehmen mit katastrophalem Image zu kaufen? Als ehemaliger GF amerikanischer Konzerngesellschaften in Europa kann ich nur sagen, die lernen es nie dass Europa und vor allem Deutschland nicht die USA sind. Hier gelten Kontinuität, Qualität und Vertrauen viel mehr, ganz zu schweigen von der Mitbestimmung. Ich sehe für Opel keine Chance, es wird ein harter Weg des Downsizings bis zur Abwicklung und diese wohl auch noch von unseren Steuergeldern mitfinanziert. Shit.

  • 12.07.2012, 17:41 Uhrwolfgang.witzke@gmx.de

    Das ist typisch bei GM. Zeichnet sich Erfolg ab, oder bringt man
    Finanz-Politisch ( z.B.: Steuern zahlen ) das Unternehmemen in Gefahr,dann wird man in eine Position "Ruhezone" gelobt. GM zeigt wieder einmal seine Macht.
    Gruß , Ein Ehemaliger Opler

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