Opel Zafira: Hat Opel selbst erhöhte CO2-Werte gemessen?

Opel Zafira: Hat Opel selbst erhöhte CO2-Werte gemessen?

, aktualisiert 03. Dezember 2015, 13:45 Uhr
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Opel hat beim Zafira offenbar selbst erhöhte CO2-Werte gemessen.

Das ARD-Magazin "Monitor" wirft Opel vor, bei einem Zafira mit Dieselmotor selbst zu hohe CO2-Werte gemessen zu haben. Der Autobauer dementiert energisch – und greift das Magazin frontal an.

Opel hat bei einer eigenen Prüfung offenbar selbst deutlich erhöhte CO2-Werte festgestellt. Im Oktober hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) dem Autobauer vorgeworfen, der Zafira mit 1,6-Liter-Diesel stoße auf der Straße viel mehr Stickoxide aus als auf dem Prüfstand. Opel testete daraufhin selbst und gab an, die Messergebnisse seien im erlaubten Rahmen, die Vorwürfe damit haltlos.

Wie das ARD-Magazin Monitor in seiner Ausgabe am Donnerstag berichten wird, hat Opel bei den Tests aber selbst eine Überschreitung der Euro-6-Grenzwerte gemessen – nur nicht bei den Stickoxiden, sondern beim CO2. Das Protokoll von insgesamt drei Messungen, die der Autohersteller Ende Oktober im eigenen Prüflabor in Rüsselsheim durchgeführt hat, liegt der Redaktion nach eigenen Angaben vor. Danach lagen Verbrauch und CO2-Emissionen bei einem Opel Zafira im Durchschnitt um 15 Prozent über den offiziellen Angaben des Herstellers.

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Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

  • Die Vorgaben in Deutschland

    Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

  • Wer testet?

    Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

  • Kritik an Prüfung

    Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

  • Weitere Prüfungen

    Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

  • Geplante neue Prüfmethode

    Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Sollten sich die Messungen bestätigen, drohen dem Konzern erhebliche finanzielle, aber auch strafrechtliche Konsequenzen. Nach geltender Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs haben Verbraucher ab einer Überschreitung von 10 Prozent Anspruch auf eine Minderung des Kaufpreises. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte das Kraftfahrbundesamt (KBA) auf, dem Fall nachzugehen und neben den aktuellen Tests des KBA zu Stickoxiden auch die CO2-Emissionen der Hersteller zu untersuchen. "Wenn ein Fahrzeug im Prüfzyklus mehr klimaschädliches CO2 ausstößt als bei der Zulassung angegeben, drohen Steuernachzahlungen für die Fahrzeughalter und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sowie Schadensersatzansprüche der Halter gegen den Hersteller", so Resch.

Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen falscher Angaben bei den CO2-Emissionen gegen Volkswagen. Die Wolfsburger hatten bereits erklärt, eventuelle Steuernachzahlungen der Halter auch rückwirkend zu übernehmen.

Abgas-Skandal Hat auch Opel manipuliert?

Auch Opel droht wegen erhöhter Abgaswerte Ungemach: Die Deutsche Umwelthilfe will bei einem Test Abweichungen gemessen haben – der Autobauer weist die Anschuldigungen als „unseriös“ und „nicht nachvollziehbar“ zurück.

Ein Opel Zafira ist bei Abgas-Tests der DUH negativ aufgefallen. Quelle: dpa

Opel hatte die Messungen nach den gesetzlichen Vorschriften durchgeführt um den Vorwurf zu entkräften, der Zafira stoße auf einem Zwei- und einem Vier-Rollen-Prüfstand unterschiedlich hohe Stickoxidwerte aus. Bei einem solchen Normtest sollte der Wagen eigentlich die bei der Zulassung angegebenen CO2-Werte erreichen, was im Fall Opel nach den Monitor-Dokumenten aber offenbar nicht der Fall war.

Inzwischen hat sich auch Opel zu den erneuten Vorwürfen geäußert und weist diese "mit Nachdruck und Entschiedenheit" zurück. Die Behauptung, dass die CO2-Emissionen des Opel Zafira 1.6 CDTI angeblich 15 Prozent über den offiziellen Angaben liegen, sei falsch. "Unsere Informationsmessungen ergaben durchgehend Werte, die innerhalb des 10-Prozent-Rahmens lagen, auf den Monitor Bezug nimmt", schreibt Opel in einer Mitteilung. "Die Behauptung von Monitor, die Werte würden den Zertifizierungswert von 15 Prozent überschreiten, lassen sich somit nur dadurch erklären, dass Monitor von einem falschen Zertifizierungswert ausgeht." Dieser liege bei dem getesteten Fahrzeug bei 119 Gramm CO2 pro Kilometer. Ein Blick in den Opel-Prospekt zeigt: Es gibt zwei Zafria-Varianten mit dem 1.6 CDTI-ecoFLEX-Motor. Die Version mit 120 PS ist mit 119 Gramm homologiert, die stärkere Version mit 136 PS ist mit 109 Gramm angegeben.

Zugleich wirft der Autobauer dem ARD-Magazin vor, sich "offenbar vor den Karren des Vereins "Deutsche Umwelthilfe" spannen lassen, dessen Behauptungen sich schon mehrfach als irreführend und falsch erwiesen haben". Opel selbst habe dem freien Journalisten Peter Onneken das erwähnte Protokoll zur Verfügung gestellt, um "andere irreführende Vorwürfe aus zweifelhaften Experimenten zu widerlegen. Opel habe dem Journalisten mehrfach mündlich wie schriftlich klargemacht, dass seine Rückschlüsse nicht zulässig und wissenschaftlich nicht haltbar seien. "Diese Form der Berichterstattung ist nach unserer Auffassung weder objektiv noch sorgfältig, sondern dient dazu, die Kunden zu verunsichern und die Reputation von Opel zu beschädigen", so der Autobauer.

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